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Legende: Audio Kantonsarchäologe Pierre Harb über die Bedeutung des Steins. abspielen. Laufzeit 05:37 Minuten.
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 20.08.2019.
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1800 Jahre Epona-Stein «Der Stein ist auf den Tag genau datiert»

Die älteste bekannte Erwähnung der Stadt Solothurn ist auf einem Stein zu lesen – dem Epona-Stein. Der Stein trägt eine Inschrift mit einer genauen Datumsangabe. Er feiert am 20. August 2019 seinen 1800. Geburtstag. Ausgestellt ist er im Steinmuseum der Stadt. Der Stein sei für die Stadtgeschichte von Solothurn sehr wichtig, erklärt der Solothurner Kantonsarchäologe Pierre Harb.

Stein mit lateinischer Inschrift.
Legende: Der Epona-Stein: Rechts in der 6. Zeile ist die Abkürzung «Salod» erkennbar, danach folgt die Datumsangabe. SRF

SRF News: Wie würden Sie als Archäologe den Stein beschreiben?

Pierre Harb: Es ist ein weisser Kalkstein. Wenn er auf dem Boden steht, erreicht er ungefähr die Höhe eines Tisches. Es war ein Altar-Stein, auf dem man der Göttin Epona Opfer bringen konnte. Epona war ursprünglich eine keltische Göttin. Sie wird oft mit Pferden dargestellt, mit jungen Pferden. Sie ist ein Symbol für die Fruchtbarkeit. In der römischen Zeit wurde sie übernommen, vor allem in den keltischen Provinzen. Dort war sie auch beim Militär beliebt, insbesondere beim Transport- und Fuhrwesen.

Was ist das Besondere an diesem Stein? Er trägt eine lateinische Inschrift.

Es ist einer von über 20 Inschriften-Steinen aus der Stadt. Speziell ist, dass er auf den Tag genau datiert ist. Wenn man das Datum auf den heutigen Kalender umrechnet, wurde er am 20. August 219 nach Christus aufgestellt und der Göttin Epona geweiht.

Weiss man, wer den Stein aufgestellt hat?

Der Stifter hat sich auf dem Stein verewigt. Er heisst Marcus Aurelius Aprilius Restio. Er gehörte der römischen Legion an mit dem Hauptsitz in Mainz (D). Er war im Rang eines Gefreiten (Immunis) und in Solothurn der örtliche Polizeichef.

Einen Altar zu stiften, ist sicher nicht günstig. War der Stifter eine reiche Person?

Das wissen wir nicht so genau. Er war sicher nicht arm. Er war Soldat, eine Art Unteroffizier und somit aber auch nicht reich. Als Postenchef hatte er eine offizielle Funktion. Wir gehen davon aus, dass der Stein sein Abschiedsgeschenk gewesen sein könnte. Dass er damit danke gesagt hat, dass alles gut gelaufen ist und dass er dafür gespart hat.

Weiss man, wo der Stein zu römischer Zeit gestanden ist?

Nein, da haben wir keine Ahnung. Sicher aber in Solothurn, so wie es auf dem Stein ausgeführt ist: «Salod», abgekürzt für Salodurum. Über Jahrhunderte war er in einem Haus in der Schaalgasse sichtbar. Wie er dorthin gekommen ist, das wissen wir aber nicht.

Was war Solothurn vor 1800 oder 2000 Jahren für ein Ort?

Es war ein römischer Vicus, eine Strassensiedlung. Es war ein Knotenpunkt von Strassen mit einer Brücke. Ein Etappenort, an dem man übernachten, die Pferde unterbringen und Wagen reparieren konnte. Es war ein Ort mit Gasthäusern, ein Markt- und Handelsplatz. Wir gehen davon aus, dass hier einige hundert Menschen wohnten. Und um die Ordnung und den Strassendienst aufrecht zu erhalten, gab es eben eine Art Militärpolizei.

Zeichnun eines römischen Dorfes an einem Fluss.
Legende: So könnte Solothurn um das Jahr 200 ausgesehen haben. Funde in der Aare lassen vermuten, dass eine Holzbrücke neben der heutigen Wengibrücke über den Fluss führte. Kantonsarchäologie Solothurn

Sie haben es erwähnt: Der Stein war später in einem Haus eingebaut. Bereits im 16. Jahrhundert wurde darüber geschrieben.

In einem Buch über verschiedene Altertümer wurde der Stein beschrieben, die Inschrift ziemlich genau abgeschrieben. Es wurde versucht, zu ergänzen, was von der Inschrift fehlte. An der Vorderseite befindet sich ein schräger Streifen, wo die Inschrift abgeschnitten ist. Auf der Rückseite fehlt eine Ecke, weil der Stein mehrere Male verbaut wurde.

Wusste man im 16. oder 17. Jahrhundert schon, was man mit dem Stein vor sich hatte?

Im 16. Jahrhundert war die Zeit der Renaissance, des Humanismus. Man begann, sich für solche Dinge zu interessieren und versuchte, mehr darüber herauszufinden. Latein wurde wieder gelesen und man versuchte, zu den Quellen zurück zu gehen. Vor der Gründung der Wissenschaft waren solche Dinge für die meisten Leute Legenden.

Das Gespräch führte Bruno von Däniken.

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