Abstimmung über Energiegesetz Deshalb stimmten die AKW-Standorte verschieden

Seit Sonntag ist klar: die Schweiz steigt aus der Atomkraft aus. In den Kantonen Aargau und Solothurn blickte man besonders gespannt auf die Abstimmung, sind hier doch vier von fünf AKW beheimatet. Die Standortbezirke haben die Vorlage denn auch abgelehnt - aber doch stark unterschiedlich gestimmt.

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Eidg. Vorlage: Energiegesetz (EnG)

JA-Stimmen absolut: (1'321'947 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (949'169 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 58.2%
NEIN-Stimmen relativ: 41.8%
Auflistung der Abstimmungsresultate dieser Vorlage nach Kantonen
Kanton Ja-Stimmen Prozentual Nein-Stimmen Prozentual Ja-Stimmen Absolut Nein-Stimmen Absolut
Aargau 48.2% 51.8% 85056 91280
Appenzell Ausserrhoden 53.8% 46.2% 9323 7991
Appenzell Innerrhoden 56% 44% 2303 1809
Basel-Landschaft 53.4% 46.6% 42251 36891
Basel-Stadt 63.4% 36.6% 34995 20160
Bern 55.5% 44.5% 166071 132930
Freiburg 63.2% 36.8% 48468 28258
Genf 72.5% 27.5% 79311 30013
Glarus 43.7% 56.3% 4119 5300
Graubünden 58.7% 41.3% 30963 21748
Jura 62.7% 37.3% 12304 7312
Luzern 58.5% 41.5% 72209 51319
Neuenburg 69.6% 30.4% 29884 13048
Nidwalden 50.6% 49.4% 6983 6826
Obwalden 49.8% 50.2% 6364 6415
Schaffhausen 51.2% 48.8% 16251 15506
Schwyz 44.2% 55.8% 21452 27077
Solothurn 50.6% 49.4% 38976 38072
St. Gallen 52.2% 47.8% 68346 62523
Tessin 56.7% 43.3% 51831 39515
Thurgau 51.4% 48.6% 33955 32116
Uri 51.7% 48.3% 5128 4787
Waadt 73.5% 26.5% 137451 49514
Wallis 63.4% 36.6% 57831 33414
Zug 53.8% 46.2% 19139 16407
Zürich 58.8% 41.2% 240983 168938

Endresultat

JA-Stimmen absolut: (1'321'947 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (949'169 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 58.2%
NEIN-Stimmen relativ: 41.8%
  • Bezirk:
    JA-Stimmen: (1'321'947 Stimmen)
    NEIN-Stimmen: (949'169 Stimmen)
Bezirksresultate verbergen Bezirksresultate anzeigen Auf / Zuklappen

Rund 58 Prozent der Schweizer Stimmenden haben am Sonntag das neue Energiegesetz des Bundes gutgeheissen. Das Gesetz, das den Bau neuer AKW nicht mehr zulässt. Das Gesetz, das erneuerbare Energien fördert.

Während der Aargau die Vorlage mit einer Mehrheit von 51,8 Prozent abgelehnt hat, war der Kanton Solothurn mit 50,6 Prozent ganz knapp dafür.

Auffällig sind die Resultate in den Bezirken mit AKW:

  • Zurzibiet im Aargau (AKW Leibstadt, Beznau 1, Beznau 2): Nur gerade knapp 34 Prozent nahmen hier die Vorlage an.
  • Bezirk Olten (AKW Gösgen): 49,7 Prozent der Stimmenden legten hier ein Ja in die Urne.

Stellt sich die Frage: Weshalb wehrte sich das Zurzibiet viel stärker gegen den Atomausstieg als das Niederamt? Beide Regionen haben AKWs, in beiden Regionen hängen viele Arbeitsplätze an der Atomkraft (ungefähr 1000 Arbeitsplätze bieten die drei AKWs im Zurzibiet, rund 500 bietet das AKW Gösgen).

AKW-Turm mit Wolke, davor Häuser. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Anwohner des AKW Gösgen haben das Energiegesetz nur hauchdünn abgelehnt. Keystone

«  Im Zurzibiet gibt es wenig Alternativen. »

Peter Andres
Wirtschaftsforum Zurzibiet

Die Erklärung: Auch Peter Andres, Geschäftsführer des Wirtschaftforums Zurzibiet, hat sich am Tag nach der Abstimmung mit dieser Frage auseinandergesetzt. Er sagt im Gespräch mit SRF:

  • Respekt vor einer Zukunft ohne AKWs ist im Zurzibiet wohl grösser als im Niederamt, wegen der vielen Arbeitsplätze, die mit der Atomkraft verknüpft sind.
  • Gewerbefächer ist im Zurzibiet zwar breit, für die spezialisierten Beschäftigen in den AKWs gibt es aber zu wenig Alternativen in dieser Region.
  • Viele andere kleine Betriebe im Zurzibiet – wie beispielsweise Handwerksbetriebe – profitieren ebenfalls stark von Aufträgen aus den AKWs, ohne diese Aufträge haben sie es schwieriger.
  • Zurzibiet ist eine Randregion, strukturschwach, Niederamt ist zentral gelegen im Mittelland, hier bieten sich den Arbeitnehmenden und dem Gewerbe mehr Alternativen.

Der Plan B der Aargauer: Der Atomausstieg kommt für das Zurzibiet natürlich aber nicht aus heiterem Himmel. Die Region ist schon länger darum bemüht, Alternativen zu finden, um den künftigen Wegfall der AKWs wirtschaftlich zu kompensieren.

Die Region setzt auf eine Zusammenarbeit mit dem Paul Scherrer Institut, dem Park Innovare und dem Hightech Zentrum Aargau. «Wir hoffen, dass diese Institute Firmen in das Zurzibiet locken», sagt Wirtschaftsförderer Peter Andres.