Zika löst tatsächlich Mikrozephalie aus

US-Wissenschaftler haben den Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und der Geburt von Kindern mit ungewöhnlich kleinen Köpfen nachgewiesen. Der Zusammenhang war bislang lediglich eine Hypothese.

Zwei Hände halten ein Baby in die Höhe, das einen deutlich zu kleinen Kopf hat, fotografiert von hinten vor grünem Hintergrund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Allein in Brasilien wurden in den vergangenen Monaten hunderte Kinder mit Mikrozephalie geboren. Reuters

Forscher der US-Gesundheitsbehörde CDC sind zur Schlussfolgerung gelangt, dass das Zika-Virus die sogenannte Mikrozephalie und andere schwere Gehirnschäden verursacht. Was bislang nur vermutet wurde, hat sich nun wissenschaftlich erhärtet. Dies teilte die Behörde mit. Entsprechende Ergebnisse wurden im «New England Journal of Medicine» veröffentlicht.

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Was ist Mikrozephalie ?

Unter einer Mikrozephalie versteht man eine Entwicklungsbesonderheit des menschlichen Kopfes. Bei Patienten weist er eine kleinere Grösse auf. Diese sind dadurch oft geistig behindert.

Es bleiben noch Fragen offen

Der Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und der Mikrozephalie war bislang nicht nach strikten wissenschaftlichen Kriterien bewiesen worden. Auch wenn der Nachweis erbracht sei, bedeute das nicht, dass jede Zika-Infektion Ungeborenen tatsächlich schade, sagte CDC-Chef Tom Frieden.

Zika wird auch mit Frühgeburten und Augenproblemen in Zusammenhang gebracht. Trotz der neuen Erkenntnisse bleiben noch Fragen offen. Etwa jene, wie häufig eine Ansteckung mit dem Virus tatsächlich Mikrozephalie auslöst.

Auf Basis anderer Studien

Die Schlussfolgerung wurde teilweise auf Basis einer Serie von Studien in Brasilien gezogen, das von der Ausbreitung des Virus am stärksten betroffen ist. Hinzu gekommen sei die wachsende wissenschaftliche Expertise aus mehreren anderen, kürzlich veröffentlichen Studien sowie «die sorgfältige Anwendung bewährter wissenschaftlicher Kriterien».

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Zika breitet sich aus

Zika-Mücke.

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Ganz Amerika wird von dem Virus heimgesucht. Mehr dazu

Das Zika-Virus wird von der Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti) übertragen. Für Erwachsene ist das Virus meist harmlos, doch gab es zahlreiche Fälle, bei denen während der Schwangerschaft infizierte Mütter Babys mit sehr kleinem Kopf zur Welt brachten. Die Mikrozephalie kann schwere Entwicklungsverzögerungen zur Folge haben.

Rasante Ausbreitung

In Brasilien wurde das Zika-Virus erstmals Anfang 2015 identifiziert. Neun Monate später gab es in dem südamerikanischen Land eine Welle von Geburten von Kindern mit Mikrozephalie. Das tropische Virus hat sich in den vergangenen Monaten rasend schnell vor allem in Lateinamerika ausgebreitet.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Studiogespräch mit Christoph Hatz

    Aus 10vor10 vom 1.2.2016

    Christoph Hatz vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut zu den Gefahren von Zika und den eingeleiteten globalen Schutzmassnahmen.

  • FOKUS: WHO ruft Zika-Gesundheitsnotstand aus

    Aus 10vor10 vom 1.2.2016

    Die Weltgesundheitsorganisation WHO ruft wegen des Zika-Virus den globalen Gesundheitsnotstand aus. Vor allem in Südamerika hat sich das Virus rasant ausgebreitet. 10vor10 fragt im Fokus, wie hoch die Gefahr für eine interkontinentale Verbreitung des Zika-Fiebers ist.