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Die Solar Impulse 2 während eines Flugs mit Bertrand Piccard.
Legende: Aufnahme per Selfie-Stick: Auch das geht bei der «Solar Impulse 2». Keystone
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Panorama «Solar Impulse»: Eine Meisterleistung in der Sackgasse

Die «Solar Impulse» hat die Welt umrundet – mit grosser Mission und noch grösseren Problemen. Zeit für ein Fazit.

Es war ein Projekt mit Höhen und Tiefen. Doch jetzt sind Flugpionier Bertrand Piccard und Unternehmer André Borschberg am Ziel. 16 Monate nach ihrem Start ist die «Solar Impulse 2» wieder in Abu Dhabi gelandet. 35‘000 Kilometer legte das Solarflugzeug bei seiner Weltumrundung dabei zurück.

An Bord die Mission: «Dieses Flugzeug wurde nicht entwickelt, um Passagiere zu transportieren, sondern eine Botschaft.» Die lautet: Solarenergie kann vieles schaffen, erneuerbare Energien sind eine echte Alternative, auch jetzt schon. Dem stimmt auch Konstantinos Boulouchos, Professor am Institut für Energietechnik der ETH Zürich, zu – aber mit Einschränkungen.

SRF News: Die «Solar Impulse 2» hat ihre Mission erfüllt und ist mit fast einem Jahr Verspätung wieder in Abu Dhabi gelandet. Konstantinos Boulouchos, hat die Aktion auf Sie als Energieforscher einen Einfluss?

Konstantinos Boulouchos: Für mich als Wissenschaftler hat sie keinen direkten Nutzen. Aber als Experiment ist es sehr faszinierend und es ist definitiv eine technische Meisterleistung, so etwas zu planen, kompromisslos zu entwickeln und durchzuziehen. Es ging ja auch darum, Grenzen zu überwinden und um die Symbolwirkung. Das bewundere ich. Wenn man das Projekt aber kritisch sieht: Es wurde deutlich, wie viel es braucht, um mit Solarenergie zu fliegen. Die Fliegerei ist also auf absehbare Zeit nicht der erste Sektor für Solarenergie und ein Solarflugzeug ein untaugliches Objekt für unsere nächste Zukunft.

Sie sprechen die Schwierigkeiten wie Batterieprobleme oder die Abhängigkeit vom Wetter an. Die Leichtbauweise, die es braucht, damit die Sonnenenergie zum Fliegen ausreicht, machte wiederum das Flugzeug abhängig von idealen Witterungsbedingungen. Sind Elektromotoren, gespeist mit Solarstrom, also eher ein Thema für den Strassenverkehr?

Wenn wir alle Autos elektrifizieren, dann haben wir auf einen Schlag 25 Prozent mehr Elektrizitätsbedarf. Deshalb sollte man das nicht sofort tun, sondern einem strategischen Plan bis 2050 folgen. Zwar ist die Solarenergie ein guter, schneller und billiger Beitrag zum Schutz fossiler Energien. Die grosse Frage ist aber: Was macht man dann mit der Solarelektrizität? Treibt man mit ihr Autos an? Nutzt man sie für die Industrie? Ich denke: Die Solarenergie sollte man nicht einsetzen, um noch mehr Autos zu elektrifizieren, sondern um Kohlekraftwerke vom Netz nehmen zu können. Denn 42 Prozent der CO₂-Emission weltweit stammt aus der Elektrizitätsgewinnung, allen voran die Kohlekraftwerke.

Bei Fahrzeugen zu beginnen würde also das Pferd von hinten aufzäumen, sprich: Erst muss die Energie dafür sauber produziert werden können, bevor Elektrofahrzeuge Sinn machen?

Wenn jemand auf sein Hausdach Solarpanels baut oder sich ein kleines elektrisches Auto kauft, ist das in Ordnung, aber fürs Gesamtsystem nicht ideal. Denn zuerst sollte man, auch dank Solarenergie, die schlimmsten CO₂-Emittenten aus dem Verkehr ziehen: Die erste Priorität haben da eben die Kohlekraftwerke, die zweite die Beheizung von Gebäuden mit Solarenergie statt mit Öl oder Gas. Erst die dritte Priorität haben die Autos. Wir haben zunächst einmal nicht genug erneuerbare Energie, deshalb müssen wir weise damit umgehen.

Was wären denn dann die Alternativen für eine saubere Mobilität?

Ich denke, es ist wichtig und billiger, alle Autos zu hybridisieren, denn das reduziert den CO₂-Ausstoss auf die Schnelle um 25 Prozent. Dafür müsste zudem nicht einmal die Infrastruktur verändert werden. Eine andere technologische Möglichkeit wäre die Umstellung von Benzin oder Diesel auf Gas, das spart nochmal 25 Prozent CO₂ ein. Innerhalb von 10 bis 15 Jahren liesse sich so die CO₂-Emission durch den Verkehr halbieren. Zeitgleich muss sich in den nächsten etwa 20 Jahren das Elektrizitätssystem verändern, aber als Co-Evolution, das heisst: kleinere, leichtere, effiziente Fahrzeuge entwickeln und die Energieträger ersetzen.

