Solothurner Wahlen 2017 «Das politische Potential unter den Jugendlichen ist riesig»

Junge Wählerinnen und Wähler an die Urne bringen: Das versucht Easyvote, ein Projekt der Jugendparlamente. In Solothurn diskutierten in diesem Rahmen Jungpolitiker an der Berufsfachschule. Es zeigt sich: Junge haben eine eigene Meinung zu politischen Themen – vor allem, wenn sie betroffen sind.

Das Vorurteil einer nicht an Politik interessierten Jugend bestätigt sich am «Polittalk» von Easyvote nicht. 150 Berufsschülerinnen und -schüler besuchten anstatt den Unterricht die Veranstaltung, hörten den sieben Jungpolitikern zu und diskutierten mit ihnen.

«Mit Themen für Junge hoffen wir, dass sie «anbeissen» und beginnen, sich für Politik zu interessieren.»

Joël Müller, JCVP

Obwohl noch nicht alle der Jugendlichen abstimmen dürfen, haben sich viele bereits eine Meinung zu verschiedenen Themen gebildet. Flüchtlinge, ausländische Arbeitskräfte oder Einbürgerung werden diskutiert. In der Diskussion wird klar: Je stärker sich die Jungen von einem Thema betroffen fühlen, desto stärker interessieren sie sich dafür und haben eine pointierte Meinung dazu.

«Bei den meisten muss man wohl das politische Interesse wecken.»

Lara Frey, JUSO

Eine aktuelle Studie belege, dass vor allem aktuelle politische Themen bewegten, wie etwa im Moment die Flüchtlingskrise, so Easyvote-Bereichsleiter Flavio Bundi.

«Die junge Generation hat andere Probleme als die ältere. Und diese müssen wir als Jungpartei vertreten.»

Andreas Rippstein, GLP

Es zeigt sich aber auch: Viele junge Stimmbürgerinnen und Stimmbürger fühlen sich durch traditionelle Kanäle wie die Abstimmungsbroschüre zu wenig informiert. Die Erklärungen seien zu kompliziert, wird kritisiert. Um sich zu informieren, nutzen sie deshalb unter anderem die Plattform von Easyvote. In kurzen Videos werden dort Abstimmungsthemen auf einfache Art erklärt.

«Mit Easyvote sollte es für alle möglich sein, sich in fünf Minuten zu informieren.»

Lukas Lohn, Jungfreisinnige

Um Jugendlichen die Politik näher zu bringen, veranstaltet Easyvote Gespräche mit Jungpolitikern wie in Solothurn. Rund 3500 Solothurner Jugendliche erhalten zudem vor den Kantons- und Regierungsratswahlen eine Broschüre zugeschickt, in welcher der gesamte Wahlprozess erklärt wird.

«Wichtig ist der Umgangston. Wenn man sich wie in der Arena den Kopf einschlägt, kommt das bei Jungen nicht gut an.»

Elia Leiser, EVP

Neu stellt Easyvote Lehrerinnen und Lehrern Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Diese können sie im Internet herunterladen und in ihrem Unterricht einsetzen. Dazu gehören Videos und Arbeitsblätter. Das Ziel: Die Stimm- und Wahlbeteiligung unter den 18- bis 25-Jährigen erhöhen. Momentan liegt sie bei rund einem Drittel.

Sieben junge Politiker. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Diese sieben Solothurner Jungpolitiker diskutierten mit. (v.l. EVP, JUSO, GLP, junge Grüne, JCVP, Jungfreisinnige, JSVP) ZVG/EASYVOTE

Das Potential junger Stimmbürger sei riesig, findet Flavio Bundi von Easyvote. Das habe sich auch an der Solothurner Veranstaltung gezeigt, bei der den Jungpolitikern auch kritische Fragen gestellt wurden.

«Es ist die Aufgabe der Jungparteien, den Jungen ihre Positionen näher zu bringen.»

Pascal Käser, JSVP

Einen Beitrag leisten wollen auch die Jungparteien. Mit Informationen in sozialen Medien wie etwa Facebook erreiche man junge Menschen meistens besser als mit Inseraten oder Plakaten, sind sich die sieben Vertreter der Solothurner Jungparteien einig.

«Abstimmen: Ja. Bei einer Jungpartei mitmachen: Eher nein.»

Thomas McAlavey, junge Grüne

Dennoch zeigt sich auch bei Jungparteien ein ähnliches Bild wie bei ihren Mutterparteien. Wählerinnen und Wähler zum Abstimmen motivieren funktioniert besser, als neue Parteimitglieder zu gewinnen.