Neues Gesetz zur Enteignung von Hitlers Geburtshaus

Mit einem eigenen Gesetz will Österreich die Enteignung des Geburtshauses von Adolf Hitler in Braunau am Inn ermöglichen. Das Gebäude soll damit in den Besitz der Republik übergehen. Damit soll verhindert werden, dass das Haus eine «Pilgerstätte» für Nazi-Anhänger wird.

Ansicht der Fassade des Hauses in Braunau am Inn. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Österreich will das Haus im Sinne der Opfer des Nationalsozialismus‘ nutzen, muss es dafür aber zuerst enteignen. Bundesministerium für Inneres (BMI)

Österreichs Regierung hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Enteignung des Geburtshauses von Adolf Hitler in Braunau am Inn ermöglichen soll. Ziel sei die Enteignung der bisherigen Eigentümerin Gerlinde Pommer.

Das Gebäude soll damit in Staatsbesitz übergehen, wie das Bundesministerium für Inneres (BMI) in Wien bekanntgab. Die Republik will langfristig die Kontrolle über das Haus haben, damit es nicht zu einer «Pilger- oder Gedenkstätte» für Personen wird, die «nationalsozialistischem Gedankengut verhaftet sind».

Jahrelanger Streit um das Haus

Das Innenministerium hatte das Haus, in dem Hitler am 20. April 1899 geboren wurde, seit 1972 Jahren gemietet und zu einem Behindertenheim umgebaut. Die Eigentümerin Gerlinde Pommer, deren Familie das Gebäude in der Innenstadt von Braunau seit mehr als einem Jahrhundert gehört, verweigerte aber dringend benötigte Renovierungsarbeiten. Darum steht das Haus seit 2011 leer.

Seit Jahren versuchte das Innenministerium, die Liegenschaft zu kaufen. Pommer lehnte aber mehrere Kaufangebote ab. Als letztes Mittel wird nun die Enteignung auf dem Gesetzweg angestrebt – gegen eine angemessene Entschädigung.

Inschrift auf dem Granitstein: «Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen.» Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Mahnstein aus Granit stammt aus dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen. Reuters

Zukünftige Nutzung ist umstritten

Der Umgang mit dem Haus ist auch Gegenstand einer heftigen Diskussion unter den Einwohnern von Braunau. Einige wollten es zu einem Flüchtlingsheim umnutzen, andere dort ein Museum für die Befreiung Österreichs einrichten. Manche wollte es sogar abreissen, allerdings steht das Haus als Teil der Braunauer Innenstadt unter Denkmalschutz.

Vor dem Gebäude, in dem Hitler bis zu seinem dritten Lebensjahr lebte, befindet sich ein aus dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen stammender Mahnstein aus Granit. Darauf steht: «Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen.»