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Panorama Teenagern droht der Internet-Wahn

Aufregende Partyfotos und perfekte Selfies gaukeln Jugendlichen die Illusion vom perfekten Leben vor. Viele von ihnen sind dadurch so verunsichert, dass sie Selbstzweifel, Ängste, Zwangs- und Essstörungen oder gar Depressionen entwickeln. Daher startet Pro Juventute eine neue Jugendkampagne.

Frau mit virtueller Brille streckt die Arme nach vorne.
Legende: Viele Jugendliche greifen bereits krampfhaft nach Vorbildern und Vorgaben aus der virtuellen Realität. Keystone

Unter dem Titel «Echtes Leben» und mit dem Slogan «Viele Ideale haben mit dem echten Leben nichts zu tun» sollen die Jugendlichen darin bestärkt werden, sich nicht mit überhöhten Idealen unter Druck zu setzen, erklärt Pro Juventute.

Die Problematik hat sich in den letzten Jahren durch den hohen Stellenwert der Neuen Medien zunehmend verstärkt. Durch das Posten von Fotos auf sozialen Plattformen werden eine Unmenge an idealisierten Fremdbildern geschaffen, wie es weiter heisst. So fällt das Selbstbild nicht mehr nur im Vergleich mit Models, Stars und Idolen ab, sondern auch gegenüber Gleichaltrigen.

Jugendliche wollen Idealbild entsprechen

Dies belegt auch eine repräsentative Umfrage von Pro Juventute unter 1000 Jugendlichen in der Schweiz: 82 Prozent der Befragten gab an, es wichtig zu finden, von anderen positiv wahrgenommen zu werden. 55 Prozent wollen als attraktiv, 48 Prozent als erfolgreich gelten. Bei 22 Prozent der Jugendlichen führt der Vergleich mit anderen zu grosser Verunsicherung oder gar zu Krisen.

Mehrmals am Tag wenden sich Jugendliche an die Notrufnummer 147 und berichten über Sorgen im Zusammenhang mit ihrem Selbstwertgefühl und ihrem Aussehen. Entgegen herkömmlicher Vorstellungen ist für Knaben Attraktivität genauso wichtig wie für Mädchen.

Ohne Muskeln keine Freundin

Da gebe es etwa ein 13-jähriges Mädchen, das sich seit Monaten selbst verletze, weil es sich im Vergleich zu den perfekten Facebook-Fotos der anderen hässlich und langweilig findet.

Ein 15-Jähriger habe vor lauter Fitnesstraining kaum Zeit, sich mit Freunden zu treffen, weil er Angst habe, ohne Muskeln nie eine Freundin zu finden, berichtet eine Pro-Juventute-Beraterin.

Starke Verunsicherung

In der Pro Juventute-Umfrage gibt mehr als jedes 4. Mädchen und fast jeder 5. Junge an, stark verunsichert zu sein, wenn sie sich mit dem Leben und dem Aussehen von Gleichaltrigen vergleiche, berichtet SRF-Redaktor Max Akermann.

Pro Juventute versuche, mit Merkblättern für Jugendliche, Eltern und Lehrpersonen Orientierung zu schaffen, erklärt er weiter und die Organisation verstärke die Beratung – nicht nur per Telefon , sondern auch per SMS und im Internet. Dort ist es dann nicht mehr die Nummer 147, sondern www.147.ch.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Verbeisse ich mich in der Tischplatte eines Restaurants, wenn mein(e) Gegenüber Hembra, Macho u ambos, laufend SMS und Anrufe entgegennehmen und gleich noch beantworten. Da geht jeder direkt-Sozialkontakt und roter Faden einer Diskussion flöten. Schlimmer die Handy im Auto. Eine Zickzack fahrende Schildkröte vor mir. Zu 99.9% sicher, ist die am telefonieren. Noch schlimmer, die head-down Hühner, welche auf ihre i-Phone6 Gurke konzentriert, 4-Spur-Strassen queren und prompt überfahren werden.
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Schritt Eins. Das reale Leben muss wieder lebenswert gemacht werden. Kinder zu verhaften, weil sie Räuberli spielen, ist absurd. Geldbussen wegen Gewässerverschmutzung, weil die Kinder einen Staudamm im Dorfbach bauen, ist ebenfalls absurd. Einen Schadensersatz fordernden Förster, weil die Kinder eine Hütte im Wald gebaut haben, ist auch absurd. Ich meine, in der realen Welt ist ja alles verboten. Was also sollen die Kinder da noch tun? Schritt Eins...
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Gefragt wäre eigentlich sowas ähnliches wie eine 68'er Bewegung. Zwischenzeitlich aber wurden die Frauen emanzipiert, den Männer ihre (natürliche) Würde entzogen, und Maria und Jesus zu geistigen Gehilfen von Eso, Shiva und anderen 'Fernsehern' umgestylt. Die Hälfte der (schweizer!) Kinder sind faktisch Halbwaisen, orientierungslos, konfrontiert mit einer (realen) Welt, die ihnen eigentlich völlig fremd, auch Feind, ist, ich wundere mich eher darüber, dass so viele von Denen noch normal sind.
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