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Klein-Postautos in Sitten ohne Chauffeur
Aus SRF 4 News aktuell vom 24.06.2021.
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Ohne Chauffeur unterwegs «Die selbstfahrenden Postautos kommen sehr gut an»

Seit genau fünf Jahren sind in Sitten im Kanton Wallis selbstfahrende Autos im Einsatz. Mittlerweile sind sie auch im Quartier Uvrier unterwegs und können per App an 17 verschiedene Haltestellen bestellt werden. Projektleiter Martin Neubauer zieht eine positive Zwischenbilanz.

Martin Neubauer

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Martin Neubauer ist Gesamtprojektleiter autonomes Fahren bei Postauto.

SRF News: Welche Erfahrungen hat Sitten mit den selbstfahrenden Postautos gemacht?

Martin Neubauer: Die Erfahrungen des «Smart Shuttle»-Projekts sind sehr positiv. Seit Juni 2016 konnten rund 70'000 Fahrgäste mit den kleinen gelben Bussen auch an Orte transportiert werden, an die vorher kein Postauto fuhr. Das Projekt ist so erfolgreich, dass es jetzt auch verlängert wird.

70'000 Passagiere seit 2016 tönt nach viel – das sind aber im Schnitt bloss rund 1200 Personen pro Monat oder 40 pro Tag...

Es handelt sich bei «Smart Shuttle» immer noch um ein Pilotprojekt, im Rahmen dessen evaluiert werden soll, wie gut es funktioniert und was es bringt. Deshalb kann man die Anzahl Passagiere nicht mit einer normalen Postauto-Linie vergleichen.

Die Selbstfahr-Technologie steckt noch in den Kinderschuhen.

Man will in erster Linie Erfahrungswerte sammeln und eruieren, wie gut man im Verkehr damit zurechtkommt. Was die Selbstfahr-Technologie anbelangt, stecken wir noch in den Kinderschuhen und es wird noch einige Jahre dauern, bis man von einem Einsatz im normalen Betrieb sprechen kann.

Mit dem «Smart Shuttle» in Sitten unterwegs

Wie gut ist die Akzeptanz in der Bevölkerung der selbstfahrenden Kleinbusse?

Vertrauen entsteht durch Erfahrung. Das ist in Sitten während des Pilotprojekts auch eingetreten. Die Zahl der Fahrgäste nahm laufend zu, wir konnten in der Bevölkerung Vertrauen aufbauen. Der Betrieb ist bei Jung wie Alt sehr gut angekommen und er wird gerne genutzt.

Weiter Weg zum autonomen Fahren

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Langfristig seien autonom fahrende Busse und Autos sicher ein «Gamechanger» im Verkehr, sagt Thomas Sauter-Servaes. Er ist Mobilitätsforscher , Link öffnet in einem neuen Fensteran der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Allerdings: «Es wird etwa 2050 werden», ist Sauter-Servaes überzeugt, bis flächendeckend autonomes Fahren Normalität werden könnte. Dann aber werde «alles auf den Kopf gestellt». Bis dahin müsse man sich jedoch überlegen, wie der klassische Verkehr besser gestaltet wird, denn immer mehr Autos und ÖV könnten gerade die Städte nicht ertragen. Deshalb ist für ihn die autonome Mobilität auch nicht die endgültige Lösung aller Verkehrsprobleme. Viel interessanter sei etwa ein Ansatz, wie ihn die Pariser Bürgermeisterin Anne Idalgo verfolge: die 15-Minuten-Stadt. «Man schafft ein attraktives Nahumfeld in der Stadt – innert 15 Minuten kann man zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem ÖV alles erreichen, das man fürs Leben braucht», so Sauter-Servaes. Nur wenn man Städte schaffe, in denen es attraktiv sei, zu Fuss zu gehen oder das Fahrrad zu nutzen, werde der innerstädtische, motorisierte Verkehr unter Kontrolle gebracht werden können.

Die Busse fahren nur mit geringer Geschwindigkeit. Wer benutzt sie überhaupt?

Der Versuch sah in Sitten zunächst vor, Touristen vom Bahnhof in die Innenstadt zu bringen. Beim neuen Pilotprojekt im Sittener Vorort Uvrier geht es jetzt vor allem darum, die Einwohner des Quartiers mit einem neuen Mobilitätskonzept zu bedienen. Sie sollen also zum Einkaufen oder zur Schule transportiert werden.

Die Kleinbusse werden in Uvrier per App bestellt. Ist das für ältere Personen nicht zu kompliziert?

Nicht unbedingt. Zudem kann man den Bus nicht nur per App bestellen, wir haben am Bahnhof auch ein Display mit einem Avatar aufgestellt. Diese Figur spricht über den Bildschirm mit dem Fahrgast und ist ihm oder ihr bei der Buchung behilflich.

Das Ganze soll so einfach wie möglich gehalten werden.

Wir versuchen also neue Wege zu finden, um Jung und Alt in den Betrieb einzubinden. Auch soll das Ganze für alle Beteiligten so einfach wie möglich gehalten werden.

Soll mit selbstfahrenden und bestellbaren ÖV-Angeboten der öffentliche Verkehr im Vergleich zum Privatverkehr attraktiver gemacht werden?

Der ÖV muss ständig neue Konzepte entwickeln, darunter auch solche, wie suburbane Gebiete besser abgedeckt werden können. Dabei besteht sicher auch die Absicht, mit autonomen Fahrzeugen mehr Leute in den ÖV zu bringen.

Das Gespräch führte Zoé Geissler.

Video
Aus dem Archiv: Tagesschaubericht zum selbstfahrenden Postauto
Aus Tagesschau vom 17.12.2015.
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11 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Peter  (Byron)
    Das will ich aber hoffen, dass diese Busse "gut (und sicher) ankommen", sonst hätte ich dann doch gerne einen Chauffeur an Bord, welcher im Notfall wenigstens den grossen Notfallknopf drücken kann. Vielleicht bin etwas zu skeptisch aber ein Betrieb von selbständig fahrenden Fahrzeugen im normalen Strassenverkehr ist für mich momentan noch Zukunftsmusik. Vor allem solange ein Mix von menschengesteuerten Vehikeln und Roboterkutschen unterwegs ist.
  • Kommentar von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
    Guten Tag.
    ... und wieder gehen Arbeitsplätze verloren. Sinnvoll?
    Freundliche Grüsse, ee
    1. Antwort von Jonas Bless  (Jonas Bless)
      Guten Tag
      Ja.
      Freundliche Grüsse
  • Kommentar von Ramun G. Saluz  (RGS)
    Kann mir jemand bitte erzählen, was der Sinn sein soll von selbstfahrenden Bussen?
    Ausser dass wieder ein Chauffeur arbeitslos wird, fällt mir nichts ein.
    Vertrauenswürdig ist es auch nicht.
    Etwas anders sehe ich es bei der Bahn. Die hat ihr eigenes Trasse und das es Signalgesteuert wird, ist es sicherer und kann schneller fahren.