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Deutliche Zunahme Schweizer Gemüse kommt immer mehr aus dem Gewächshaus

In Birmenstorf AG sollen über 13 Hektaren Landwirtschaftsland umgezont werden. Das ist eine Fläche so gross wie 18 Fussballfelder. Wo heute Gemüse unter freiem Himmel wächst, sollen künftig Gewächshäuser errichtet werden.

Birmenstorf ist kein Einzelfall. Schweizweit gibt es immer mehr Gewächshäuser. Christophe Carlen, Agrarwissenschaftler bei Agroscope, dem Forschungszentrum des Bundes für die Landwirtschaft, sieht viele Vorteile.

SRF News: In Birmenstorf soll die Fläche für Gewächshäuser um über 13 Hektaren vergrössert werden. Wie ist das andernorts, Christoph Carlen?

Christophe Carlen: Die Fläche mit Gewächshäusern hat in der Schweiz in den letzten 10 Jahren um 30 Prozent zugenommen. Derzeit haben wir 450 Hektaren Gewächshäuser in der Schweiz. Und die Tendenz ist weiter steigend. Es gibt grosse Projekte im Seeland, im Wallis, in Genf und eben auch im Aargau.

Was sind die Vorteile von Gewächshäusern?

Die Pflanzen sind geschützt vor der Witterung. Dadurch ist das Wachstum viel regelmässiger und die Wachstumsdauer viel länger. Wenn es im Freien kalt ist, kann man mittels Heizen die Vegetationsperiode verlängern. Und der Ertrag ist viel höher, bei Tomaten oder Salat sechs- bis siebenmal höher.

Tomatenanbau in Gewächshaus
Legende: Diese Tomaten bei Yverdon (VD) wachsen nicht in natürlichem Boden. Keystone

Braucht es auch weniger Pestizide, wenn die Pflanzen nicht unter freiem Himmel wachsen?

Ja, es braucht weniger Pestizide, weil die Blätter nie nass werden und sich keine Krankheiten darauf entwickeln können. Zudem muss man auch kein Unkraut bekämpfen in Gewächshäusern, weil die Kulturen in Substrat angebaut werden oder der Boden mit einer Plastikfolie abgedeckt wird. Überdies braucht es im Gewächshaus weniger Wasser. Wird zu viel Wasser gegeben, bleibt es im Kreislauf und wird rezykliert.

Wo sehen Sie die Nachteile von Gewächshäusern?

Nachteile sind die hohen Installationskosten und der Energieverbrauch. Wobei es beim Energieverbrauch in den letzten Jahren grosse Fortschritte gab. Heute sind die Gläser viel besser isoliert als vor 20 Jahren.

Gewächshäuser
Legende: Gewächshaus für Gurken und Bio-Traubentomaten in Steinmaur (ZH). Keystone

Ist der Landverbrauch auch ein Nachteil? Für den Bau von Gewächshäusern muss der Boden zum Teil betoniert werden, was Ackerland zerstört.

Das ist ein wichtiges Thema, vor allem auch für die Raumplanung. Wenn man beim Aufstellen von Gewächshäusern Vorsichtsmassnahmen befolgt, ist allerdings gewährleistet, dass der Boden erhalten bleibt, auch wenn das Gewächshaus später wieder entfernt wird. Darauf wird heute grosser Wert gelegt.

Das Gespräch führte Andreas Brandt.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Gewächshäuser statt Ackerland: Landschaftlich, raumplanerisch, volkswirtschaftlich und energiemässig unsinnig! Gewächshäuser sind landschaftlich wahrlich keine Augenweide. Falls sie einmal aufgegeben werden, stehen sie für Neueinzonungen in die Bauzone an erster Stelle, ob sinnvoll oder nicht. Der Gemüsebau ist einer der wenigen Branchen mit Ausfuhrpotenzial unserer südlichen Nachbarländer. Ein Vergleich beim totalen Energieeinsatz spricht ebenfalls für den Import von Gemüse.
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  • Kommentar von Oswald Daniel (dani 1)
    Die Gemüse Zukunft liegt eindeutig unter einer Folie, Tunnel. Ich habe vor 15 Jahren ein Tunnel gekauft, noch nie die Folie ersetzt, trotz zum Teil einem Meter Schnee auf dem Tunnel, ein fantastisches Produkt. Der Ertrag ist deutlich höher, die Wachstumsdauer fast 2 Monate länger. Auch können die Insekten ferngehalten werden. Alles ganz ohne Chemie. Zur Zeit schichte ich ca 15 cm Heu auf die Beete: weniger Wasserverbrauch, nie jäten, die Würmer haben was sie mögen. Kaum Dünger. Gentech: unnötig
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