Nach TGV-Unfall: Ost-West-Achse wieder voll in Betrieb

Zwischen Aarau und Olten lief am Samstagvormittag im Bahnverkehr gar nichts mehr. Ein TGV riss eine Fahrleitung herunter – die Ost-West-Achse war komplett blockiert. Die SBB-Passagiere mussten mit langen Wartezeiten rechnen. Am frühen Abend wurde die Strecke wieder vollständig freigegeben.

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Hunderte SBB-Passagiere stranden

1:44 min, aus Tagesschau vom 20.9.2014

Wieder einmal Ärger für die SBB-Kunden: Zwischen Aarau und Olten lag der Bahnverkehr am Samstagvormittag lahm. Eine «Fahrleitungsstörung» blockierte die ganze Ost-West-Achse. Die Verbindung nach Olten war während zwei Stunden komplett gesperrt.

Ab Mittag war die Strecke wieder befahrbar – allerdings nur einspurig. Die Reparaturarbeiten dauerten bis zum frühen Abend an, bevor die Strecke wieder vollständig freigegeben werden konnte. Einige wenige Folgeverspätungen waren jedoch auch nach 18 Uhr noch die Folge.

Fahrleitung heruntergerissen

Offenbar habe ein Zug auf der Strecke Aarau-Schönenwerd eine Fahrleitung heruntergerissen, sagte SBB-Mediensprecher Stephan Wehrle zum Vorfall. Zudem sei offenbar ein Gegenstand in die Frontscheibe des Zugs geflogen, was zu einer Schnellbremsung geführt habe. Der Lokführer, sei zur Kontrolle ins Spital gebracht worden, blieb aber unverletzt, sagte der Sprecher der Kantonspolizei Solothurn, Andreas Mock. Weitere Details zur Unfallursache lagen bis am Samstagabend nicht vor.

Stephan Wehrle über die Wiederaufnahme des Betriebs

0:27 min, vom 20.9.2014

Der gesamte Zugverkehr im Mittelland war von der «gröberen Störung» (Wehrle) betroffen. Das heisst: Hunderte Passagiere strandeten irgendwo zwischen Aarau und Olten – oder mussten in stillstehenden Zügen ausharren.

Airlines warten auf verspätete Passagiere

Aufgrund der Störung mussten die Bahnreisenden grössere Störungen in Kauf nehmen. Die Fernverkehrszüge wurden in Aarau und Olten gewendet. Die Fernverkehrszüge zwischen Basel und Zürich via Bözberg (AG) umgeleitet.

Der Streckenunterbruch wirkte sich auch auf den Flugverkehr aus. Einige Airlines verzögerten am Flughafen Zürich den Abflug wegen der verspäteten Passagiere.

Kartenausschnitt zeigt Strecke Olten-Aarau Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die 15 Kilometer zwischen Olten und Aarau – das Ost-West-Nadelöhr der SBB – waren während Stunden total blockiert. SRF

SBB organisiert Taxis

«Fluggesellschaften wie Swiss oder Air Berlin warteten um die Mittagszeit bis die fehlenden Passagiere eintrafen», sagte Maurus Stocker vom Flughafen Zürich. Dadurch seien auch im Flugverkehr kleinere Verspätungen aufgetreten. «Insbesondere aus dem Kanton Bern reisten wegen des Ferienbeginns viele Fluggäste an.»

Die SBB wiederum hatte für die im Mittelland gestrandeten Flugpassagiere Taxis organisiert, welche diese auf Kosten der Bundesbahn zum Flughafen brachten, wie Sprecher Stephan Wehrle sagte.

Unfall an denkbar ungünstigem Ort

Der Unfall ereignete sich auf einem zentralen Nadelöhr des schweizerischen Schienenverkehrs: Der Abschnitt Däniken - Aarau ist die einzige Doppelspurlücke im sonst vierspurig ausgebauten Korridor Westschweiz-Bern/Biel-Olten-Aarau- Zürich.

Erschwerend kam hinzu, dass die Störung genau auf der Kantonsgrenze zwischen Aargau und Solothurn vorgefallen sei. Man habe sich schliesslich darauf geeinigt, dass die Kantonspolizei Solothurn den Lead übernehme, erklärte Wehrle weiter. Am späten Nachmittag konnte der TGV nach Olten abgeschleppt werden.