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Die Japaner sehen sich als sehr homogenes Volk
Aus SRF 4 News aktuell vom 09.12.2020.
abspielen. Laufzeit 06:51 Minuten.
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Umstrittener Spot von Nike Soziologin: «Die Japaner möchten keine Ausländer im Land»

Ein Sport-Werbespot für den japanischen Markt macht derzeit weltweit Schlagzeilen. Wieso der Nike-Spot eine Debatte über Rassismus in Japan auslöste, weiss die Soziologin Barbara Holtus. Sie lebt in Tokio.

Barbara Holthus

Barbara Holthus

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Die Soziologin Barbara Holthus, Link öffnet in einem neuen Fenster arbeitet am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokio.

SRF News: Wieso löst das Video derart heftige Reaktionen aus?

Barbara Holthus: Man muss wissen: In den sozialen Medien in Japan sind Männer und die Stimmen von rechts- oder sogar ultrarechtsstehenden Personen stark übervertreten. Zudem sorgte vor Kurzem die Tennisspielerin Naomi Osaka mit politischen Äusserungen für Diskussionen. Denn japanische Prominente halten sich meist aus den politischen Diskussionen heraus – und das sollen Sportlerinnen auch, so der Tenor.

Das umstrittene Nike-Video

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Das umstrittene Nike-Video

Mit dem Werbespot, Link öffnet in einem neuen Fenster wollte der US-Sportartikelhersteller Nike eigentlich gegen Rassismus einstehen: Das zweiminütige Video zeigt drei junge Fussballerinnen – Halb-Japanerinnen. Sie werden deshalb gemobbt und können dank des Sports ihre Diskriminierung überwinden. Der Spot wurde inzwischen über zehn Millionen Mal angesehen. Er hat rund 90'000 Likes erhalten, aber auch 70'000 Daumen runter. Auch in der Kommentarspalte finden sich zahlreiche rassistische Äusserungen.

Gibt es ein Problem mit Rassismus in Japan?

Das Land versteht sich als recht homogenes Land, doch inzwischen leben in Japan fast drei Millionen Ausländer – bei einer Gesamtbevölkerung von rund 127 Millionen. Hinzu kommen viele Japanerinnen, die gemischtstämmige Eltern haben. Es gibt im Land deshalb auch Diskriminierung von sozialen Minderheiten, von Chinesen und Koreanerinnen.

Wird in Japan etwas gegen den Rassismus unternommen?

Im Rahmen von «Black Lives Matter» kam es auch in Tokio und Osaka zu kleineren Demonstrationen. Doch meist wird das Thema Rassismus unter den Teppich gekehrt, obschon es die vielen Diskriminierungen gibt. Am liebsten hätte Japan keine Ausländer im Land, doch das kann es sich gar nicht leisten.

Am liebsten hätte Japan gar keine Ausländer im Land.

Seit 2015 nimmt die Bevölkerung ab, ohne Ausländerinnen können gar nicht mehr alle Stellen besetzt werden. Die ganze Diskussion erhitzt sich daran, dass einerseits das Land wegen Corona abgeschottet ist, andererseits mit Olympia 2020 gerade die Diversität der Menschen hätte gefeiert werden sollen.

Werden die Olympischen Spiele – sie wurden ja auf 2021 verschoben – etwas an der Diskussion ändern?

Ich bin da skeptisch. Zwar sind die Olympischen Spiele derzeit an den Schulen ein eigenes Fach, doch das grosse Problem in Japan ist, dass mit Andersartigkeit unter den Menschen schlecht umgegangen werden kann. «Der herausstehende Nagel muss eingeschlagen werden», lautet dazu ein japanisches Sprichwort. Deshalb ist für die drei jungen Frauen im Nike-Werbespot ihre Andersartigkeit ein Problem – das sie dank dem Sport überwinden können.

Bis zu einem Ende des Rassismus in Japan wird es noch lange dauern.

Gibt es Hoffnung, dass die jüngeren japanischen Generationen den Rassismus offensiver angehen werden?

Leider ist die junge Bevölkerung relativ unpolitisch. Natürlich verändert sich laufend etwas – doch die Entwicklung hin zu einer vollständig gleichberechtigten Sicht auf die Menschen und damit zu einem Ende des Rassismus wird in Japan noch lange andauern.

Das Gespräch führte Susanne Stöckl.

SRF 4 News aktuell vom 9.12.2020, 09.50 Uhr;

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Stähli  (Mich)
    Ist es nicht Rassimus wenn man mit dem Finger auf "die Japaner" zeigt und sagt ihr alle wollt keine Ausländer?
    Oder ist es kein Rassimus wenn man jemandem nur unsere richitge Weltvorstelllung zeigt und sagt eure ist falsch?
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  • Kommentar von Fabio Sommaruga  (Fäbu251)
    Japan steht halt hinter seiner Traditon und Kultur nicht wie wir hier im Westen. Man muss sich eben anpassen in einem fremden Land!
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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Rassismus ist in allen Ostasiatischen Ländern stark vorhanden, am stärksten in China. Dort gelten ja alle Nicht Han-Chinesen als Menschen zweiter Klasse. Aber: Es geht Nike hier nicht darum wirklich etwas gegen Rassismus zu tun, sonst würden Nike nicht in Xinjiang durch internierte Uiguren produzieren lassen. Es ist diese Doppelmoral von einem US Grosskonzern der sauer aufstösst, nicht die Thematik an sich.
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