Zum Inhalt springen

Header

Audio
Das gilt bei Wegspesen
Aus Espresso vom 28.07.2021.
abspielen. Laufzeit 06:44 Minuten.
Inhalt

Wegpauschalen Wenn die Hebamme von nebenan 60 Franken Wegspesen will

Die SRF-Rechtsexpertin erklärt, was bei Wegspesen von Handwerkern oder Hebammen erlaubt ist.

Beim SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» melden sich immer wieder Betroffene, die mit Fahrkosten von Handwerkern oder Hebammen nicht einverstanden sind. 

Hebamme «von nebenan» verrechnet 60 Franken für die Anfahrt

In einem Fall verrechneten Hebammen der Krankenkasse einer frischgebackenen Mutter bis zu 15 Kilometer Anfahrtsspesen von ihrem Wohnort aus, obwohl die Praxis nur wenige Meter neben der betreuten Familie lag und die Hebammen nicht von Zuhause anreisten. 

Handwerker reist von 60 Kilometer weiter an

In einem zweiten Fall vergab eine Firma den Reparaturauftrag für eine Lüftung ungefragt an eine 60 Kilometer weiter entfernte Drittfirma. Der Handwerker verrechnete für die Anfahrt sowohl die Kilometer wie auch die Zeit. Zudem schlug die beauftragte Firma auf die Rechnung der Drittfirma noch 600 Franken, also 30 Prozent, Marge drauf.

SRF-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner erklärt im Interview, was erlaubt ist und was nicht:

«Espresso»: Ist es zulässig, wenn Handwerker für die Anfahrt Zeit Kilometer verrechnen?

Gabriela Baumgartner: Ja. Im Obligationenrecht steht zwar nichts von Wegkosten. Aber in den Bestimmungen zum Werkvertrag heisst es sinngemäss, dass Handwerker ihren ganzen Aufwand verrechnen dürfen. Dazu gehören sowohl die Zeit für die Anfahrt wie auch die Kilometerkosten.

Darf man mir die Anfahrt von irgendwo her verrechnen? Also von Lugano oder Genf aus, auch wenn der Betrieb in Luzern ist?

Nein. Im Fall der Lüftungs-Reparatur hat die beauftragte Firma den Auftrag ungefragt an eine weiter entfernte Drittfirma vergeben. Dafür müsste sie aber den Kunden informieren und sein Einverständnis einholen. Ich würde dem Betroffenen raten, nochmals bei der Firma zu reklamieren.

Die Krankenkassen haben mit den Hebammenpraxen eine Vereinbarung.
Autor: Gabriela Baumgartner «Espresso»-Rechtsexpertin

 Eine Marge von 30 Prozent auf die Leistung eines anderen Handwerkers, auch das geht nicht?

Dafür sehe ich keine Rechtfertigung. Wenn die beauftragte Firma selbst Material eingekauft hätte, dann müsste sie beispielsweise einen Händlerrabatt nicht weitergeben oder könnte eine kleine Marge draufschlagen. In diesem Fall konnte die Firma den Auftrag aber gar nicht selbst ausführen. Ein solcher Aufschlag ist nicht gerechtfertigt.

Im Fall der Hebammen lag die Praxis ein paar Meter neben der betreuten Familie, trotzdem verrechneten diese den Anfahrtsweg von Zuhause aus. Zulässig?

Ja. Die Krankenkassen haben mit den Hebammenpraxen eine Vereinbarung über die Wegkosten. Die Hebamme darf jedes Mal den Weg zu den Klienten abrechnen, auch wenn sie von anderswo kommt. Alles andere wäre zu kompliziert, begründete der Hebammenverband.

Heutzutage sollten Firmen Honorar und Wegspesen transparent auf ihrer Webseite aufführen.
Autor: Gabriela Baumgarten «Espresso»-Rechtsexpertin

In beiden Fällen gab es weder eine Offerte noch wurde über die Kosten für die Anfahrt gesprochen. Ein Fehler?

