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Von wegen unbedenklich – Mogel(ver)packung Bambus & Co.
Aus Puls vom 10.05.2021.
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Ökologisches Einweggeschirr Wie ungesund sind Bambusteller und Kartonröhrli?

Einweggeschirr wird nachhaltiger: Karton und Bambus statt Plastik. Doch ökologischer heisst nicht unbedingt gesünder.

In knapp 10 Jahren sollen in der EU alle Verpackungen und Take Away Geschirre recyclingfähig sein. Auch in der Schweiz gibt es immer mehr nachhaltigere Alternativen zu Plastik und Styropor. Gerade jetzt mitten im Take-Away-Boom kommen die Alternativen gelegen. Doch bedeutet ökologisch auch gesund?

Nein, meinen die Giftforscherin Jane Muncke und der Lebensmittelchemiker Thomas Gude. Ein Teil der Verpackung hält den Tests nicht stand.

Migration dank Fett und Hitze

Wie kommen die Stoffe aus der Verpackung überhaupt in unser Essen? Die ‹Migration› wird zum Beispiel durch Fett begünstigt: Das Fett zieht in den Karton und bindet die Stoffe. Doch noch etwas hilft besonders dabei, dass wir Verpackungsstoffe mitessen oder trinken: Hitze. Jane Muncke erklärt es am Bambusbecher: «Da wird der heisse Kaffee eingefüllt, Hitze erhöht die Migration und wenn man dann noch fetthaltige Milch reingibt, reichern sich die fettlöslichen Stoffe aus der Verpackung in geringem Mass an.»

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Toxikologin Jane Muncke: «Hitze wie hier beim heissen Kaffee erhöht die Migration.»
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Doch welche Stoffe können ins Essen gelangen?

Die deutsche Stiftung Warentest untersuchte einen Coffee-to-Go Bambusbecher. Das Fazit: Der Becher überschreitet Grenzwerte von Melamin und Formaldehyd. Beide Stoffe gelten als krebserregend.

Ein Stichprobentest des kantonalen Labors in Genf kommt zu einem ähnlichen Schluss beim Bambus-Geschirr: Knapp 40 Prozent überschritten Formaldehyd- oder Melamin-Werte. «Da werden die Leute für dumm verkauft», meint die Toxikologin Jane Muncke. Es handle sich genau um die Art von Chemikalien, die auch für die Umwelt problematisch seien.

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Jane Muncke: «Die Leute werden für dumm verkauft.»
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Der Toxikologe und Chemiker Lothar Aicher doppelt nach: «Bambusprodukte sind sogar schlechter als Plastikprodukte, weil der Bambus macht das Geschirr poröser, die Chemikalien werden einfacher freigesetzt.»

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Lothar Aicher: «Der Bambus macht das Geschirr poröser.»
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Was in den Genfer Tests und der deutschen Studie ebenfalls herauskam: Die Bambus-Produkte waren schlecht recyclebar und enthielten Plastik. Laut dem Lebensmittelchemiker Thomas Gude wurden so die Pflanzenfasern miteinander verbunden. «Eigentlich habe ich ein Kunststoffprodukt mit angehauchtem Bambus.»

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Thomas Gude, Lebensmittelchemiker: «Eigentlich habe ich ein Kunststoffprodukt mit angehauchtem Bambus.»
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Besonders pikant: Das Schweizer Lebensmittelrecht verbietet gar den Einsatz von Bambus im Kunststoffgeschirr. Darum nehmen Migros und Coop das Bambus-Mehrweggeschirr nun wieder aus den Regalen.

Und wie sieht es mit dem weniger exotischen, plastikfreien Papier-Geschirr aus? Das Kantonale Labor St. Gallen hat letzten September Papierröhrli getestet. Bei 50 Prozent der Röhrli wurde der Richtwert für krebserregende Stoffe überschritten.

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50 Prozent der Papierröhrli im Stichprobentest enthielten zu viele krebserregende Stoffe.
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Wie gefährlich die Substanzen für uns am Ende wirklich sind, ist nicht abschliessend geklärt. Fest steht: Bei der gesundheitlichen Sicherheit des ökologischeren Einweggeschirrs gibt es noch Luft nach oben. Wer ohne Bedenken und ohne schlechtes Gewissen essen möchte, der greift am besten zu Glas- oder Edelstahlbehältern, so Toxikologe Lothar Aicher.

Puls, 10.05.2021, 21:05 Uhr

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53 Kommentare

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  • Kommentar von Bernhard Bizer  (Avidya)
    Wozu braucht es max. 20 % Bambus, wenn der Rest der Produkte aus 80 % Kunststoff besteht. Bevor nun der Markt gänzlich mit Pseudo-ökologischer Bambusware überschwemmt wird, sollte dieses keineswegs nachhaltige Material aus dem Verz(k)ehr gezogen werden.
  • Kommentar von Felix Klingele  (xilef)
    Dem sagt man: Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Wie war es mit den sogenannten Sparlampen? Auf Teufel komm raus wurden die normalen Glühlampen verboten, wurden aber mit Quecksilber haltigen Sparlampen ersetzt. Jetzt passiert ähnliches mit den Kartonröhrli und Bambusgeschirr. Dann nehme ich lieber die Militägamelle hervor. - Aber halt, die ist aus Aluminium. Ist auch nicht besonders gesund......
    1. Antwort von Andreas Würtz  (Andhrass)
      Edelstahl oder Glas, je nach Verwendungszweck. Ist ein bisschen teurer, halt aber ‚ewig‘.
    2. Antwort von Andreas Würtz  (Andhrass)
      Was die Sparlampen anbetrifft: während der Anwendung tritt kein Quecksilber aus. Ist also nicht vergleichbar mit diesem Bambus-Plastik-Debakel.
  • Kommentar von Thomas Merlo  (merlo-t)
    Weshalb das Bad mit dem Kind ausschütten? - Ja es gibt heute viele problematische Bambusprodukte, doch sind nicht alle so. Diesem Umstand wird nicht Rechnung getragen. Es sind die billigen Kopien aus minderwertigen Komponenten, welche dem Original das Leben schwer machen. Über Jahre mit konsequenter Qualität im kritischen Handel aufgebaut (Fairtrade, Ökoläden, Kids ...) wird mit undifferenzierten Darstellungen dazu beigetragen, dass ein sinnvolles Öko-Komposit zu unrecht demontiert wird.