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Aargau Solothurn Deutsche Kindergarten-Lehrerinnen müssen wohl in Mundart-Kurse

Das Aargauer Stimmvolk hat entschieden: In den Aargauer Kindergärten darf nur noch Mundart gesprochen werden. Nach dem überraschenden Volksentscheid zeigen sich die Initianten hoch erfreut. Und die Gegner sagen, dass deswegen «keine Welt zusammen bricht».

Blick in einen Kindergarten-Raum
Legende: Das Hochdeutsch-Verbot in den Aargauer Kindergärten sorgt für neue Fragen: Wie setzt man das um? Keystone

Christoph Riner freut sich. Der SVP-Grossrat hat die Mundart-Initiative der Schweizer Demokraten zusammen mit einem kleinen Komitee fast im Alleingang zum Erfolg geführt. «Wir haben keine 500 Franken in den Abstimmungskampf investiert, dafür aber viel persönliches Herzblut», sagt der Politiker gegenüber Radio SRF. Dabei setzte sich Riner und sein Team gegen praktisch alle Parteien, die Regierung und die Parlamentsmehrheit durch.

«Kein pädagogischer Entscheid»

Die Analyse des Abstimmungsresultats fällt kurz aus: «Die Aargauer wollten die Mundart stärken. Der Aargau ist eben doch noch bodenständig», sagt Riner. Diese Analyse teilt auch Thomas Leitch. Der SP-Mann kämpfte gegen den Mundartzwang und meint: «Es war keine pädagogische Diskussion. Es ging um die Angst vor Identitätsverlust.»

Das Resultat ist überraschend, die Freude bei Christoph Riner gross. Die Enttäuschung bei Thomas Leitch allerdings hält sich in Grenzen: «Es bricht jetzt keine Welt zusammen.» Die Debatten in anderen Kantonen hätten gezeigt, dass das Anliegen der Initianten Chancen hat. «Wenn man über den Kindergarten diskutiert, dann geht auch immer eine gewisse Angst vor einer Verschulung des Kindergartens um.»

Konkrete Folgen der Initiative noch unklar

Nach dem Abstimmungstag stellen sich nun ganz konkrete Fragen. Erstens: Was tun mit den vielen Kindergarten-Lehrpersonen aus Deutschland? «Vielleicht müssen wir sie in Mundart-Kurse schicken», sagt Thomas Leitch. Mit einem Grinsen. «Aber wir sind auf diese Lehrpersonen zwingend angewiesen.»

Christoph Riner gibt eine ähnliche Antwort. Aber ohne Grinsen: «Wir könnten Mundart-Kurse anbieten, so wie es der Kanton Zürich auch gemacht hatte.» So oder so müsse man gewisse Fragen nun «im Einzelfall und vor Ort» klären, hält Riner fest. Aber der Grundsatz gelte: Kein Hochdeutsch im Kindergarten.

Laut Thomas Leicht braucht es für die Umsetzung dieser Forderung sowieso eine Gesetzesänderung. Deshalb wird sich die Aargauer Politik noch mit den konkreten Folgen der Initiative befassen müssen. Dann werden solche praktischen Fragen wohl noch diskutiert und geklärt.

Mundart im Kindergarten

Kanton Aargau: Initiative «Ja für Mundart im Kindergarten»

  • JA

    55.5%

    121'587 Stimmen

  • NEIN

    44.5%

    97'440 Stimmen

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Lucas Kunz, Sallneck
    Wenn's richtig ist, dass in der Abstimmung nur danach gefragt wurde, ob "Mundart" gesprochen werden soll oder nicht ... Kein Problem für die deutschen KindergärtnerInnen: Sie sprechen anstelle gepflegtem Hochdeutsch nun eben auch ihre eigene Mundart - Schwäbisch, Mecklenburgerisch, Thüringerisch, Platt ...
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