Der Verkehr ist sicher der letzte Bereich, der elektrifiziert werden sollte. Erst in 20 Jahren wäre an eine Teilelektrifizierung von Fahrzeugen zu denken. Dies deshalb, weil elektrische Energie für Nutzfahrzeuge mit grosser Reichweite weniger in Frage kommt, zuallerletzt für den Flug- und Schiffsverkehr. Beides kann man nicht elektrisch betreiben, denn die Batterien dafür wären deutlich grösser als beispielsweise das Frachtschiff selbst. Das heisst, es wird immer noch einen gewissen Marktanteil geben, der fossil oder mit Biomasse betrieben wird. Ich sehe da eine lange Co-Existenz von Antriebstechnologien

Bertrand Piccard, Initiator des Solar-Impulse-2-Projekts, prophezeit aber: Innerhalb der nächsten zehn Jahre können Personenflugzeuge mit bis zu 50 Passagieren solarbetrieben fliegen.

Es gibt Flugzeuge mit kleinen Elektromotoren mit Batterien, aber das sind Zweiplätzer, die eine Viertel-, vielleicht eine halbe Stunde fliegen. Aber Elektro-Passagierflugzeuge sind in absehbarer Zeit nicht denkbar. Ich sehe die Sinnhaftigkeit nicht, aber ich sehe sehr wohl die Faszination. Mit einer Optimierung des Energiesystems hat das aber nichts zu tun.

Piccard hofft auf eine Welt, die schon bald mindestens die Hälfte ihres Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnt. Welche Vision haben Sie?

Wenn wir Europa als Idee wirklich ernst nehmen würden, hätten wir eine gemeinsame zielführende Strategie: Wir würden sehr viel in Solarenergie im europäischen Süden investieren, da es dort 50 bis 100 Prozent mehr konstante Sonneneinstrahlung hat, beispielsweise zweieinhalbmal so viel wie in Norwegen. Es wäre ein robustes transnationales Netz: Aus dem Norden und Westen käme die Windenergie, aus dem Süden die Solarenergie, aus den Alpen und Skandinavien die Wasserenergie, aus anderen Regionen vielleicht die Biomasse. Zwei Drittel des Strombedarfs könnte man so leicht liefern. Allerdings würde das Vorhaben mindestens 20 bis 30 Jahre brauchen. Aber: In Europa gibt es derzeit keine solche Strategie, jeder schaut nur für sich.

Das Gespräch führte Helwi Braunmiller.

Konstantinos Boulouchos

Konstantinos Boulouchos

Konstantinos Boulouchos ist Professor am Department Maschinenbau und Verfahrenstechnik, Institut für Energietechnik der ETH Zürich. Er beschäftigt sich unter anderem mit der Entwicklung bestmöglicher Strategien für ein nachhaltiges Energiesystem.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Heinrich Zimmermann (Heinrich Z)
    Botschaft? Glaubt man wirklich die "Verantwortlichen" würden hier auch nur ein Jota darauf reagieren? Zudem technisch gesehen wusste man das schon vor Piccard. Ich glaube Piccard wusste es auch. Doch sein Grossvater gibt vor, Piccard wollte auch Berühmtheit erlangen. Berühmt werden ist eine leidige Sucht des Menschen.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Solar Impuls, sollte unserern teuren Verantwortlichen von: Regierung, Politik, Bundesämtern, endlich den nötigen "Schub" versetzen, um auf natürliche Energiequellen umzustellen. Damit würde die Schweiz im Energiebereich wieder zu Unabhängigkeit von korrupten, kriminellen Regierungen gelangen.
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  • Kommentar von Silas Walther (Wetterfreak)
    Weltweit mag das ein guter Ansatz sein, zuerst mittels Solarzellen Kohlenkraftwerke zu ersetzen. Doch wenn auch die Schweiz bei sich zuhause, im Inland, aufräumen will, ist das Schweizer Treibhausgasinventar Ausgangspunkt. Da zeigt sich, dass der Strassenverkehr, allem voran der motorisierte Individualverkehr, für über 35 % der Schweizer Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Das macht klar, dass sich die Klimapolitik in den nächsten Jahren nicht mehr auf den Gebäudebereich beschränken wird.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Das mag stimmen, aber trotzdem ist der Gebäude- und Industrieanteil in der Schweiz immer noch grösser als der vom Verkehr. Somit ändert sich nichts an der Reihenfolge, nur der Start ist bei uns an einer anderen Stelle. Dazu kommt dass wir international sind, also soll unser Überschuss auch dazu dienen deutsche Kohlekraftwerke ausser Betrieb nehmen zu können.
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    2. Antwort von Heinrich Zimmermann (Heinrich Z)
      Da müsste man (!) an dutzenden Stellen ansetzen. Nur ein Beispiel: Die Wohnsituation nicht weit von Arbeitsplatz weg und nicht raffgierigen
      Luxuswohnungsbauer überlassen. Aber ich sehe nur schwarz. Obwohl gerade heute der Tag de Glücks abgefeiert wird. (Werbung an deutsche
      Bürger man könne in der Schweiz Renditehäuser erwerben) Toll gell.
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