Was passiert, wenn die First Lady zum Mann wird?

Madam President. So würde Hillary Clinton wohl bezeichnet, wenn sie zur Präsidentin gewählt würde. Welche Bezeichnung aber erhält Ehemann und Ex-Präsident Bill? Darüber wird derzeit munter debattiert in den USA.

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Bildlegende: Auf der Suche nach einem neuen Titel und einer neuen Aufgabe: Ex-Präsident Bill Clinton. Reuters

Es ist eine noch nie dagewesene Situation für die USA. Ein Mann könnte zur First Lady werden. Oder wie soll denn der Gatte einer Präsidentin genannt werden? Einige Ideen kursieren bereits. Bill Clinton selbst hat auch schon Vorschläge eingebracht. Hoch gehandelt wird in den US-Medien derzeit der First Gentleman.

Allerdings gibt es diesbezüglich auch Bedenken. So war Bills Verhalten damals in der Affäre Lewinski nicht gerade gentleman-like. Als alternative Bezeichungen kämen auch First Man oder First Husband in Frage.

Bill mag es Schottisch

Bill Clinton selbst hat früher einmal augenzwinkernd die Bezeichnung First Laddie eingebracht. In Anlehnung an den schottischen Ausdruck für Bursche. «Das käme der First Lady am nächsten», sagte er 2007 der TV-Talk-Diva Oprah Winfrey.

«  Meine schottischen Freunde sagen, man sollte mich First Laddie nennen, das käme der First Lady am nächsten. »

Bill Clinton
Ex-Präsident

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Hillary Clinton liegt vorn

Hillary Clinton liegt derzeit 8 Prozentpunkte vor Donald Trump. Das ergab eine Umfrage für die Zeitung Washington Post und den Fernsehsender ABC-News. In der Umfrage kommt die Demokratin Clinton auf 50 Prozent der Stimmen, der Republikaner Trump auf 42 Prozent. Die Umfrage wurde zwischen dem 1. und 4. August durchgeführt.

Komödiant Darrell Hammond imitierte Bill Clinton in der Show «Saturday Night Live» und verlieh ihm dabei den Titel First Dude.

SRF Korrespondent Beat Soltermann in Washington beobachtet die Diskussionen und sagt: «Es ist halt ein Kuriosum, dass nun das erste Mal ein Mann die Funktion der First Lady einnehmen könnte», das belebe die Debatte.

Einmal Präsident, immer Präsident

Die Sache wird noch komplizierter. In den USA werden alle noch lebenden Ex-Präsidenten mit Mr. President angesprochen – nicht nur der Amtsinhaber Barack Obama. Mit Jimmy Carter, den beiden Bushes George und George W. und Bill Clinton gibt es also derzeit fünf Mr. Presidents in Amerika.

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Bildlegende: Soll vor allem Präsidentin Hillary beraten. Bill Clintons neue Rolle wenn seine Ehefrau Präsidentin werden sollte. Keystone

Gewinnt die Demokratin Hillary Clinton im November das Rennen gegen den Republikaner Donald Trump, hätten die USA auf einmal nicht nur eine Madam President sondern auch einen Mr. President.

Eine Umfrage beim US-Onlinemagazin Vox zeigt, dass eine Mehrheit der Befragten diese Bezeichnung für Bill bevorzugen würde.

Aufgaben für den Gatten

Neben dem Titel wird auch über die Funktion spekuliert, sollte Bill als Ehemann der Präsidentin ins Weisse Haus zurückkehren. Klassisch setzen sich die First Ladys für Themen wie gesunde Ernährung, Ausbildung oder Landschaftsschutz ein. Zudem übernehmen sie das Einrichten des neuen Wohnsitzes, wählen Möbel und das Tafelgeschirr für Staatsbankette aus.

Aber um Teller und Tassen und den Blumenschmuck im Weissen Haus würde Hillary Clinton sich wahrscheinlich selber kümmern, sagte sie in mehreren Interviews.

«  Ich möchte, dass er bei der Wirtschaft hilft. Ich möchte, dass er uns hilft, mehr gute Jobs mit mehr Einkommen zu bekommen. »

Hillary Clinton
Präsidentschaftskandidatin

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Kein offizielles Amt

Die First Lady hat keine klar definierten Aufgaben. Die Ehefrauen der US-Präsidenten haben ihre Position immer verschieden interpretiert. Hillary Clinton gilt als bisher einflussreichste First Lady. Sie ist die einzige, die klassische politische Funktionen ausübte und zum Beispiel eine Gesundheitsreform aufgleiste, die dann allerdings scheiterte.

Die Präsidentschaftskandidatin möchte, dass ihr Gatte sie in Sachen Wirtschaft berät. SRF Korrespondent Beat Soltermann ist überzeugt: «Bill ist und bleibt Hillarys wichtigster Berater und Einflüsterer», und als Präsidentin würde sie ihn wohl auch als Redner durchs Land schicken, «quasi als Zauberwaffe, um Hillarys Politik zu erklären», meint Soltermann.

Unterwegs in schwerer Mission

Weiter dürfte der Ex-Präsident von seiner Frau als Sonderbotschafter eingesetzt werden, sei es zum Beispiel bei Friedensverhandlungen oder bei heiklen diplomatischen Missionen.

Beobachter sind überzeugt: Bill Clinton wäre – unabhängig von seiner offiziellen Bezeichnung – als Gatte der ersten Präsidentin der USA sehr einflussreich. Noch einflussreicher, als dies Hillary war, als sie in der Funktion der First Lady im Weissen Haus residierte.

Die Mehrheit würde ihn Presidenten nennen

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • "Clinton for President"

    Aus Tagesschau vom 29.7.2016

    Jetzt ist es ganz offiziell: Hillary Clinton ist als erste Frau überhaupt ins Rennen ums Präsidentenamt im Weissen Haus geschickt worden. Und es ging auch darum, die Partei zu einen. Einschätzungen dazu von SRF-Korrespondent Peter Düggeli.