Kultur Baden Das «Royal» geht auf die Strasse und in die Politik

Das Kulturlokal soll zum Baubüro werden. Dagegen regt sich breiter Widerstand. Der Stadtrat ist unter Druck.

7000 Unterschriften in einer Stadt, die knapp 20'000 Einwohner hat. Hunderte von Teilnehmern an einer Demonstration. Und ein parlamentarischer Vorstoss, der von allen Parteien unterschrieben ist. Das sind deutliche Zeichen dafür, dass ein Thema bewegt.

Dieses Thema ist in Baden momentan das Kulturlokal Royal. Im Mai teilte die Stadt mit, dass der Mietvertrag für das «Royal» um ein halbes Jahr verlängert werden konnte bis Ende 2017. Sie teilte aber auch mit, dass das Lokal ab 2018 als Baubüro genutzt werde.

«  Die Innenstadt von Baden wird zur kulturellen Wüste. »

Andreas Rudow
Komitee zum Erhalt des «Royals»

Und hier lag der Hase im Pfeffer. Ein ziemlich abruptes Ende für einen breit abgestützten und gut laufenden Kulturbetrieb? Das wollte vielen nicht in den Kopf, vor allem nicht den Mitgliedern von «Baden ist Royal», dem Komitee, das sich den Erhalt des Gebäudes und die Weiterführung des Kulturbetriebs auf die Fahnen geschrieben hat.

«Wenn man schaut, was in der Innenstadt passiert, dann sieht man Nailstudios und Reisebüro. Der innerstädtische Raum wird kulturell gesehen langsam zu einer Wüste», sagt Andreas Rudow vom Komitee.

Private Pläne und öffentliches Interesse

Grund für seinen Ärger: Er hat den Eindruck, die Stadt setze sich zu wenig für das «Royal» ein. Dieses gehört nämlich nicht der Stadt, sondern einer Immobilienfirma. Diese hat es vor einigen Jahren dem Badener Kinobetreiber Peter Sterk abgekauft. Der Firma gehören auch alle anderen Gebäude rund um das «Royal», insbesondere die Hauptpost mit dem Erweiterungsbau und der Bushof für die Postautos.

Offenbar gibt es Pläne für einen grösseren Umbau des Areals. Von einer «Revitalisierung» ist die Rede, von einer Art Shopping-Center. Im Zuge der geplanten baulichen Veränderung will die Bauherrin das «Royal» als Baubüro brauchen. Die Firma sagt auf Anfrage von Radio SRF momentan nichts zu ihren Plänen. Der Rechtsvertreter weist darauf hin, dass das Baugesuch schon bald eingereicht werde. Vielleicht werde dann jemand Stellung nehmen zum Bauprojekt und zur Zukunft des «Royals».

Das Unterstützungskomitee für das «Royal» verlangt vom Stadtrat, dass er eine kulturelle Nutzung des Lokals zum öffentlichen Interesse erkläre. Dieses sei höher zu gewichten als die privaten Pläne der Besitzerin. Am Schluss wolle man eine «Win-Win-Situation» sagt Andreas Rudow. Eine kulturelle Nutzung mache das Areal attraktiv, die Wertschöpfung sei höher und deshalb nütze der Weiterbetrieb des «Royals» der Stadt wie auch der Besitzerin.

Parteiübergreifendes Postulat

Diese Argumentation überzeugt offenbar auch einige Politikerinnen und Politiker. Einwohnerräte von allen Parteien haben Anfang Woche ein dringliches Postulat eingereicht. Sollte es vom Parlament überwiesen werden, müsste der Stadtrat prüfen, wie das «Royal» weiter betrieben werden könne. Auch ein Kauf durch die Stadt sei zu prüfen.

Zuständig für die Kultur ist in Baden Stadtrat Erich Obrist. Das Dossier «Royal» liegt ihm am Herzen. Es sei ein sehr wichtiger Ort für Baden. Deshalb wolle der Stadtrat alles in seiner Macht stehende tun, um den Weiterbetrieb zu ermöglichen.

«  Wir wollen am «Royal» festhalten und machen alles Mögliche, um weiterzukommen. »

Erich Obrist
Stadtrat Baden

Allerdings sei die Situation ungemütlich, gibt Obrist zu. Denn wenn das Royal tatsächlich schliessen müsste, hätte der Stadtrat Ärger am Hals aus Kulturkreisen. Ärger hätte er aber auch am Hals, wenn die Areal-Besitzerin das Handtuch werfen würde, als Reaktion darauf, dass der Stadtrat zu viele Forderungen stellen und zu viele Auflagen machen sollte.