2015: «20 Jahre sind genug, andere Kräfte müssen an die Säcke»

«Lösungen gemeinsam erarbeiten ist besser, als kritisieren». So lautet das Motto von Christine Egerszegi. 20 Jahre lang hat sie den Kanton Aargau im Bundeshaus vertreten - zuerst als Nationalrätin, später als Ständerätin. Jetzt ist Schluss. Zumindest fast.

Das Herz von Christine Egerszegi schlägt für die Musik. Als junge Frau hat sie an der Musikakademie in Zürich eine Gesangsausbildung absolviert. Ein Herzenswunsch sei dies gewesen, sagt sie.

Zwar ist aus der Gesangskarriere nichts geworden, dafür leitete sie in den 1980er Jahren die Musikschule Mellingen und Umgebung. Später setzte sie sich politisch für die Musik ein. Wird sich die Alt-Ständerätin nun wieder vermehrt der Musik zuwenden?

Im Gespräch mit Radio SRF sagt sie: «Eine Stimme ist wie ein Instrument, das man pflegen muss. Dafür hatte ich zu wenig Zeit. Ich müsste gewaltig an die Säcke gehen.»

Erste Aargauerin im Stöckli

1984 begann Christine Egerszegi, sich für die FDP zu engagieren. Der Anfang einer steilen politischen Karriere:

  • 1985 wird Christine Egerszegi Präsidentin der FDP-Frauen Schweiz, ab 1991 ist sie in der Geschäftsleitung der FDP Aargau.
  • 1989 bis 1995 vertritt sie die FDP im Grossen Rat Aargau, gleichzeitig ist sie von 1990 bis 1998 Stadträtin von Mellingen.
  • Im Jahr 1995 erfolgt die Wahl in den Nationalrat, 2006/2007 ist sie dessen Präsidentin.
  • 2007 wird Christine Egerszegi als erste Aargauerin überhaupt in den Ständerat gewählt.
  • Einen ihrer grössten Erfolge erzielte Egerszegi 2012, als das Stimmvolk einem Artikel zur Verankerung der Musikalischen Bildung in der Bundesverfassung deutlich zustimmt.

In der eigenen Partei öfters angeeckt

Egerszegi galt innerhalb der FDP oft als «enfant terrible». Beispielsweise, als sie im Ständerat gegen das Kampfflugzeug Gripen stimmte - oder als sie im Wahlkampf 2015 mit Inseraten die SP-Ständeratskandidatin Pascale Bruderer unterstützte.

«  Ich habe die Rolle der Abweichlerin nicht genossen, aber wenn ich überzeugt war von einer Sache, dann habe ich dafür gekämpft. »

2012 wäre es sogar beinahe zum Bruch mit ihrer Partei gekommen: Die FDP Schweiz untersagte ihr die Unterstützung für die Abstimmung über den «Musik-Artikel». Die FDP Aargau verhinderte ein Zerwürfnis, indem sie - entgegen der Mutterpartei - die Ja-Parole beschloss. «Das machte mich stolz», so Christine Egerszegi.

Im Gegensatz zu anderen Bundesparlamentariern hat die Aargauerin die klassische Ochsentour hinter sich, hat ihre ersten Erfahrungen in der kommunalen und kantonalen Politik gesammelt. Angesprochen auf Senkrechtstarter wie Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel oder Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martulla-Blocher sagt sie deutlich: «Sie haben nie gelernt, dass ohne Mehrheit nichts geht in der Politik. Das ist keine einfache Situation für diese Politiker.»

Ganz ohne Bundespolitik geht es doch nicht

Bereits seit längerer Zeit war klar, dass Christine Egerszegi bei den Wahlen 2015 nicht mehr antreten wird: «20 Jahre sind genug, andere Kräfte müssen nun an die Säcke», sagte sie. Im Oktober 2015 wurde an ihrer Stelle Parteikollege Philipp Müller in den Ständerat gewählt.

Trotzdem: Egerszegi wird dem Bundeshaus nicht ganz den Rücken kehren. Der Bundesrat hat sie zur Präsidentin der Eidgenössischen Kommission für die berufliche Vorsorge gewählt. Diese begutachtet für den Bundesrat Fragen zur beruflichen Vorsorge und gibt Empfehlungen ab.