Axpo kann im Aargau kaum in neue Energien investieren

Der Badener Energiekonzern Axpo musste im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinnrückgang einstecken. Nun will die Axpo auch mit neuen Energien Geld verdienen. Geothermie und Windkraft bieten sich an. Nur: Die Axpo investiert in Deutschland, im Aargau gibt es praktisch keine Möglichkeiten.

Taufkirch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In Bayern investiert die Axpo viel Geld in ein Geothermie-Projekt in Taufkirch. zvg

Windkraft im Aargau? Bis jetzt ist diese Art von Stromgewinnung kaum vorhanden im Kanton. Im kantonalen Richtplan sind zwar fünf Gebiete festgesetzt, wo Windparks möglich wären. Aber gebaut wird noch lange nicht. Es gibt bis jetzt keine Projekte, nur Abklärungen, wie man Projekte entwickeln könnte.

Und sollte dereinst ein Projekt vorliegen, könnte es eventuell aus politischen Gründen nicht realisiert werden. Im Kanton läuft nämlich eine Unterschriftensammlung für die Volksinitiative «Windkraftmoratorium Aargau». Es sieht so aus, wie wenn diese zustandekommt. Nach der Hälfte der Sammelfrist haben die Initianten schon 2000 beglaubigte Unterschriften. Sollte das Volk die Initiative annehmen, wäre im Aargau die Energiegewinnung aus Windkraft verboten. Für einen Grossinvestor wie die Axpo sind dies also alles andere als klare Rahmenbedingungen.

Beznau Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Axpo muss sich in einem neuen energiepolitischen Umfeld orientieren. Keystone

Auch die Geothermie hat einen schweren Stand. Es gibt zwar den Verein «Geothermische Kraftwerke Aargau» mit dem Ziel, bis 2020 ein erstes geothermisches Kraftwerk gebaut zu haben. Aber ist das ein realistischer Zeitrahmen? Hört man Vereinspräsident Mark Eberhard zu, kommen Zweifel auf: «Man ist daran, ein Projekt in die Planungsphase zu bekommen. Es geht um die Region Brugg unteres Aaretal, damit man dort eine erste Bohrung realisieren könnte. Aber dazu braucht es finanzkräftige Firmen», sagt Eberhard in der Mittagsausgabe des Regionaljournals.

Hohe Investitionen nötig

Ein Investor müsste 80 bis 100 Millionen Franken mitbringen. So viel würde das Projekt in der Region Brugg kosten. Nach den Vorstellungen Eberhards würde man mit dem heissen Wasser aus der Erde nur Wärme produzieren, sprich Fernwärme, die in das schon bestehende Refuna-Netz eingespiesen würde.

Mit dem heissen Wasser liesse sich zwar auch eine Dampfturbine antreiben, die über einen Generator Strom produzieren könnte. Aber dieser Strom wäre derart teuer, dass er kaum verkauft werden könnte. Fachleute rechnen aber damit, dass der Strom noch über Jahre billig bleiben wird. Grund sind die grossen Überschussmengen an Wind- und Sonnenstrom aus Deutschland. Diese Mengen stossen die Deutschen manchmal sogar gratis ab oder bezahlen sogar dafür, wenn man den deutschen Strom übernimmt.

Axpo setzt auf Deutschland

Im Aargau kann die Axpo also kaum in neuartige Energiegewinnung investieren, auch wenn sie wollte. In Deutschland kann sie jedoch im grösserem Stil investieren. Die Axpo besitzt dort einen Viertel des Windparks «Global Tech 1» in der Nordsee. Ab 2014 soll dieses Kraftwerk jährlich 1.4 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen. Und im Januar beginnt in Taufkirchen in Bayern der Bau eines Geothermieprojekts. Die Axpo ist daran mit 35 Prozent beteiligt.

Im Jahresbericht der Axpo steht: «Axpo ist gewillt, ihre Position als grösste Schweizer Produzentin von Energie aus erneuerbaren Quellen weiter auszubauen.» Dass die Axpo in der Schweiz am meisten erneuerbare Energie produziert, ist keine leere Floskel. Aber die grossen Energie-Projekte werden im Ausland realisiert. Ein Windkraftwerk auf dem Lindenberg oder ein Fernwärmeprojekt im unteren Aaretal sind da nicht mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heissen Stein.

Video «Axpo macht weniger Gewinn» abspielen

Axpo macht weniger Gewinn

1:21 min, aus Tagesschau am Mittag vom 18.12.2013