Coworking in Solothurn: Die Vorteile eines «fremden» Büros

Ganz früher nannte man das Bürogemeinschaft – heute ist es Coworking: Mehrere Personen und Firmen teilen sich dasselbe Büro. Während sich früher aber alle Beteiligten kannten, ist das heute nicht mehr nötig. Und noch etwas hat sich verändert: Immer mehr grosse Firmen nutzen das Angebot.

Für 150 Franken pro Monat einen Tag pro Woche einen möblierten Arbeitsplatz benützen. Plus Internet-Netzwerk, Drucker und Kaffeemaschine. Und das zu jeder Tages- und Nachtzeit, dank eigenem Schlüssel. Oder für 550 Franken im Monat einen fixen Arbeitsplatz mieten, plus Benützung eines Regals und des Sitzungszimmers. Was allerdings zwangsläufig auch dazu gehört: Bürokollegen, die man nicht kennt und mit denen man den Raum und womöglich den dazugehörigen Lärm teilt. Das ist Coworking, erklärt am Beispiel in Solothurn.

Übergangslösung oder mehr

In der Fabrik der ehemaligen Solothurner Schraubenfabrik Loreto sitzt Raphael Waber an einem von zwölf Arbeitsplätzen. Die umgebaute Fabrik ist jetzt ein Coworking Space, einer von gut 60 in der Schweiz. Seit knapp zwei Jahren gibt es den Solothurner «Space», den Raum mit den Arbeitsplätzen. Waber ist seit Beginn mit dabei. Er ist Geschäftsführer der Swiss Shrimp AG. Diese hatte ihren Sitz auf dem Borregaard-Areal in Luterbach, bis dieses umgenutzt wurde. Das neue Zuhause in Rheinfelden ist noch nicht bereit. Die Schraubenfabrik als Übergangslösung – oder gar als definitive Lösung?

«Vielleicht bleibe ich hier, auch wenn der Firmensitz in Rheinfelden fertig ist», sagt Waber im Interview mit Radio SRF. Der Platz biete ihm alles, was er brauche, und sogar noch mehr. Einen A3-Farbdrucker hätte er wohl nicht gekauft. Hier gehöre das einfach dazu, und er benutze den Drucker. Zudem befindet sich einen Stock tiefer ein Sitzungszimmer. Und: Waber wohnt bald in Oberdorf bei Solothurn. Deshalb überlegt er sich: «Wozu jeden Tag nach Rheinfelden pendeln, wenn ich einen Tag von Solothurn aus arbeiten kann?»

Weniger Pendeln

Mit diesem Hintergedanken wollen die Betreiber des Coworking Space Solothurn auch andere Firmen anlocken, besonders grössere. Ein Beispiel: Wer als IT-Spezialist einer grossen Firma in Solothurn wohnt und täglich nach Zürich, Basel oder gar Genf pendeln muss, sucht vielleicht Alternativen. «So ein Arbeitsplatz führt zu weniger Pendlerstress und mehr Lebensqualität und Zeit für die Familie», erklärt Andreas Renggli. Er ist einer der beiden Betreiber des Coworking Space Solothurn.

Renggli arbeitet mit Jörg Bruppbacher zusammen in der alten Schraubenfabrik, beide haben jeweils eine eigene Kommunikations- bzw. Marketingagentur. Gleichzeitig sind sie aber auch Co-Leiter des «Space». Sie sind dafür besorgt, dass möglichst viele Arbeitsplätze besetzt sind. «Aktuell sind etwa 80 Prozent der Arbeitsplätze belegt», so Renggli. Gleich zu Beginn im Jahr 2015 sei der Andrang gross gewesen. Danach habe sich die Nachfrage etwas gelegt und jetzt sei die Auslastung wiederum hoch, erklärt Co-Leiter Renggli.