Schnellster Computer Europas freigegeben

Er heisst «Piz Daint», wie der Berg im Val Müstair, und ist der schnellste Supercomputer Europas. Er arbeitet seit heute offiziell am nationalen Super-Computing-Zentrum in Lugano. 170 Millionen Franken hat der Bundesrat in das Projekt investiert.

ETH-Präsident Ralph Eichler im Gespräch

3:06 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.03.2014

Europas leistungsstärkster Supercomputer im nationalen Hochleistungsrechenzentrum (CSCS) in Lugano ist offiziell für die Forschung freigegeben worden. «Piz Daint» steht bereits seit rund einem Jahr am CSCS. Aber erst durch eine Erweiterung von 12 auf 28 Rechnerschränke und einen hybriden Ausbau mit Graphikprozessoren überwand er im Oktober die strategisch anvisierte Petaflop-Marke, nämlich eine theoretische Spitzenleistung von 7,8 Petaflops.

Simulationen von Wind und Wetter möglich

«Piz Daint» sei die Krönung der von 2009 bis 2014 dauernden ersten Periode der nationalen Hochleistungsrechen- und Vernetzungsstrategie, schreibt das CSCS. Diese sei vom ETH-Rat im Auftrag des Bundes lanciert und vom CSCS umgesetzt worden. Ziel war es demnach, neue, effizientere Simulationssysteme zu kreieren.

Drei offene Schränke voller Kabel, die mehrere Rechner miteinander verbinden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Supercomputer: Viele Rechner und Kabel. Keystone/Archiv

Der neue Supercomputer sei im internationalen Ranking derzeit der leistungsstärkste Rechner Europas und der sechstschnellste weltweit, sagt ETH-Präsident Ralph Eichler im Gespräch mit SRF. An der Einweihung am Freitag nahmen nebst Eichler auch der Präsident des ETH-Rats, Fritz Schiesser, sowie Gäste aus Forschung, Politik und Wirtschaft teil.

Jetzt könne man vieles berechnen, was bisher nicht möglich war, erklärt Eichler. Beispielsweise könne man das Wetter besser voraussagen und die Wassermoleküle verstehen, die wichtig seien für alles Leben.

Besonders ist unter anderem, dass nicht nur in die Hardware, die Maschine, sondern auch in die Software investiert wurde. «Man kann nicht einen Ferrari kaufen, ohne einen Formel-1-Rennfahrer zu haben», erklärt Eichler den Gedanken dahinter.

Seewasser zur Kühlung der Rechner eingesetzt

Um die teure Hardware zu benutzen, gelte es auch, die Algorithmen und die Software bereitzustellen. Zusammen mit den Schweizer Universitäten habe man deshalb auch «in die Köpfe» investiert. Doch nicht nur das: «Piz Daint» ist auch weltweit der energieeffizienteste Grossrechner, wie Eichler weiter sagt. Dank der Unterstützung der Stadt Lugano habe man eine Wasserleitung zum See gebaut. So könne man sich kaltes Wasser aus der Tiefe zur Kühlung zu Nutze machen.

Vorstellen muss man sich den Supercomputer laut Eichler folgendermassen: Es handle sich um ganz viele Computer in einem Schrank. Dabei sei aber nicht nur die Anzahl Computer wichtig, sondern auch die Schnelligkeit, mit der sie untereinander kommunizierten. «Und diese Schnelligkeit, mit der die Daten zwischen den Computern ausgetauscht werden, ist das Besondere.»

Für den Forschungsstandort Schweiz sei der Supercomputer wichtig, sagt Eichler. Man gehöre damit zu den besten und könne Wissenschaftler anziehen. «Die Attraktivität der ETH ist dadurch gesteigert.»