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Panorama So wird man heiliggesprochen

Am Sonntag wird die 1997 verstorbene Ordensgründerin Mutter Teresa von Papst Franziskus in den Kreis der katholischen Heiligen aufgenommen. Der Weg zur Heiligsprechung ist von der katholischen Kirche streng vorgegeben.

In der katholischen Kirche werden Heilige und Selige wegen ihres gottergebenen Lebens schon zu Lebzeiten verehrt. Auch nach dem Tod sollen Gläubige sie durch ihr Gebet um Hilfe bitten können.

Zuerst kommt die Seligsprechung

Damit jemand einen Heiligenstatus erlangen kann, muss er zunächst seliggesprochen werden. Selige werden in der Regel nur in regionalen Gemeinschaften oder Diözesen verehrt, Heilige haben hingegen eine Bedeutung für die katholische Kirche weltweit.

In der Regel wird die Seligsprechung erst fünf Jahre nach dem Tod in die Wege geleitet. Mutter Teresa war eine Ausnahme, ihr Verfahren wurde bereits zwei Jahre nach ihrem Tod im Jahr 1997 angestossen.

Papst Johannes Paul II. winkt einer Ordensschwester.
Legende: 2003 spricht Papst Johannes Paul II. Mutter Teresa selig. Getty Images

Johannes Paul II. sprach sie am 19. Oktober 2003 selig, schneller als sonst üblich. Manche Heiligsprechungen dauerten mehrere Jahrhunderte, da das kirchliche Verfahren zur Anerkennung über viele Instanzen geht.

Märtyrer-Tod oder Wunder vollbringen

Zu den aussichtsreichen Kandidaten zählt, wer vom Volk verehrt wird. Um den offiziellen Weg zur Seligsprechung einzuläuten, muss der zuständige Bischof erst einen Antrag stellen.

Dann beginnt das aufwendige Verfahren: Familienangehörige, Freunde und Zeitzeugen werden befragt, Schriftstücke ausgewertet. Ausserdem wird überprüft, ob das Leben im «Rufe der Heiligkeit» und der Tugendhaftigkeit gestanden hat.
Handelt es sich nicht um einen «Märtyrer» – also jemanden, der für seinen Glauben gestorben ist – muss ausserdem ein Wunder nachgewiesen werden.

Als Beleg werden oft medizinische Fälle herangezogen, deren Heilung auf den Kandidaten zurückgeführt wird. Der Betroffene muss nachgewiesen unheilbar krank gewesen, die Heilung medizinisch nicht erklärbar sein. Für die Heiligsprechung ist ein weiteres Wunder nötig.

Das letzte Wort liegt beim Papst

Für die Selig- und Heiligsprechung gibt es im Vatikan eine eigene Kongregation, die auf Grundlage aller Informationen eine Empfehlung an den Papst ausspricht. Am Schluss entscheidet er, ob jemand den Status erhält.

Papst Johannes Paul II. sprach in seiner Amtszeit 482 Menschen heilig, so viele waren in den 500 Jahren zuvor zusammen heiliggesprochen worden. Benedikt XVI. kam auf 45.

Bei Franziskus sind es inzwischen auch mehrere Hundert, darunter allerdings alle 813 Einwohner des süditalienischen Otrento, die nach einem Osmanenangriff im Jahr 1480 hingerichtet worden waren.

Kostspielige Sache

Eine Heiligsprechung ist auch mit immensen Kosten verbunden. Inoffizielle Schätzungen gehen von mehreren zehntausend bis mehreren hunderttausend Euro aus.

Die Kosten sind abhängig vom Umfang der Untersuchungen, der Anzahl der Gutachter, Historiker und Theologen sowie der Zeremonie. Eine Heiligsprechung mit einer Feierlichkeit auf dem Petersplatz soll laut Medienberichten unter Berufung auf US-amerikanische Geistliche rund 250'000 Dollar kosten.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Edi Steinlin (stoni)
    Meiner Meinung kann kein Mensch und der Papst ist ein Mensch, einen andern Heilig sprechen. Dann kommt noch der Mumpitz mit den zwei oder drei Wunder die er gemacht haben soll. Das ganze ist sektenartig und mir völlig fremd, ansonsten bin ich ein gläubiger Christ.
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  • Kommentar von Roger George Farine (Roger George Farine)
    Lieber Tobi So etwas Stumpfsinniges habe ich ja noch nie gehoert! Du musst ja grosses fuer uns Menschen wirken, wenn du so ueber Mutter Teresa urteilen kannst. Was machst du fuer Taten der Naechstenliebe? Oder bist du auch nur so ein Grossmaul, wie es tausende davon gibt? -
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    1. Antwort von Thomas Käppeli (thkaepp)
      Geschätzter Roger. Auch ich erinnere mich solch „Stumpfsinniges“ gelesen zu haben. Das Meiste aus Druckmedien schon länger zurückliegend, welche das Wirken Teresa genauer unter die Lupe nahmen. Ihr wurde auch vorgeworfen, andersgläubige stark missionierend „Hilfe gegen Annahme des christlichen Glaubens“ bekehrt zu haben. Wieviel Wahrheitsgehalt in diesen Vorwürfen steckt, bleibt für nicht Eingeweihte Glaubenssache. Jedoch gilt wie so oft im Leben: „Wo Licht, sind auch Schatten.“
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    2. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Haben Sie auch Sachkritik an den Positionen von Herrn Hartmann anzubieten? Warum duzen Sie ihn und werfen mit Pejorativen wie "Stumpfsinnig" und "Grossmaul"? Es gibt im Wirken und Handeln von "Mutter Teresa" tatsächlich erhebliche ethische und moralische Probleme, die man nicht einfach so mit ein paar patzigen Bemerkungen wegwischen sollte. Was Herr Hartmann anspricht, ist belegbar.
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  • Kommentar von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
    Heilig wird in der Bibel bezeichnet, wer dem Werk des Herrn Jesus am Kreuz von Golgatha glaubt. Punkt. Alles andere ist ungöttlich inspirierter Schrift entnommen. Jeder Mensch entscheidet selbstverantwortlich welcher Schrift er Glauben schenkt.
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