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Panorama Noch mehr Hohn und Spott für Erdogan

In Deutschland hat sich das Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan längst zu einer Staatsaffäre entwickelt. Nun setzt die britische Wochenzeitschrift «Spectator» noch einen drauf: Sie sucht das obszönste Spottgedicht über den türkischen Präsidenten.

Erdogan bei einem Treffen mit Irans Präsident Rohani in Ankara (16.4.16)
Legende: Die Briten lassen die Waffe des Spotts mit Vorliebe niedersausen. Keystone

Zuerst eine Kostprobe:

Da gab’s einen Alten in Gibraltar,
der badete bloss jedes Schaltjahr.
Das letzte Bad zwar,
das verschob er fünf Jahr,
weil das Schaltjahr in Gibraltar so kalt war.

Ein helvetischer Limerick der Spitzenklasse aus der Feder des unvergesslichen César Keiser. Die behende Wortkunst soll sich nun mit dem Vokabular und der Bilderwelt der Gosse paaren, wenn es nach dem «Spectator» ginge, der britischen Wochenzeitschrift und Kaderschmiede der Konservativen Partei.

Zielsicher unter die Gürtellinie

Das Magazin hat nämlich einen Wettbewerb ausgeschrieben, Link öffnet in einem neuen Fenster mit einem Preisgeld von 1000 Pfund Sterling für den obszönsten und beleidigendsten Limerick gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Der «Spectator» empört sich, in bester britischer Tradition, gegen die gebückte Haltung der deutschen Regierung bei der Verteidigung der Redefreiheit im Fall Böhmermann. Und damit gegen die Bereitschaft, die Ehre eines orientalischen Despoten vor einem deutschen Gericht zu verteidigen.

Die Redaktion verlangt keine Limericks, stellt sich aber auf den Standpunkt, man könne jede lohnende Beleidigung auf die fünf verfügbaren Verszeilen komprimieren. Als Themen empfiehlt das Blatt die Grösse von Erdogans Fortpflanzungsorgan, seine schwüle Nähe zu Ziegen und seine Unzuverlässigkeit in der Nähe eines Zoos. Politische Nuancen seien nicht von vornherein ausgeschlossen, hätten aber wenig Chancen auf das Preisgeld.

Der «Spectator» schwingt sich so zum Ritter ohne Furcht und Tadel für eine alte englische Tradition auf: Die Waffe des Spotts ist bei zweifelhaften Autokraten, die sich selbst ungebührlich ernst nehmen, besonders gefürchtet.

Martin Alioth

Porträt Martin Alioth

Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Das "beleidigt sein" sollte kein Recht auf Strafverfolgung generieren können. Die Kultur Erdogans streicht aber ebendas heraus. Das verträgt sich nicht mit einer offenen Gesellschaft in Europa, deren Motto heisst: Selber leben wie man will - und den andern leben lassen. Durch das Vorrecht der "Beleidigtseinkultur" werden unsere Freiheiten in Europa peu-à-peu eingeschränkt. Darauf sollten wir uns nicht einlassen.
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  • Kommentar von ruta habegger (somewhere)
    Nur weiter so, vielleicht schweigt dann dieser arrogante Erdogan endlich!!
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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Ein souveräner Präsident hätte locker darüber hinweggesehen. Nur ein innerlich unsicherer Präsident regt sich über sowas auf. Ich hoffe für die Türkei und Europa dass die Aera Erdogan bald beendet ist.
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