Waldbrand treibt 90'000 Kanadier in die Flucht

Meterhoch schlagen sich die Flammen durch die kanadische Provinz Alberta, Wind trägt das Feuer weiter nach Norden. Tote oder Verletzte gibt es bislang nicht, doch Zehntausende Menschen bangen um ihr Zuhause.

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Verheerende Waldbrände in Kanada

1:22 min, aus Tagesschau vom 5.5.2016

Die verheerenden Waldbrände in Kanada haben bereits mehr als 90'000 Menschen in die Flucht getrieben. In der zentralkanadischen Ölstadt Fort McMurray wurden nach offiziellen Angaben 2000 Häuser zerstört. Rund 10'000 Hektar Land fielen den Flammen zum Opfer.

Tote oder Schwerverletzte gab es zunächst nicht. 250 Feuerwehrleute, neun Löschflugzeugen und ein Dutzend Helikopter waren im Einsatz. Das Feuer war südlich von Fort McMurray ausgebrochen, starker Wind trieb die Flammen bis in die Stadt.

In der Nacht zum Mittwoch ordneten die Behörden die vollständige Räumung der 100'000-Einwohner-Stadt an, die rund 400 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Edmonton liegt. Mehr als 80'000 Menschen verliessen nach Behördenangaben bislang die Stadt.

Zunächst durften nur die Bewohner aus der Gegend rund um den Flughafen bleiben. Am Mittwochabend wurde dann auch eine Evakuierungs-Anordnung für den Stadtteil Saprae Creek östlich des Flughafens erlassen, der zunächst als ungefährdet galt. Sogar die örtliche Feuerwehr wurde abgezogen. Alle Flüge wurden gestrichen.

Am Mittwoch erreichte das Inferno auch den Stadtteil Beacon Hill, der nur fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ist. Dort wurden nach Behördenangaben bereits 70 Prozent der Häuser zerstört.

Nach Angaben der Feuerwehr gingen in allen Ortsteilen Häuser und Fahrzeuge in Flammen auf. Auch das Gelände einer grossen Wohnwagen-Siedlung wurde zerstört, zurück blieben lediglich verbrannte Karossen.

Staus und fehlendes Benzin

Die Waldbrände seien «absolut verheerend», erklärte der kanadische Premierminister Justin Trudeau. Die Evakuierung von Fort McMurray sei «äusserst schwierig», nicht nur für die Behörden, sondern für allem für die betroffenen Bewohner. Er habe Albertas Regierungschefin Rachel Notley die «volle Unterstützung» der Regierung zugesichert.

Albertas Land- und Forstwirtschaftsminister Bernie Schmitte appellierte an die Flüchtenden, die Strassen für Einsatzfahrzeuge freizumachen. Auf den Strassen Richtung Norden hatten sich schon am Mittwoch lange Staus gebildet, nachdem die Polizei alle in den Süden führenden Routen gesperrt hatte.

An vielen Tankstellen ging bereits das Benzin aus. Die Provinzregierung schickte schliesslich einen Tanklastwagen, um Fahrern mit leerem Tank zu Hilfe zu kommen.

Unterschlupf bei Ölfirmen

Das Ziel der meisten Flüchtenden waren Bungalow- und Containersiedlungen der in der Region aktiven Ölfirmen. Normalerweise wohnen in diesen Unterkünften Arbeiter.

Seit zwei Jahren stehen sie wegen des fallenden Ölpreises aber teilweise leer. Die Unternehmen gaben leerstehende Zimmer für die Menschen aus Fort McMurray frei, zudem bauten sie Zelte als Notunterkünfte auf.

Die Provinz Alberta erlebt derzeit eine Rekorddürre und leidet zudem unter eine Hitzewelle. Seit Tagen herrschen Temperaturen von fast 30 Grad Celsius.