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Kampf für einen fast ausgestorbenen Beruf
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 21.07.2020.
abspielen. Laufzeit 04:04 Minuten.
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Beruf fast ausgestorben Der Retter der Innendekorateure

Jahrelang war unklar, wie es mit dem Beruf «Innendekorateurin und -dekorateur» weitergeht. Die Berufsverbände konnten sich bei der Reform der Ausbildung nicht auf einen gemeinsamen Weg einigen.

Das Problem: Die Westschweizer setzten eher auf traditionelles Handwerk. Sie wollten weiterhin mit Rosshaar und anderen Materialien polstern. Die Deutschschweizer setzten jedoch eher auf moderne Materialien wie Schaumstoff.

Ein Mann zeigt in ein Geschäft
Legende: In seinem Geschäft in Lüterkofen berät Urs Nussbaumer seine Kunden. SRF

Es prallten unterschiedliche Philosophien aufeinander und es gab Streitigkeiten innerhalb des Verbands, die den Reformprozess lähmten. Inzwischen machte das zuständige Bundesamt Druck und drohte, die Ausbildung zu streichen. Denn seit 2003 wurden alle Lehrberufe reformiert. Nur den Innendekorateuren war dies nicht gelungen.

Verschiedene Stoffmuster in einem Gestell.
Legende: Westschweizer setzten auf klassische Materialen. Deutschschweizer auf moderne. SRF

Kurz vor der Streichung ihres Berufs wurden Urs Nussbaumer und sein Berner Kollege Fritz Steffen aktiv. Sie waren in die vorangegangenen Konflikte nicht involviert und wurden beim Bund vorstellig. Dort konnten sie den Ausbildungsstopp schliesslich knapp noch verhindern. Die beiden Innendekorateure schafften es, die Reform durchzuführen. Neu gibt es nun die Lehre «Raumausstatter oder Raumausstatterin EFZ».

Gestell mit unterschiedlichen Böden
Legende: Auch um Böden und Wände kümmern sich Raumausstatter – allerdings nicht um alle Materialien. SRF

«Der Beruf Raumaustatter hat die textile Kompetenz, was den Boden, die Wände, die Decke und die Möbel anbelangt», erklärt Urs Nussbaumer. Die Definition der neuen Ausbildung sei nicht ganz einfach gewesen. So musste beispielsweise darauf geachtet werden, dass man bei den Bodenbelägen nicht dasselbe ausbildet wie der Bodenbelagsverband. Man hat sich nun eben darauf geeinigt, dass Raumausstatterinnen nur textile Böden verlegen.

Ein Sofa mit Kissen
Legende: Möbel sind auch ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. SRF

Ab August machen nun 27 Lernende die Ausbildung zur Raumausstatterin oder zum Raumausstatter. Das nationale Ausbildungszentrum befindet sich in Selzach. Der Konflikt mit den Westschweizer Kollegen scheint definitiv beigelegt. Denn es lassen sich auch Lehrlinge aus der Westschweiz in Solothurn ausbilden.

Urs Nussbaumer freut sich, dass es die Ausbildung weiterhin gibt: «Sonst wäre all unser Wissen in 10 bis 20 Jahren verschwunden gewesen und unser Beruf ausgestorben.»

Regionaljournal Aargau Solothurn;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Robert Frei  (RFrei)
    Der Bericht zeigt wieder mal den missglückten Versuch einer korrekten Genderisierung der Berufe. Man spricht hier zwar von "Lernenden" aber dann von der"Ausbildung zur Raumausstatterin oder zum Raumausstatter". Warum nicht gleich "Ausbildung zu Raumausstattenden"? Meine Güte, wieso kann man es nicht bei "Lehrlingen" und "Raumausstattern" lassen, wobei man ja bei der genauen Berufsdefinition sagen kann, dass hier Männchen und Weibchen und auch weder noch oder sonst was eingeschlossen sind?
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  • Kommentar von Lorenzo Ciliberto  (Lavrentius)
    Die angelsächsisch/deutsche (Protestanten) Welt, will alles schnell und billig, auch das Essen. Die Lateiner wollen Qualität. So ist das leider.
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    1. Antwort von Nadine Müller  (Nadine Müller)
      Man kann es auch so sehen, dass in anderen Regionen eher eine Rückständigkeit betreffend dem Qualitätsempfinden gepflegt wird. Als Qualität wird empfunden, was teuer ist und man traditionell verwendete. So gibt es z.B. eine Vorliebe für tierische Produkte, die gerne auch mal aus tierquälerischer Quelle stammen. In den deutsch und englischsprachigen Gebieten lässt man dies langsam hinter sich und greift gerne auf moderne hochwertige Materialien zurück.
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