50. Solothurner Filmtage: Junge Filmschaffende filmen das Private

Das Filmschaffen in der Schweiz boomt. Fast 700 Eingaben sichteten die Zuständigen der Filmtage. In die Werkschau schafften es 182 Werke, 32 davon sind Premieren. Viele junge Filmschaffende wollen das Private abbilden. Filmtage-Direktorin sieht darin Parallelen und Unterschiede zur ersten Ausgabe.

Seraina Rohrer Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seraina Rohrer, Direktorin der Solothurner Filmtage, hat für die 50. Ausgabe Hunderte von Filmen visioniert. Keystone

1966 fanden die Solothurner Filmtage zum ersten Mal statt. 20 Filme wurden damals eingereicht, alle davon konnten gezeigt werden. Heute ist das undenkbar. Die Werkschau ist eine strenge Selektion aus einer Flut von 680 Eingaben.

Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer freut sich über das grosse Interesse an ihrem Anlass. Vor allem auch darüber, dass sie viele Premieren von jungen Filmschaffenden zeigen kann.

Das sei auch schon bei der ersten Ausgabe so gewesen. Damals habe die Devise gegolten, Filme müssten politisch sein, die Realität in der Schweiz abbilden, das war das Ziel. «Auch heute wird wieder die Realität abgebildet», sagt Seraina Rohrer. «Aber es ist nicht mehr explizit politisch. Heute geht es um das Private, häufig um die Familie. Das wird sehr facettenreich dargestellt.»

Die Machart ist entscheidend

Filme, die das Private zeigen – sind solche Filme langweiliger als politische? Seraina Rohrer scheint die Frage erwartet zu haben, denn die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: «Nein, das ist überhaupt nicht so. Die Machart, die Fragestellung und die Figuren entscheiden, ob ein Film langweilig oder spannend ist.»

Seraina Rohrer hat wohl von allen Experten den besten Überblick über das aktuelle Filmschaffen in der Schweiz. Für sie ist klar: Die Stärke der hiesigen Filmproduktion liegt beim Dokumentarfilm. Aber auch bei den Spielfilmen gebe es eine gute Entwicklung.

Ein Dokumentarfilm, der Seraina Rohrer besonders beeindruckt hat, ist das neue Werk von Heidi Specogna. Die Dokumentarfilmerin hat den Präsidenten von Uruguay porträtiert. Einen Politiker, der einen grossen Teil seines Lohnes spendet.

Bei den Spielfilmen ist Rohrer besonders vom Eröffnungsfilm des Festivals «Unter der Haut» überzeugt. Claudia Lorenz erzählt darin von der Entfremdung eines Ehepaares und davon, wie eine Familie mit neuen Lebensumständen zurecht kommen muss.

Alice sieht sich nach 18-jähriger Ehe mit der Tatsache konfrontiert, dass ihr Mann Frank sich immer stärker von einem Mann angezogen fühlt. Nicht nur für Frank, sondern auch für Alice und die drei Kinder bedeutet das eine grosse Veränderung im Leben.