Ja, man hätte den Kunden im Voraus mitteilen müssen, welche Kosten auf sie zukommen, auch die Wegspesen. Heutzutage sollten Firmen sowieso Honorar und Wegspesen transparent auf ihrer Webseite aufführen und den Kunden den Link dazu im Voraus zustellen.

Zum Schluss: Die wichtigsten Tipps im Zusammenhang mit Wegspesen?

Gerade wenn ein Auftrag per Telefon oder per E-Mail vergeben wird: Unbedingt nachfragen wie hoch der Stundenansatz ist und was für den Weg dazukommt. Wenn ein Handwerker für den Weg eine Pauschale von 100 Franken verrechnet, obwohl sein Geschäft in der Nähe ist, kann ich den Betrag mit ihm verhandeln oder verlangen, dass er vorbeikommt, wenn er sowieso in der Nähe ist. Dann ist so eine Pauschale nicht mehr gerechtfertigt. Wichtig ist auch, sich solche Abmachungen immer per E-Mail bestätigen lassen, damit man im Streitfall einen Beweis hat.

 

Audio
Wenn die Hebamme von nebenan 60 Franken Wegspesen will
09:16 min, aus Espresso vom 28.07.2021.
abspielen. Laufzeit 09:16 Minuten.

Espresso, 28.07.21, 08:13 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von harald keller  (pragmatiker)
    Eine Pauschale Wegpauschale weil es eine korrekte Verrechnung zu kompliziert ist? Ich fass es nicht! Es ist doch einmal mehr so, dass jene, die abgelegen wohnen (und unsere Zersiedelung fördern) noch belohnt werden.
  • Kommentar von Manu Meier  (Manuel Meier)
    Wie ist es, wenn man eine Anfahrtspauschale bezahlt, obwohl der Handwerker zu Fuss die 50 Meter gelaufen ist?
    1. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      Das ist Pech. Das hätte nicht sein müssen.
  • Kommentar von Edouard von Witzleben  (von Witzleben Edouard)
    Einmal mehr im Schweizerland, reine Abzocke pur......
    1. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Blödsinn, mindestens im Fall der Hebamme war das ja völlig gerechtfertigt.
      Ehrlich gesagt, gehen mir diese Konsumenten-Organisationen mit der Suche nach einem möglichen Skandal langsam auf den Sack.
      Alle wollen gut verdienen, eigentlich haben wir ein gut funktionierendes, schönes Land, alle überall wird herumgemotzt alles alles schlecht geredet.
      Schade.
    2. Antwort von Barbara Bühlmann  (Entlebucherin)
      Nun Herr Müller es mag sein, dass sie eine solche abzocker Rechnung mit ihrem Einkommen mit links bezahlen. Aber in unserem schönen Land gibt es immer noch Menschen mit geringem Einkommen. Solche Rechnungen können jene finanziell ins schleudern bringen. Gut, gibt es die Konsumenten Organisationen die solchen Firmen auf die Finger schauen und für nicht wohlhabende einstehen.
    3. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Ja, Frau Bühlmann. Ich bin privilegiert. Ich verdiene gut, habe keinen Wagen, rauche nicht und meine Eigentumswohnung beschert mir günstige Wohnkosten.
      Dafür bezahle ich auch gerne viel Steuern und versuche, weniger Privilegierten mit Spenden unter die Arme zu greifen.
      Aber wenn es wegen 50 Franken für die Hebamme, welche ja sowieso von der Krankenkasse bezahlt wird, ein Theater gibt, dann passt es eben wie die Faust aufs Auge!
    4. Antwort von Barbara Bühlmann  (Entlebucherin)
      Es ging mir auch eigentlich um den abzockenden Handwerksbetrieb und, dass die Konsumenten Organisationen all jene die mit solchen Machenschaften Menschen finanziell in Not bringen zurecht anprangern.