Sturm «Frank»: Streit über britischen Hochwasserschutz

Der Nordatlantik-Sturm «Frank» hat am Mittwoch die britischen Inseln heimgesucht. Er führte zu Überschwemmungen und Stromausfällen und machte Evakuierungen nötig. Die Schäden gehen in die Milliarden. Kritiker werfen der britischen Regierung vor, beim Hochwasserschutz nur ans Geld zu denken.

Eine Frau und ein Mann gehen durch eine überschwemmte Strasse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Besonders betroffen von den Auswirkungen des atlantischen Sturms «Frank» war der Südwesten Schottlands. Reuters

Am Ende des nässesten und wärmsten Dezembers seit Messbeginn kämpfen Irland, Wales, Schottland und Nordengland mit den Folgen von «Frank». Der sechste atlantische Sturm seit Anfang Monat beutelte am Mittwoch die Westküsten der britischen Inseln. Besonders betroffen war der Südwesten Schottlands. Vom Dauerregen war der Boden bereits gesättigt. Erneut traten zahlreiche Flüsse über die Ufer, es kam zu Überschwemmungen und Stromausfällen. Viele Menschen mussten evakuiert werden.

Milliardenschäden

Das irische Wetteramt sagte voraus, das turbulente atlantische Wetter werde wohl noch rund drei Wochen lang andauern. Britische Versicherungen schätzen ihre Schäden auf über 1,5 Milliarden Franken. Die Gesamtkosten betragen ein Mehrfaches.

Umdenken gefordert

Auch wegen der hohen Kosten hat das aktuelle Wetter die Diskussion um den britischen Hochwasserschutz neu entfacht. Kritiker werfen der Regierung ein kurzsichtiges, nur von finanziellen Überlegungen bestimmtes Verhalten vor. Hochwasserschutzprojekte müssten über Jahrzehnte geplant und umgesetzt werden, sagen die Kritiker. Sie fordern nicht nur zusätzliche Verbauungen und Schleusen, sondern ein grundsätzliches Umdenken. So sollen die von Schafen kahlgefressenen Hügel aufgeforstet werden, damit der Boden mehr Wasser aufnehmen kann. Ausserdem sollen künftig keine Wohnhäuser mehr in Flutebenen gebaut werden dürfen.

SRF-Meteorologe Gaudenz Flury zur ungewöhnlichen Wetterlage:

«Grundsätzlich versucht die Atmosphäre immer die kalte Luft über den Polen und die warme Luft über dem Äquator auszugleichen. Oft passiert das in kleinen Portionen, teilweise aber auch in grösseren Schüben, wie aktuell. Die sehr warme Luft, welche momentan Richtung Spitzbergen und Nordpol transportiert wird, verdrängt dort oben die Kaltluft. Diese gelangt heute über Russland und das Schwarze Meer nach Süden in die Türkei und sogar nach Griechenland; in Athen erwartet man sogar etwas Schnee. Auf der Krim dürfte das Thermometer zum Jahreswechsel nicht über 0 Grad steigen. Die hohen Temperaturen am Nordpol kann man dem ausgesprochen kräftigen Sturmtief ‹Frank› in die Schuhe schieben: Es schaufelt subtropische Warmluft in die Arktis. ‹Frank› hat aber mit unserem trockenen Winterstart nichts zu tun. In Südamerika sorgt derzeit El Niño für heftige Überschwemmungen. Ihm kann man jedoch keinen Einfluss auf das Wetter in Europa nachweisen. Hier handelt es sich um ein Klimaphänomen, das rund alle sieben Jahre im südpazifischen Raum auftritt und vor allem in Südamerika spürbar ist.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Schlimmste Hochwasser in Grossbritannien seit Jahren

    Aus Tagesschau vom 30.12.2015

    Der Norden Grossbritanniens leidet nach wie vor an verheerenden Überschwemmungen. 7000 Häuser sind beschädigt, die Versicherungsschäden gehen in die Milliarden.

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    Aus Tagesschau vom 28.12.2015

    Die starken Überschwemmungen im Norden Englands haben ihren Höchststand noch nicht erreicht, weitere Regenfälle stehen an. Und je länger die Katastrophe andauert, desto mehr gerät die Regierung unter Beschuss.

  • Nach den Überschwemmungen in Florenz

    Aus Rendez-vous vom 3.8.2015

    Ganz Florenz ist am Aufräumen. Zwei Tage nach einem Sturm mit sintflutartigem Regen kennt man die Schadenssummen noch nicht; es werden aber Millionen sein. Die Kunstwerke scheinen aber weitgehend verschont geblieben zu sein.

    Rolf Pellegrini