Wissensdurst hilft im Klimawandel

Wer vor Folgen der Erderwärmung wie etwa Naturkatastrophen gefeit sein will, sollte entsprechende Kenntnisse mitbringen. Denn Wissen schützt in Zeiten des Klimawandels. Das gilt vor allem für Menschen in ärmeren Ländern, so eine neue Studie. Sie fordert mehr Investitionen in Bildung statt in Deiche.

Schulkinder auf Holzbrettern über überfluteten Strassen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Lernen in Zeiten des Klimawandels: Philippinische Schulkinder überqueren Planken nach Überschwemmungen. Reuters

Derzeit investieren Staaten die zur Verfügung stehenden Mittel vor allem in technische Vorkehrungen wie etwa den Bau von Dämmen. Das könnte aber nicht der beste Ansatz sein, urteilen die Forscher des Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital bei Wien.

Für ihre Studie analysierten sie Daten von Naturkatastrophen der vergangenen 40 Jahre aus 167 Ländern sowie Untersuchungen aus einzelnen Ländern und Regionen. Damit wollten sie die Zusammenhänge zwischen Todesraten nach solchen Extremereignissen, dem Bildungsstand der Bevölkerung und anderen Faktoren wie etwa Gesundheit oder Wohlstand ermitteln.

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Die Studie in Science

Die Untersuchungsergebnisse der österreichischen Forscher erscheinen heute Freitag im Wissenschaftsmagazin Science.

Weniger Opfer dank Bildung

«Unsere Forschungen zeigten, dass Bildung wichtiger als das Bruttoinlandsprodukt ist, um die Sterblichkeitsrate nach Naturkatastrophen zu senken», berichten die Forscher in einer Mitteilung. «Wir konnten auch nachweisen, dass schnelle Entwicklung und eine Bildungsexpansion die Zahl der Opfer nach Katastrophen signifikant reduzieren kann.»

Bildung erhöhe direkt das Wissen, die Fähigkeit, Informationen zu verstehen und zu verarbeiten sowie die Gefahrenwahrnehmung, erklären die Forscher. Ausserdem erhöhe sie indirekt den sozioökonomischen Status und das Sozialkapital – alles Qualitäten und Fähigkeiten, die für das Überleben und den Umgang mit Katastrophen nützlich seien.

Erschreckende Szenarien

Höher gebildete Personen lebten etwa in risikoärmeren Gebieten und bereiteten sich auf etwaige Naturkatastrophen besser vor – etwa indem sie Notfallvorräte anlegten. Auch mit den Folgen von Katastrophen wie Einkommensverlust und psychologischen Problemen kämen sie besser zurecht.

Die Forscher entwarfen auch diverse Szenarien für die Zukunft. Dabei variierte die Zahl der erwarteten Todesopfer je nach Ausmass der Klimaänderung, der Bevölkerungsentwicklung und Bildungsbeteiligung: Im Jahr 2050 sind demnach zwischen 200'000 und 650'000 und im Jahr 2100 zwischen rund 100'000 und rund 1,6 Millionen Todesopfer zu erwarten.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Schlaue Karten: ein neuer Blick auf die Welt

    Aus Einstein vom 13.11.2014

    Karten, die sich nicht mehr nur an der reinen Geografie orientieren, könnten unsere Sicht auf die Welt verändern. Ein junger Geograf von der Universität Sheffield arbeitet an thematischen Weltkarten, um etwa den Klimawandel, die Globalisierung oder die Bedrohung durch Naturereignisse auch fürs Auge noch verständlicher zu machen. Karten, die auf einen Blick zu erfassen sind.

  • Weltklima-Bericht: Forscher warnen vor drastischer Erderwärmung

    Aus Tagesschau vom 2.11.2014

    Der Weltklimarat hat mit seinem jüngsten Weltklimabericht zum schnellen Handeln im Kampf gegen den Klimawandel aufgefordert.

  • Klimaalarm mit beschränkter Wirkung

    Aus 10vor10 vom 31.10.2014

    Am Sonntag wird der 5. Bericht des Weltklimarates veröffentlicht. Die Wissenschaft ist mehr denn je überzeugt davon, dass der Mensch den Klimawandel verursacht und warnt vor den Folgen, die dies auf unseren Planteten hat. Doch dieser Alarmismus stumpft ab, die meisten Menschen sehen sich nicht unmittelbar von der Klimaerwärmung bedroht und tun so auch nichts dagegen.

  • Anpassungen an Klimawandel - besser heute als morgen

    Aus Wissenschaftsmagazin vom 6.9.2014

    Der Klimawandel wird unser Leben verändern. So viel ist klar. Doch welche Anpassungen in welchem Ausmass uns die Erderwärmung genau abverlangen wird, das ist in grossen Teilen noch ungewiss.

    Dennoch müsse sich auch die Schweiz schon heute anpassen an die künftigen Klimarisiken, forderten Experten an einer Tagung. Wie also kann man sich vorbereiten?

    Anita Vonmont

  • Der Klimawandel ist da

    Aus Wissenschaftsmagazin vom 5.4.2014

    Der Klimawandel ist bereits Tatsache und er hat vielfältige Konsequenzen, dies ist eine wichtige Erkenntnis des neuen Berichts, den der Weltklimarat IPCC Anfang Woche vorgestellt hat.

    Es ist der zweite von drei Teilen und er befasst sich neben den Auswirkungen der Erderwärmung auch mit den Verwundbarkeiten der Menschen und der Biosphäre und der Frage, in wie weit Anpassung möglich ist.

    Das Fazit: sie ist möglich, aber sie hat Grenzen - besonders, wenn die Temperatur mehr als weitere 1 bis 2 Grad ansteigt.

  • «Massnahmen gegen den Klimawandel sind zum Tabuthema geworden»

    Aus SRF 4 News aktuell vom 11.11.2013

    Einer der grössten CO2-Sünder der Welt wird an der UNO-Klimakonferenz fehlen: Australien. Die konservative australische Regierung führt einen Krieg gegen die Wissenschaft - und zweifelt den Klimawandel an.

    Urs Wälterlin