Filmbildung in der Schweiz Nur jeder 20. Schüler erhält Filmunterricht

Filmunterricht hat in der Deutschschweiz Seltenheitswert. Warum gewichten Nachbarländer die Filmkompetenz so viel höher?

Kinder zur Schulung in die Kinosäle: Viele Länder bewerten audiovisuelle Kompetenz höher als die Schweiz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kinder zur Schulung in die Kinosäle: Viele Länder bewerten audiovisuelle Kompetenz höher als die Schweiz. Keystone/Archiv

Die Schweiz ist europaweit Schlusslicht punkto Filmbildung. Filmriss, quasi. Nur fünf Prozent der Schweizer Schulkinder bekommen Filmunterricht. In Dänemark sind es vergleichsweise 81 Prozent. Ein Podium an den Solothurner Filmtagen ging der Frage nach, warum in vielen anderen Ländern die Filmbildung längst fest im Lehrplan steht.

Lange Filmtradition in Frankreich

Mark Reid vom «British Film Institute» hat die Bildungsangebote verschiedener europäischer Länder untersucht. Neben den nordischen Ländern lobt er vor allem Frankreich und Deutschland, die viel für die Filmbildung tun.

«Die Franzosen haben eine lange Filmtradition, die sie auch den Kindern in ihrem Programm – Kino für Kinder – näherbringen», sagt Reid. In Deutschland gebe es ein Projekt, das von der öffentlichen Hand finanziert und von Privaten betrieben wird. Hier werde Kindern nach modernen Standards Filmkompetenz beigebracht.

Verbilligte Tickets und Diskussion in Deutschland

Sarah Duve Geschäftsführerin der «Vision Kino» in Deutschland. Eine gemeinnützige Gesellschaft, die in allen Bundesländern Schulklassen günstige Kinoeintritte ermöglicht. Morgens geht es ins Kino, danach setzen sich die Kinder mit den Filmen auseinander, die sie sich angeschaut haben.

«  So wird die audiovisuelle Kompetenz geschult, die heute sehr wichtig ist. »

Sarah Duve
Geschäftsführerin «Vision Kino»

Filmunterricht in den Lehrplan?

10 min, aus Echo der Zeit vom 24.01.2017

Dabei geht es laut Duve nicht um die gängigen Hollywood-Blockbuster, sondern um Arthouse-Filme und Dokumentationen. Nach der Kinovorführung soll möglichst ein Filmschaffender aus dem Film mit den Schülern diskutieren oder auch ein Filmpädagoge.

In Deutschland will man den Kindern aber auch näherbringen, wie die Filme gemacht wurden: wie man eine Szene arrangiert, wie man Geräusche einsetzt oder mit Musik umgeht. Das fördere die so wichtige audiovisuelle Kompetenz, sagt Duve.

Viel lernen über fremde Kulturen und andere Lebensweisen

Die Filmbildung will aber auch Interesse für Filme wecken, die nicht in den Movie-Charts vorkommen. Kinder sollen nicht nur Disney-Filme anschauen, sondern auch andere Filme kennenlernen. Und damit auch viel über andere Länder, Kulturen und Lebensweisen lernen.

Reid zitiert dazu einen Kollegen: «Wenn Du einen Disney-Film anschaust, gibt es gute Menschen und schlechte Menschen. In einem japanischen Trickfilm hingegen findest Du Menschen, die Gutes oder Schlechtes tun. Das ist ein wichtiger kultureller Unterschied.»

Filmwochen an Schulen in der Romandie

In der Deutschschweiz hat Filmbildung einen kleinen Stellenwert. Es gibt vereinzelte Projekte, beispielsweise im Aargau. In der Romandie immerhin ist die Filmbildung stärker verbreitet. Christian Georges betreut das Projekt «E-Media», welches Filmwochen an Schulen durchführt.

«  Wir haben einen Lehrplan, der sagt, dass Filmbildung wichtig ist. »

Christian Georges
Westschweizer Projekt «E-Media»

«In der Westschweiz wird Film als Kunstform betrachtet», erklärt Georges. Der Einfluss aus Frankreich mit seiner langen Tradition spiele eine wichtige Rolle. Das Angebot stösst in den Westschweizer Schulen auf jeden Fall auf grosses Interesse.