Deutliche Zunahme der Ergänzungsleistungs-Bezüger

Immer mehr AHV- und IV-Rentner sind in den Kanton Aargau und Solothurn auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Im Aargau stieg die Anzahl um 50 Prozent innerhalb von zehn Jahren, im Kanton Solothurn um 40 Prozent. Dafür gibt es einen Hauptgrund.

Der demografische Wandel lässt die Renten-Einkommen schmelzen. Es gibt immer mehr ältere Menschen, und die Lebenserwartung steigt. Dazu komme, dass nun die «Baby-Boomer» ins Rentenalter kämen, also die geburtenstarken Jahrgänge, sagt Felix Wegmüller, Leiter der Ausgleichskasse des Kantons Solothurn gegenüber Radio SRF.

Rentner leben nicht auf zu grossem Fuss

Primär problematisch seien die Heimkosten. Wenn ältere Menschen in ein Alters – oder Pflegeheim müssten, koste sie das bald einmal 60'000 bis 70'000 Franken im Jahr. Es wäre deutlich günstiger, die Senioren zu Hause zu betreuen. Mit Spitex, mit Familie und Bekannten. «In der heutigen Zeit ist die Betreuung zu Hause nicht mehr so üblich», stellt Wegmüller fest.

Hand mit offener brauner Geldbörse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Menschen sind heute besser über das Thema Ergänzungsleistungen informiert. Keystone

Das bestätigt Patricia Klein von der Pro Senectute Fachstelle des Kantons Solothurn. Die Heimkosten seien das häufigste Thema in den Beratungsgesprächen der Pro Senectute. Hinzu kämen weitere Posten im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung wie zum Beispiel ambulante Pflege- und Betreuungskosten.

In den meisten Fällen seien nicht die Rentner Schuld, dass ihr Konto leer sei, heisst es bei Pro Senectute und auch bei der Ausgleichskasse. Es sei nicht so, dass die älteren Menschen ihr Geld aus dem Fenster werfen würden. Das geschehe nur in Einzelfällen.

Ergänzungsleistung hatte falsches Image

Patricia Klein von der Solothurner Pro Senectute nennt einen weiteren möglichen Grund für die starke Zunahme der Ergänzungsleistungs-Bezüger: Aufklärung. Früher hätten viele gedacht, Ergänzungsleistungen seien Almosen, eine Art Sozialhilfe. Viele Rentner hätten deshalb aus Scham darauf verzichtet.

«Wir haben viel Aufklärungsarbeit betrieben in den vergangenen Jahren, das Bild der Ergänzungsleistung hat sich gewandelt», sagt Patricia Klein. Hinzu komme, dass auch falsche Informationen in den Köpfen der Rentner gewesen seien. Viele dachten zum Beispiel, wer ein Haus besitzt, der habe grundsätzlich keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Das sei falsch.

Nun wüssten die Rentner besser Bescheid, und meldeten sich deshalb wohl eher an für Ergänzungsleistungen, glaubt Patricia Klein. Sie ist auch davon überzeugt, dass künftig noch mehr Rentner Ergänzungsleistungen beziehen werden. Diesen Eindruck bestätigen die Schätzungen der kantonalen Ausgleichskasse.

«Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der Ergänzungsleistungs-Bezüger weiter jährlich um 2 bis 4 Prozent steigen wird in den nächsten 10 Jahren», sagt Ausgleichskassen-Leiter Felix Wegmüller. Dagegen tun könne man nichts, den demografischen Wandel könne man schliesslich nicht beeinflussen. Die Ausgleichskasse müsse deshalb wohl mehr Personal anstellen.

Vergleich unter den Kantonen schwierig

Im Kanton Aargau nahmen die Ergänzungsleistungsfälle in den letzten 10 Jahren um 50 Prozent zu, heisst es beim Aargauer Sozialdienst auf Anfrage von Radio SRF. Konkret werden per Ende Jahr 18'299 Frauen und Männer Ergänzungsleistungen beziehen. Im Kanton Solothurn liegt die Zunahme bei 40 Prozent

Allerdings lassen sich die Zahlen nicht direkt miteinander vergleichen, da jeder Kanton sein eigenes Rechnungsmodell einsetzt. So ist beispielsweise die Finanzierung der Pflegekosten unterschiedlich geregelt und je nach Kanton variiert die Kostenbeteiligung der Rentnerinnen und Rentner.

Im Kanton Solothurn muss jedes Jahr ein Fünftel des eigenen Vermögens aufgebraucht werden, bevor Ergänzungsleistungen ausbezahlt werden, im Aargau ist es ein Zehntel. Allerdings will die Aargauer Regierung dies nun ändern.