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Der Gemeindeammann erklärt, wie seine Gemeinde zum Steuerparadies wurde
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 20.11.2019.
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Aus Geltwil wird Geldwil Das untypische Steuerparadies

Geltwil senkt die Steuern und wird damit wahrscheinlich zur günstigsten Gemeinde im Kanton Aargau.

Steuerparadies: Bei diesem Wort denkt man an die Zürcher Goldküste, an mit Villen überbaute Ufer am Vierwaldstättersee oder zumindest an das landschaftlich verwöhnte Meisterschwanden im Aargauer Seetal. Dörfer, in denen die Schönen und Reichen wohnen. Gemeinden, in denen es mehr Ferrari und Jaguar als Kinder hat.

Ein Steuerparadies ist nun aber auch die Gemeinde Geltwil. Die Gemeindeversammlung hat am Dienstag den Steuerfuss auf sehr tiefe 50 Prozent gesenkt. Das kleine Dorf im Freiamt dürfte damit im kommenden Jahr die steuergünstigste Gemeinde im Aargau sein.

Dabei liegt die Gemeinde mit ihren rund 200 Einwohnern weder an einem See, noch in der Nähe einer Grossstadt. Sie verfügt auch nicht über Spitzenrestaurants oder ein kulturelles Angebot um Reiche anzulocken. Wie also kann es sich Geltwil leisten, ein Steuerparadies zu sein?

«Es gab in den letzten Jahren eine rege Bautätigkeit. Und dazu sind die Infrastrukturkosten tief», erklärt Gemeindeammann Felix Enzler, Milchbauer und Schreiner. Man sei gar nicht besonders sparsam, «wir haben einfach wirklich wenig Infrastruktur. Eigentlich nur ein paar Strassen.»

Ein Dorf (fast) ohne Infrastruktur

Tatsächlich: Geltwil hat seit zwei Jahren keine eigene Schule mehr. Die Kinder gehen nach Buttwil. Geltwil hat keinen Dorfladen, es gab noch nie einen. Eine einzige Beiz im Dorf gibt es, ansonsten besteht das Dorf aus Bauern- und Einfamilienhäusern.

Wer einkaufen oder etwas erleben will, der muss ins benachbarte Muri. Profitiert Geltwil also einfach von der Infrastruktur in der nahen Zentrumsgemeinde? «Das würde ich dementieren», sagt Gemeindeammann Enzler. «Wir leisten unseren Beitrag an die regionale Infrastruktur.» Er werde zwar von anderen Gemeinderäten in der Region benieden um die finanzielle Lage seiner Gemeinde, aber Vorwürfe höre er keine.

Wir wollen keine Reichen anziehen.
Autor: Felix EnzlerGemeindeammann Geltwil (AG)

Geltwil ist also ein sehr untypisches Steuerparadies. Und das soll auch so bleiben. «Wir wollen keine Reichen anlocken», betont Enzler. Es habe in seinem Dorf gar keinen Platz für grosse Villen. «Die Bauland-Ressourcen sind aufgebraucht oder zumindest vergeben.»

Es sei ganz einfach: Der Gemeinde gehe es finanziell gut. Und das wolle man der Bevölkerung zu Gute kommen lassen, so Enzler. Und er fügt an: «Ich habe an der Gemeindeversammlung gesagt, dass es in ein paar Jahren auch wieder anders sein kann.»

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Da tickt offensichtlich der Finanzausgleich unter den Gemeinden nicht richtig!
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  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Es gibt sie also doch, die Gemeindebehörden, die den Steuersatz möglichst tief halten wollen. Die Regel ist doch die, dass das Geld, das Gemeindehörden zur Verfügung gestellt wird, auch ausgegeben wird. Wenn's hierfür keine Notwendigkeit gibt, wird sie geschaffen, was - in grösseren Gemeinden und Städten - dazu führt, das der Leistungskatalog der Gemeindebehörden länger und länger wird, deren 'Spielwiesen' mehr und mehr werden und die Beamtenarmada grösser und grösser wird.
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