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Aktionswoche gegen Rassismus «Kulturalismus ist die kleine Schwester des Rassismus»

Kürzlich kursierte in verschiedenen Medien ein Schild, das jemand an einer Haustür irgendwo im Aargau angebracht hat. Es zeigt einen Mann und eine Frau in islamischer Tracht. Daneben folgender Text: «Wir müssen draussen bleiben.» Aus Sicht von Lelia Hunziker, Leiterin der Anlaufstelle für Opfer rassistischer Diskriminierung im Aargau, ist dies ein klarer Fall von Rassismus. Aber häufig ist Rassismus ein schwer fassbarer Begriff. Es gibt fliessende Übergänge von Fremdenangst zu Rassismus.

SRF: Haben Sie bei Ihrer Fachstelle häufig Anrufe von Personen, die Opfer rassistischer Diskriminierung sind?

Lelia Hunziker: Nein, das haben wir nicht. Es rufen aber jeden Tag Leute an, die sagen, sie würden eine Wohnung suchen oder Arbeit. Sie hätten sich schon x-mal beworben, aber würden nie etwas erhalten. Hier geht es nicht vordergründig um Rassismus. Aber es kann durchaus sein, dass sie die Wohnung nicht erhalten wegen ihres ausländischen Namens, ihres Aussehens oder einfach wegen ihrer Andersartigkeit.

Wo geht Misstrauen gegen Ausländer in Rassismus über?

Dann, wenn wir sagen, dass Leute mit einer anderen Kultur anders ticken als wir. Wenn wir sagen, dass ihre Persönlichkeitsmerkmale auf einem anderen kulturellen Hintergrund basieren und darum würden sie so und so agieren. Ich spreche hier von Kulturalisierung und das ist die kleine Schwester des Rassismus.

Kulturalisierung – das ist ein Ausdruck, den wohl nicht viele Leute kennen.

Kulturalisierung heisst, dass wir einer Kultur bestimmte Merkmale zuschreiben. Also: Die Italiener sind lustig, Menschen aus Afrika sind besonders sportlich, die Asiaten besonders gescheit. Wir weisen bestimmte Kriterien einer Gruppe von Menschen aus einer bestimmten geografischen Zone zu. Ich stelle aber in Abrede, dass diese Kriterien auch wirklich zutreffen. Nur: Wir sind so aufgewachsen.

Bilder aus der Werbung prägen uns.

Bilder aus der Werbung prägen uns, zum Beispiel der wilde und starke Mann neben der zierlichen weissen Frau. Dieser Prägung müssen wir uns bewusst sein.

Man sah kürzlich an einer Haustür im Aargau ein Schild. Ein Mann und eine Frau in islamischer Tracht sind abgebildet und daneben steht: «Wir müssen draussen bleiben». Wie soll man damit umgehen?

Man setzt die Abgebildeten auf diesem Schild mit Hunden gleich und sagt ihnen, sie sollen draussen bleiben. Solche Schilder gab es in der Geschichte schon mehrmals.

Solche Schilder gab es in der Geschichte mehrmals.

Wichtig ist, dass man bei einer Beiz oder einem Laden anklopft und nachfragt, warum die Urheber andere Leute ausschliessen und stigmatisieren wollen. Ich könnte mir vorstellen, dass das etwas ist, dem man strafrechtlich nachgehen könnte.

Das Gespräch führte Stefan Ulrich.

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