Aargau und Solothurn sind «ressourcenschwach»

Das Aargauer Finanzdepartement hat am Freitag ausführliche Broschüren zur Finanzstatistik veröffentlicht. Sie zeigen: Im nationalen Vergleich sind der Kanton Aargau, aber auch der Kanton Solothurn «ressourcenschwach». Die beiden Kantone generieren weniger Steuergelder als andere.

Broschüren der Aargauer Finanzverwaltung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zwei Broschüren zeigen: Im Aargau bezahlt man weniger Steuern als im Kanton Solothurn. Aber mehr Schuldzinsen. SRF

Die Kantone Aargau und Solothurn erhalten Ausgleichszahlungen von anderen Kantonen: Allein der Aargau erhält 2013 gut 193 Millionen Franken. Der Grund dafür: Die möglichen Steuereinnahmen in den beiden Kantonen sind tiefer als anderswo.

Weniger Steuerkraft als Zürich, Schwyz und Zug

Für den Ressourcenindex wird die Steuerkraft von Privatpersonen und Unternehmen gemessen: Einkommen und Vermögen von Privatpersonen, mögliche Gewinne von Unternehmen. Kantone wie Zürich, Schwyz oder Zug gelten dabei als ressourcenstark, die Kantone Aargau und Solothurn liegen im Index unter dem Schnitt.

Auch andere Kantone sind ressourcenschwach, zum Beispiel Luzern, Bern oder St. Gallen. Dieser Index macht aber keine Aussagen zur Steuerquote, also zur Steuerbelastung für einzelne Menschen oder Firmen. In diesem Vergleich schneidet der Aargau nämlich gut ab.

Im Aargau bezahlt man weniger Steuern

Die Steuerquote lag gemäss Angaben des Finanzdepartementes im Jahr 2010 bei 10.6 Prozent. Der Schweizer Schnitt liegt bei 12.8 Prozent. Solothurn ist mit 12.4 Prozent nur leicht unter dem Durchschnitt: Man bezahlt also salopp gesagt im Aargau weniger Steuern als im Nachbarkanton Solothurn.

Schlechter schneidet der Kanton Aargau bei der Bruttoverschuldung ab. 2010 hatte der Aargau Schulden von gut 4000 Franken pro Einwohner. Im Kanton Solothurn ist die Staatsverschuldung pro Kopf tiefer, sie liegt bei knapp 2900 Franken.

Entsprechend ist auch die Zinsbelastung: Der Aargau wendet 1.6 Prozent seiner Einnahmen für die Bezahlung von Schuldzinsen auf, im Kanton Solothurn fliesst «nur» 1 Prozent der staatlichen Einnahmen direkt in den Zinsdienst.

Schulden und Defizite in den 90er-Jahren

Schulden angehäuft haben beide Kantone vor allem in den 1990er-Jahren. Im Aargau habe vor allem die Ausfinanzierung der Pensionskasse zu einem Anstieg der Bruttoverschuldung geführt, heisst es in der am Freitag veröffentlichten Broschüre des Finanzdepartements.

Im finanziellen «Tagesgeschäft» schneidet der Kanton Aargau wieder besser ab. Wenn man die jährlichen Überschüsse und Defizite der Jahre 1990 bis 2011 zusammenzählt, dann hat der Aargau insgesamt knapp 260 Millionen Franken Defizit «eingefahren». Im Kanton Solothurn beläuft sich der Finanzfehlbetrag der letzten 21 Jahre hingegen auf gut 700 Millionen Franken.