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Panorama Literaturkritiker Reich-Ranicki ist tot

Verehrt und gefürchtet zugleich: der Kritiker Marcel Reich-Ranicki. Seine Autobiografie mit der Schilderung der Flucht aus dem Warschauer Ghetto wurde zum Bestseller. Nun ist er mit 93 Jahren gestorben.

Legende: Video «Literaturkritiker Reich-Ranicki ist tot» abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.09.2013.

Der aus Polen stammende Publizist und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren. Das meldet der FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher via Twitter.

Reich-Ranicki starb nach Angaben aus seinem Umfeld am frühen Nachmittag nach langer, schwerer Krankheit in einem Wohnstift in Frankfurt, wo er die letzten Wochen gelebt hatte.

Reich-Ranicki galt als der einflussreichste deutschsprachige Literaturkritiker der Gegenwart. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er durch die Büchersendung «Das Literarische Quartett» bekannt, die zwischen 1988 und 2001 mit grossem Erfolg im ZDF lief.

1999 erschien seine Autobiografie «Mein Leben», in der er auch über seine Zeit im Warschauer Getto berichtete. Dort hatte er 1942 seine Frau Teofila geheiratet. Ein Jahr später gelang ihnen die Flucht aus dem Getto, kurz vor der Ermordung aller Insassen.

An Krebs erkrankt

Marcel Reich-Ranicki war viele Jahrzehnte zentrale Instanz der deutschen Literaturszene. Der scharfzüngige Kritiker war mit seiner direkten Art geachtet, aber auch gefürchtet und bei manchem Schriftsteller verhasst.

2008 sorgte er für einen Eklat bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises, als er die Ehrung ablehnte – wegen des «Blödsinns, den wir heute Abend zu sehen bekommen haben».

Legende: Video «Reich-Ranicki lehnt Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk ab. (Tagesschau vom 13.10.2008)» abspielen. Laufzeit 3:05 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 13.10.2008.

Wenig später liess er sich dann aber auf eine Diskussion mit Moderator Thomas Gottschalk über die Qualität des deutschen Fernsehens ein.

2011 starb seine geliebte Frau, mit der er sieben Jahrzehnte zusammen war. Auch Reich-Ranicki selbst war in den letzten Jahren nicht mehr sehr gesund. Am 4. März 2013 gab er bekannt, an Krebs erkrankt zu sein. Dennoch schrieb er weiter für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung», deren Literaturredaktion er zwischen 1973 und 1988 geleitet hatte.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Ein trauriger Tag. Wäre «ewiger Jude» nicht mit Heimatlosigkeit & Rastlosigkeit und mit Strafe verbunden, hätte ich ihn mir als solchen gewünscht - und der Welt. Ein Ranicki für alle Zeit durch die Jahrhunderte wandernd mit kritischem Blick auf die Literatur und Gesellschaft! Shalom Alechem.
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Heute ist ein trauriger Tag für alle, welche hochstehende Literaur lieben und schätzen. Ein ganz grosser Kritiker und Zeitzeuge ist von uns gegangen. Es war und ist gut, dass er seinerzeit den deutschen Fernsehpreis ablehnte und somit der seichten Unterhaltung in diesem Medium eine klare Absage erteilte. Leider haben davon RTL, Pro7 und viele andere Sender in ganz Europa nichts gelernt und aufgenommen.
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    1. Antwort von Ein Hinseher, Kleinbösingen
      Sie wissen ja, Geld regiert die Welt. Werbung kann man nur mit Sport oder seichter Unterhaltung verkaufen. Diejenigen, welche anspruchsvolles Fernsehen schauen, lassen sich durch Werbung kaum oder gar nicht beeinflussen.
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  • Kommentar von Werner Wyssmann, Derendingen
    Ein grosser Denker und Kenner der deutschen Literatur, wortgewandt und vor allem unkorrumpierbar. Er wird der deutschen Sprache und der Welt fehlen! R.I.P.
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