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Aargau Solothurn Aargauer Reformierte: 150 Jahre unabhängig vom Staat

Vor 150 Jahren trafen sich Kirchenparlamentarier der Reformierten Kirche im Aargau zum ersten Mal. Die Synode, das Kirchenparlament, war geboren. Es markiert die Emanzipation von der totalen Kontrolle durch den Stadt. Ohne Synode gäbe es heute keine öffentlich-rechtliche Reformierte Landeskirche.

Die Synode der Reformierten Landeskirche im Aargau:

  • Gegründet wurde das Parlament der Reformierten Landeskirche im Aargau 1866
  • Parallel zum politischen System gibt es eine Regierung, den Kirchenrat. Das Parlament heisst Synode.
  • Selbstständige Kirchgemeinden sind ins System eingebunden, wie beim politischen System auch.
  • Anzahl Mitglieder: In der Amtsperiode 2015–2018 hat die Synode 183 Sitze.

Ein Parlament für Länder, Kantone, Gemeinden – das gehört zu unserem politischen System. Wie aber ist es mit dem Parlament für die Kirche? 1866 wurde die Synode, das Parlament, der Reformierten Landeskirche Aargau gegründet. Grund zum Feiern?

Staat und Kirche waren früher eins

Ja, das ist ein Grund zumn Feiern, findet Dominik Sauerländer, Historiker und Festredner am Festakt der Reformierten Landeskirche. «Es war die erste Institution, die klar machte, dass sich christliche Konfessionen im Aargau in Richtung Unabhängigkeit des Staats bewegen», erklärt der Historiker im Interview mit Radio SRF.

Früher hatte der Staat die Kirche kontrolliert. Und so kontrollierte er auch die Bevölkerung. Diese strikte Kontrolle hatte historische Gründe: Die Schweiz erlebte vom 16. bis ins 18. Jahrhundert eine Phase religiöser Spannungen und Kriege.

Explosives Gemisch im Aargau

Es galt das Prinzip «ein Gebiet, eine Religion». Die Berner zum Beispiel waren alle reformiert. Die Luzerner hingegen katholisch. In dieser Zeit der religiösen Spaltung wurde 1803 der Kanton Aargau gegründet. Das katholische Fricktal, das katholische Freiamt und die katholische Grafschaft Baden wurden mit dem reformierten Westaargau fusioniert.

Höchstes Anliegen des Staates war es darum, keine religiösen Konflikte aufleben zu lassen. Das Mittel dazu: Kontrolle der Kirchen und damit Kontrolle der Bevölkerung. Historiker Dominik Sauerländer: «Die Menschen hatten damals noch eine enge Bindung an die Kirche. Sie gingen in die Kirche und hörten auf die Pfarrer. Wer die Pfarrer kontrollierte, kontrollierte die Leute.»

Wer die Pfarrer kontrollierte, kontrollierte die Leute.
Autor: Dominik SauerländerHistoriker

Die Kirchen im Aargau waren in den Anfängen des Kantons reine Staatskirchen. Die Regierung bestimmte, wer wo Pfarrer war. Und das Geld kam ebenfalls vom Staat. Mit der Zeit und dem Abflauen der religiösen Spannungen erarbeiteten sich sowohl die katholische wie auch die reformierte Kirche mehr Freiraum.

Synode markiert Unabhängigkeit

Für die Reformierten des Aargaus war die erste Synode von 1866 ein Meilenstein. Gewählte Synodalen konnten selber über die Geschicke ihrer Kirche bestimmen. Sie konnten sich autonom regieren, innerhalb der gesetzlichen Leitplanken.

Mit der Kantonsverfassung von 1885 wurde die Autonomie noch verstärkt. Ab dann bürgerte sich der Begriff «Landeskirche» ein. Katholiken, Christkatholiken und Reformierte hatten diesen Status. Er hab ihnen das Recht, Steuern zu erheben, in den Schulen Religionsunterricht zu erteilen und in den Spitälern Seelsorge zu betreiben.

Im Gegenzug musste sich die Kirche als öffentlich-rechtliche Körperschaft organisieren. Sie musste nach demokratischen Prinzipien funktionieren und volle Transparenz über ihre finanziellen Mittel gewähren.

Der Präsident der Synode, der höchste Reformierte im Aargau, Roland Frauchiger, freut isch über das 150-Jahr-Jubiläum. «Die Synode muss unsere Landeskirche so organisieren, dass sie gut funktioniert. Der Glaubensinhalt ist aber natürlich zentral», erklärt Frauchiger im Interview.