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Bikinizwang im Sport: Ist das gerechtfertigt?
Aus News Plus vom 21.07.2021.
abspielen. Laufzeit 18:43 Minuten.
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Sexismus im Sport Schneller, höher, knapper? Frauen fordern Ende der Fleischbeschau

Shorts statt Bikini: Der Protest von Beachhandballerinnen rückt eine Dauer-Debatte zu Olympia erneut in den Fokus.

Norwegens Beachhandballerinnen sind nach einer Protestaktion bei der Europameisterschaft im bulgarischen Warna gegen die Kleidervorschriften des Dachverbands mit einer Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro belegt worden. Die Spielerinnen hatten im Duell um Platz drei mit Spanien statt der vorgeschriebenen Bikini-Höschen etwas längere Sporthosen getragen.

Die Disziplinarkommission der Europäischen Handballföderation (EHF) bewertete dies am Montag als «Fall unangemessener Bekleidung». Der Wechsel auf die etwas längeren Hosen sei eine «spontane Aktion» gewesen, berichtete Nationalspielerin Katinka Haltvik dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk NRK.

Der Weltverband IHF schreibt vor, dass Männer während ihrer Beachhandballspiele Shorts tragen müssen, die «mindestens zehn Zentimeter» über dem Knie enden. Spielerinnen müssen hingegen Bikinihosen tragen, die eng anliegend sind und eine Seitenbreite von «maximal zehn Zentimetern» aufweisen:

Die Outfits im Geschlechtervergleich

Beachhandball ist keine olympische Disziplin. Doch die Aktion wirft zum Start der Spiele in Tokio ein Schlaglicht auf eine Debatte, die seit Jahren schwelt: Sind die Kleidervorschriften in diversen Sportarten sexistisch?

Für die ehemalige SRF-Sportjournalistin und Leichtathletin Jeannine Borer machen Kleidervorschriften dann Sinn, wenn sie bei der Ausübung des Sports hilfreich sind: So etwa der Kimono beim Judo, den die Athletinnen und Athleten greifen können. Oder aber die Beinfreiheit beim Sprinten, wo lange Hosen hinderlich wären. Schliesslich sei es beim Teamsport geboten, dass alle gleich gekleidet sind.

Hier wurde eine sehr sexistische Regelung getroffen. Denn warum müssen die Männer keine knappe, enge Schwimmhose tragen, wenn es um Bewegungsfreiheit gehen würde?
Autor: Claudia Koller Expertin für Genderfragen im Sport

Aber: Dass Frauen im Beachhandball Bikini-Hosen und Männer Shorts tragen müssen, ist für Borer unverständlich. Claudia Koller von «100 Prozent Sport», dem österreichischen Zentrum für Genderkompetenz im Sport, pflichtet bei: Beim Turnen etwa könne ein frei hängendes Röckchen zum Sicherheitsproblem werden. Und schliesslich gebe es auch Regularien, die der Chancengleichheit geschuldet seien.

Aber: Aus Sicht der Gleichberechtigung mache der «Bikini-Zwang» im Beachhandball keinen Sinn. «Hier wurde eine sehr sexistische Regelung getroffen. Denn warum müssen die Männer keine knappe, enge Schwimmhose tragen, wenn es um Bewegungsfreiheit gehen würde?»

Dass der Frauenkörper im Sport immer wieder Anlass zu Diskussionen gibt, liegt für Koller auch daran, dass die Leistungen von Sportlerinnen tendenziell «trivialisiert» würden. «Dagegen werden die Körper von Sportlerinnen tendenziell sexualisiert.»

Im Beachvolleyball spielen die meisten Frauen trotz inzwischen gelockerter Regeln noch immer knapp bekleidet. Wie erklärt sich das? Der Frauensport habe schon immer als minderwertig gegolten, erklärt Borer. «Die Frau musste dieses ‹Manko› kompensieren – und das tat sie oft mit ihrem Aussehen.» Bei einem Mann reiche es, wenn er gut und erfolgreich sei – die Frau hingegen müsse dazu auch noch gut aussehen. «Dazu kommt, dass die Norm, wie eine Frau auszusehen hat, viel enger ist als beim Mann.» Dies werde auch bei den Kleiderreglements im Sport sichtbar.

Legende: Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen seien Sportlerinnen generell viel stärker mit der Kleiderfrage konfrontiert, sagt auch Koller. Beim Beachvolley-Turnier von Anfang Jahr in Katar führte eine Diskussion um züchtige Kleidung für Frauen zur Absage von Athletinnen. Keystone

Für Koller sind viele Sportlerinnen in der Kleiderfrage nach wie vor zwischen dem Erwünschten und dem Nicht-Erwünschten gefangen – und die eigentliche sportliche Leistung tritt allzu oft hinter diese gesellschaftlich geprägten Rollenbilder zurück. «Das Schöne ist aber, dass Veränderungen nun gerade auch von den Sportlerinnen selbst eingefordert werden. Das hat eine wichtige Vorbildfunktion», schliesst Expertin für Genderfragen im Sport.

SRF 4 News, 21.07.2021, 17:35 Uhr;

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60 Kommentare

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  • Kommentar von jacques Schmid  (Maxx)
    Irgendwie erstaunt mich diese Nachricht doch etwas. Hatten wir nicht letzte Woche eine Frauen Velo Demonstration in München wo für Gleichberechtigung mit blanken Brüsten demonstriert wurde? Oder in den Fitnessclubs, würde das Tenue der meisten Damen vor noch wenigen Jahren in einen Sexclub passen und im Fitness Club verboten worden, heute ganz normal. Aber beim Beach Volley Ball ist das Höschen zu kurz, hier scheint die Prüderei ausgebrochen zu sein. Das verstehe noch einer...
  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    Um Sexismus zu vermeiden, müsste man entweder alle gleich kleiden (Frauen und Männer gleich), oder alle Sportler müssten sich individuell kleiden können. Aber wen stört es, wenn die Frauen etwas mehr Haut zeigen? Wenn man das Sexismus nennt, finde ich diesen Sexismus akzeptabel. Zeigen müssen sich die Sportlerinnen sowieso auf die eine oder andere Weise.
  • Kommentar von Christian Kunz  (CK124)
    Traurig traurig. Das Weniger problematisch sein könnte verstehe ich, dass aber mehr zum Problem wird finde ich (männlich) schockierend und lächerlich.