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Aargauer Grosser Rat Parlament verknurrt Regierung zu Programm für Brustkrebs-Vorsorge

Gegen den Willen der Regierung will der Grosse Rat ein Programm zur Früherkennung von Brustkrebs einführen.

Der Kanton Aargau muss ein Untersuchungs-Programm zur Früherkennung von Brustkrebs aufbauen. Der Grosse Rat hat eine entsprechende Motion mit 80 zu 47 Stimmen überwiesen – entgegen dem Willen des Regierungsrats. Die Regierung muss nun ein Programm nach Vorgaben des Bundes einrichten. Alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren sollen zur Mammographie eingeladen werden.

Die Kosten von rund 170 Franken pro Untersuchung sollen die Krankenkassen tragen. Alle Frauen im Aargau sollen davon profitieren können – ungeachtet der finanziellen Möglichkeiten, befand die Ratsmehrheit. Eingereicht hatten die Motion Grossrätinnen aller Parteien im Parlament.

Ärzte vor einem Röntgenbild.
Legende: Auch im Aargau sollen Frauen ab 50 Jahren kostenlos Vorsorge-Untersuchungen auf Brustkrebs machen können. Keystone

Der Regierung ist das Programm zu teuer

Die Regierung begründete ihre ablehnende Haltung mit den Kosten. Pro Jahr belaste die Brustkrebs-Vorsorge das Budget mit mehreren 100'000 Franken, argumentierte Gesundheitsdirektorin Franziska Rot.

Zudem werde der Nutzen eines solchen Programms auch unter Fachleuten kontrovers diskutiert. Der Rückgang der Brustkrebssterblichkeit in den vergangenen Jahren sei nicht auf das Mammografie-Screening zurückzuführen. Die Diagnosen und der therapeutische Fortschritt hätten dazu geführt.

«Untersuchungen senken die Gesamtkosten»

Für das Programm kämpften im Grossen Rat Parlamentarierinnen aller Parteien ausser der SVP. Jährlich werde im Aargau bei 450 Frauen Brustkrebs diagnostiziert, so Anna Andermatt von der SP. Es gehe nicht um Zahlen, es geht um Menschen. Martina Sigg argumentierte für die FDP, Untersuchungen bringe Verbesserungen und senke letztlich die Gesamtkosten. Auch Politikerinnen von Grünen, CVP und EVP setzten sich für das Programm ein.

Marlis Spörri von der SVP warnte allerdings vor falschen Befunden bei der Vorsorge-Untersuchung. Verunsicherungen und ungerechtfertigte Behandlungen seien die Folgen.

Screening-Programme zur Früherkennung von Brustkrebs gibt es bereits in anderen Kantonen, etwa Basel-Stadt, St. Gallen, Graubünden und die Westschweiz. Im Kanton Solothurn gibt es trotz eines Kantonsratsbeschlusses kein Programm – unter anderem wegen Sparmassnahmen.

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