Bluttat von Rupperswil Der Zusammenhalt im Dorf ist stärker geworden

Am 21. Dezember 2015 löschte ein Mann in Rupperswil das Leben von vier Menschen aus. Die Tat versetzte die Gemeinde in einen Ausnahmezustand. Ein Jahr nach dem schrecklichen Ereignis erinnert sich Gemeindeammann Ruedi Hediger und sieht auch Positives.

Ruedi Hediger erfuhr auf der Skipiste von seinem Gemeindeschreiber, dass in seiner Gemeinde etwas Aussergewöhnliches passiert sei. Einen Tag später fuhr er zurück und war Ansprechpartner für die Polizei und die Medienleute.

Es war eine hektische Zeit: «Ich wurde oft von Medien kontaktiert. Auch während der Weihnachtszeit wurde ich immer wieder von der Polizei angerufen und stellte Kontakte her», erzählt Hediger im Gespräch mit SRF.

Vom Militär profitiert

Es sei keine einfache Zeit gewesen, sagt Ruedi Hediger heute. Er konnte jedoch von seinen militärischen Erfahrungen profitieren: «Ich konnte meine Arbeit sachlich und strukturiert erledigen und die Emotionen beiseite schieben, sonst wäre es schwierig geworden».

Gemeindeammann Ruedi Hediger im Portrait Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gemeindeammann Ruedi Hediger war nach der Tat von Rupperswil stark gefordert. Keystone

Nach der Tat gab es in der Bevölkerung viele Zweifel, ob der Täter überhaupt je gefasst würde. Der Gemeindeammann war jedoch immer zuversichtlich. Er hatte Vertrauen in die Polizeiarbeit: «Ich war sehr beeindruckt, mit welcher Akribie die Polizei gearbeitet hat.» So versuchte Hediger immer Optimismus zu verbreiten.

Schock, als der Täter gefasst wurde

Am 12. Mai wurde der Täter schliesslich gefasst. Das war ein weiterer Schlag für die Gemeinde: «Das war ein Schock. Wir haben immer gehofft, dass es nicht jemand aus dem eigenen Dorf ist», sagt Hediger.

Auch die ganzen Tatumstände und das mögliche Motiv machten den Gemeindeammann betroffen.

Hochachtung vor Feuerwehr

Bewundernswert ist für Ruedi Hediger der Einsatz der Feuerwehrleute. Sie haben aufgrund des Schadenbilds schnell gemerkt, dass hier ein Tötungsdelikt stattgefunden hat.

«Ich habe grosse Hochachtung wie diese jungen Männer diese Details für sich behalten konnten.» Die Feuerwehrleute haben sich nach diesem Ereignis immer wieder getroffen, um diese Erinnerungen zu verarbeiten.

«Der Mensch kann vergessen»

In Rupperswil geht das Leben nun weiter. Hediger ist überzeugt, dass die Zeit Wunden heilt: «Der Mensch kann vergessen. Mit neuen Erlebnissen und Geschichten kann man sich langsam von der Vergangenheit distanzieren.»

Spätestens am Prozess wird Rupperswil allerdings wieder von der Vergangenheit eingeholt werden. Ob Ruedi Hediger dort als Zuschauer teilnehmen wird, weiss er noch nicht.