Tuning-Szene gerät unter Druck

Polizisten nehmen vermehrt getunte Autos ins Visier. So geht die Stadtpolizei in Chur gegen Fahrer vor, die ihren Motor aufheulen lassen. Zudem werden ab 2016 laute Auspuffsysteme in der ganzen Schweiz verboten.

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Kampf gegen den Lärm: Polizei geht gegen getunte Autos vor

4:15 min, aus 10vor10 vom 4.8.2015

Trotz schönem Wetter und Alpenkulisse: Wenn getunte Autos durch die Churer Innenstadt dröhnen, ist es mit der Beschaulichkeit schnell vorbei. Wie andere Schweizer Städte auch hat Chur ein Problem mit lauten, aufgemotzten Fahrzeugen.

Die Polizei in Chur geht deshalb gezielt gegen Autofahrer vor, die ihren Motor unnötig hochdrehen. Der Tatbestand lautet: Verursachen von vermeidbarem Lärm. Die Autofahrer gingen ein Risiko ein, «indem sie auch nur kurzfristig beschleunigen und die Leute dadurch erschrecken», sagt Emil Gartmann, Chef der Churer Verkehrspolizei.

Lärm kann teuer werden

Am Abend, auf Patrouille, halten zwei Churer Stadtpolizisten einen Lenker an. Der Fahrer bestreitet, dass er beim Anfahren den Motor übermässig aufgedreht habe. Grossmotorisierte Autos seien nun mal etwas lauter als andere. «Dann müssen Sie auch dementsprechend fahren», antwortet der Streifenpolizist. Es folgt eine Verzeigung. Mögliche Kosten: mehrere hundert Franken.

Dass getunte Autos überhaupt so laut werden können, liegt auch an einem sogenannten Klappensystem, das sich im Auspuff befindet. Ist die Klappe auf, macht der Auspuff mehr Lärm. In der Tuning-Szene sind Auspuff-Klappensysteme beliebt. Doch ab nächstem Jahr soll damit Schluss sein – zumindest bei Neuwagen.

«Das Auspuffsystem soll vor allem bei Sportwagen verboten werden, so dass man das System nicht mehr von innen bedienen kann und je nach Beschleunigung mehr Lärm entsteht», erklärt Gartmann.

Parkierte Autos an einem Tuning-Event in Genf Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Je lauter, desto besser: Besucher an einer Ausstellung für getunte Autos in Genf. Keystone/Archiv

Reine Schikane?

Diese neue Regelung sowie die vermehrten Kontrollen lösen in der Tuning-Szene erwartungsgemäss keine Freude aus. Unter den Tunern ist die Rede von Repression und Kriminalisierung der ganzen Szene.

Kontrollen bei Autofahrern, die innerorts mit 150 Kilometern pro Stunde unterwegs seien, fände er richtig, sagt Auto-Tuner Mike Kronenberg. «Aber wenn Autos, bei denen alles stimmt, nur in die Mangel genommen werden, weil sie etwas spezieller sind – dann finde ich das eine Schikane.» Mit Sicherheit habe das wenig zu tun. Klar seien die Auspuff-Klappensysteme etwas lauter, sagt Kronenberg. «Aber es bleibt im legalen Rahmen.»

Fast so laut wie ein Düsenjet

Zumindest in Seelisberg im Kanton Uri müssen die Tuning-Fans die Polizei nicht fürchten. Bei einem Tuning-Treffen im Drivecenter frönen sie dem Lärm – und belohnen den Fahrer jenes Autos, dessen Auspuff am lautesten ist. Der Sieger erreicht einen Höchstwert von 130,6 Dezibel und damit fast die Lautstärke eines startenden Düsenjets. Zulässig auf den Strassen sind in der Regel rund 85 Dezibel.