«Das Gefängnis Lenzburg ist und bleibt ein Exot»

Das Gefängnis Lenzburg feiert einen runden Geburtstag. Es wird 150 Jahre alt. Bei seiner Eröffnung war es das modernste Gefängnis von Europa. Das Museum Burghalde widmet dem Gefängnis und seiner Geschichte eine Ausstellung.

1855 brannte das Zuchthaus Baden ab. Ein neues Gefängnis musste her. Zehn Jahre später war es soweit: Das Gefängnis Lenzburg eröffnete am 22. August 1864. Es war die modernste Strafanstalt von ganz Europa.

Modern war die Strafanstalt aus verschiedenen Gründen. Modern war etwa die Architektur. Des Gefängnis trägt den Übernahmen «Fünfstern», es ist strahlenförmig angelegt. Auch das Vollzugsystem war modern. Damals waren Massenschlafräume für bis zu 50 Häftlinge üblich. In Lenzburg setzte man stattdessen auf Einzelhaft, also ein Häftling pro Zelle.

Weltkriege stellen Gefängnis vor Probleme

Jennifer Degen, Ausstellungskuratorin im Museum Burghalde, sagt, der erste Gefängnisdirektor in Lenzburg sei ein Pionier gewesen: «Gefängnisdirektor Johann Rudolf Müller setzte auf Erziehung statt Bestrafung». Neu schickte man die Häftlinge in die Schule. Ausserdem arbeiteten sie fortan in Werkstätten innerhalb des Gefängnisses und wurden nicht mehr im Strassenbau eingesetzt.

Das Gefängnis nachhaltig geprägt hätten auch die beiden Weltkriege, weiss die Ausstellungskuratorin. «Im ersten Weltkrieg war das Gefängnis sehr voll, auch mit Kriegsgefangenen, und die Nahrungsmittel wurden knapp». Nach dem ersten Weltkrieg sei der Strafanstalt deshalb ein Landwirtschaftsbetrieb angegliedert worden. «Im zweiten Weltkrieg gab es deshalb genug Nahrung».

Häftlinge durften früher nicht miteinander reden

Auch die 68er-Generation beschäftigte das Gefängnis Lenzburg. «Der Strafvollzug war damals lasch, bald gab es grosse Probleme mit Drogenkonsum und Aids». Die Häftlinge durften ihre Zellen häuslich einrichten, weshalb sie jede Menge Verstecke hatten für Drogen. In den 80er Jahren wurde der Strafvollzug wieder verschärft.

Gemäss Marcel Ruf, dem aktuellen Gefängnisdirektor, ist der heutige Strafvollzug im Grossen und Ganzen ähnlich wie vor 150 Jahren. «Der grösste Unterschied ist sicherlich, dass es kein Schweigegebot mehr gibt, die Häftlinge dürfen heute untereinander reden». Auch äusserlich habe sich das Gefängnis nicht gross verändert.

Zellen werden nicht grösser, aber besser

«Ich bin immer noch von der Architektur, dem Fünfstern, überzeugt», so Ruf. Das Gebäude sei allerdings nicht mehr ganz zeitgemäss. Der Kanton Aargau saniert momentan das gesamte Gefängnis für über 40 Millionen Franken. Zum Beispiel werden die Zellen modernisiert.

Die Zellen bleiben mit 7,6 Quadratmeter zwar klein im schweizweiten Vergleich, erhalten aber warmes Wasser und ein besseres Fenster. Heute ist das Fenster so weit oben, dass die Häftlinge lediglich den Himmel sehen, und nicht die Landschaft draussen. «Vom Baustil her ist und bleibt das Gefängnis Lenzburg in der Schweiz ein Exot».