1816: So litten die Solothurner unter dem «Jahr ohne Sommer»

Vor 200 Jahren war der Sommer kalt und nass. Die Felder standen unter Wasser, das Korn verfaulte. In der Ostschweiz brach eine Hungersnot aus. In Solothurn ging die Krise vergleichsweise glimpflich vorüber, zeigt eine Ausstellung im Museum Blumenstein. Gelitten hat vor allem der Mittelstand.

1816 ging in Mitteleuropa und Nordamerika in die Geschichte ein als das «Jahr ohne Sommer». Nach der Explosion des Vulkans Tambora auf Indonesien breitete sich Staub, Asche und Schwefel auf der halben Erde aus, verdunkelte den Himmel und liess die Temperaturen sinken.

In der Schweiz gab es Menschen, die das Gras der Kühe oder die Rinde der Bäume assen, weil die Ernten ausfielen. In der Ostschweiz starben Menschen den Hungertod.

Solothurns Glück als Agrarkanton

Auch die Solothurner litten, wie die Ausstellung «1816/1817 - Der Kampf gegen die Teuerung» im Museum Blumenstein in Solothurn zeigt. Hunger musste hier allerdings niemand haben.

«Zum Glück war Solothurn damals noch ein Agrarkanton», erklärt Museumsleiter Erich Weber. In normalen Jahren konnte Solothurn Lebensmittel exportieren. Deshalb hatte man in den Krisenjahren trotz Missernten noch genug für die eigenen Leute.

Pflanzplätze für den Mittelstand

Gelitten hat in der Stadt Solothurn vor allem der Mittelstand. Den Gewerblern, wie beispielsweise Hutmacher Ludwig Rudolf, fehlten die Einnahmen. «Sogar beste Kundinnen wie Wittfrau Stadtschreiberin Zeltern kommen nicht mehr zu mir. Alle sind plötzlich mit den Hüten zufrieden, die sie schon besitzen», klagt Hutmacher Rudolf in der Ausstellung.

Wegen der Teuerung – ein Brot kostete in der Stadt Solothurn im Frühling 1817 fünfmal mehr als ein Jahr zuvor – leisteten sich die Menschen keinen neuen Hut mehr. Hutmacher Rudolf bat deshalb mit anderen Gewerblern die Stadtregierung um einen Pflanzplätz, um seine Familie ernähren zu können.

Sonne hinter Asche Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Staub und Asche nach einem Vulkanausbruch 1816 in Indonesien verdunkelten auch in der Schweiz die Sonne erheblich. Keystone (Symbolbild)

Zweite Ausstellung im August

In der Ausstellung im Museum Blumenstein «erzählen» neben Hutmacher Rudolf noch 13 andere Personen, wie sie die Teuerungskrise in der Stadt Solothurn meisterten. Ihre Aussagen hat Museumsleiter Erich Weber aus historischen Quellen zusammengetragen.

Am 25. August wird die Ausstellung durch eine zweite im Naturmuseum Solothurn ergänzt. Diese wird sich der Ursache des «Jahrs ohne Sommer» widmen: Der Vulkanexplosion in Indonesien und der folgenden Klimaverschlechterung.