Die Eschen sterben – Verenaschlucht wird ausgeholzt

Die Krankheit heisst Eschentriebsterben. Seit 2008 wütet sie in der Schweiz. 95 Prozent der Eschen werden in wenigen Jahren absterben, schätzen Experten. In der Solothurner Verenaschlucht müssen die Eschen deshalb jetzt gefällt werden. Sogar ein Helikopter kommt zum Einsatz.

Baumstamm im Wald, der unten krank aussieht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Am Stammfuss junger Eschen werden durch den Erreger des Eschentriebsterbens Nekrosen verursacht. WSL

Wahrscheinlich am Mittwoch werde man mit Holzen beginnen, heisst es bei der zuständigen Bürgergemeinde Solothurn auf Anfrage. Rund 140 Eschen in der Verenaschlucht müssen weg. Sie sind krank und drohen umzufallen.

Weil es in der Verenaschlucht nicht anders möglich ist, hilft sogar ein Helikopter beim Holzen mit. Ende Januar oder Anfang Februar wird er die gefällten Bäume aus der Schlucht ziehen. Das beliebte Naherholungsgebiet wird dann einen ganzen Tag komplett gesperrt werden.

Gefahr für die Spaziergänger

Nötig wird die Holzerei wegen eines Pilzes. Dieser führt zum sogenannten Eschentriebsterben. 2008 ist die Krankheit erstmals in der Schweiz aufgetaucht und hat seither in rasantem Tempo Eschen im ganzen Land befallen.

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Erreger aus Asien

Erreger aus Asien

Schuld am Eschentriebsterben in Europa ist der Pilz Chalara fraxinea, der aus Ostasien eingeschleppt worden ist. Die Krankheit wurde in den frühen 1990er Jahren zuerst in Polen und Litauen festgestellt. 2008 hat sie die Schweiz erreicht. Mehrere Forschungsgruppen sind auf der Suche nach einem Gegenmittel.

Mit dem Abholzen der Eschen kann ein Ausbreiten der Krankheit nicht verhindert werden, stellt der Solothurner Kantonsoberförster Jürg Froelicher klar. Die Holzerei in der Verenaschlucht diene nur der Sicherheit der Spaziergänger.

Absterbende Bäume entlang von Strassen und Siedlungen seien ein Risiko, sagt Froelicher. Nur deshalb werden sie in der viel begangenen Schlucht gefällt.

Der Wald verändert sein Gesicht

Ein Mittel gegen das Eschentriebsterben konnte bislang nicht gefunden werden. Die Symptome des Befalls sind schüttere Kronen sowie vertrocknende Blätter und Zweige. Da der Pilz die Leitungsbahnen befällt, stirbt der Baum von oben her ab.

Der Solothurner Kantonsoberförster Jürg Froelicher schätzt, dass derzeit im Kanton Solothurn bereits die Hälfte aller Eschen Symptome zeigt und bis in wenigen Jahren in der ganzen Schweiz 95 Prozent der Eschen verschwunden sein werden.

Hoffnung auf resistente Eschen

Im Kanton Solothurn sind 5 Prozent aller Bäume Eschen. Das Absterben des Laubbaums wird vor allem entlang von Gewässern die Landschaft verändern. Ausser der Erle gebe es für solche Standorte keine Alternative, bedauert Froelicher.

Es besteht allerdings Hoffnung, dass die Esche nicht vollständig verschwinden wird. 5 Prozent der Eschen scheinen resistent zu sein und werden die Seuche überleben. Daraus werde sich dann eine neue Population von Eschen aufbauen können, zeigt sich Froelicher optimistisch.

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Pilz bedroht heimische Eschen

4:05 min, aus 10vor10 vom 24.6.2014