«Die Manager waren für viele Giessereien die Totengräber»

Giesserei-Ingenieur und Schriftsteller Hanspeter Britt gibt sich in seinem Buch kritisch zur Geschichte der Schweizer Giessereiindustrie. In seinem Buch «Giesser und Totengräber» beleuchtet Britt auch die Geschehnisse in den Kantonen Aargau und Solothurn, wo früher deutlich mehr Giessereien standen.

Britt im Studio des Regionaljournals Aargau Solothurn, im Vordergrund die Titelseite des Buchs. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hanspeter Britts Urgrossvater war Giesser und Totengräber. So heisst nun auch Britts neues Buch. Bähram Alagheband/SRF

Der Buchtitel «Giesser und Totengräber» von Hanspeter Britt hat eine zweifache Bedeutung: Einerseits war der Urgrossvater des Autors tatsächlich Giesser und Totengräber, andererseits deutet Autor Britt damit auf die Manager hin: Sie sind aus seiner Sicht ein wichtiger Grund, warum es mit der Giesserei-Industrie in der Schweiz und in der Region Aargau/Solothurn bergab ging.

Ab 1990 seien keine Fachpersonen mehr «an der Front» gewesen, meint Hanspeter Britt. Entscheide wurden nicht mehr von Personen gefällt, die eine Ahnung hatten, sondern lediglich von Managern, kritisiert Britt. Hinzu gekommen sei die Ölkrise, aber auch die Zeit nach dem Krieg.

Schliessungen statt Innovation

«Giessereien lieferten viel für die Rüstungsindustrie, aber auch für Kraftwerke», erklärt Britt. Nach dem 2. Weltkrieg sei die Nachfrage im Rüstungsbereich natürlich deutlich kleiner geworden. Die Zuständigen in den Giessereien der Region konnten diese Lücken nicht schliessen, meint der Autor. Stattdessen habe man häufig einfach mit Entlassungen und Schliessungen reagiert, so die Kritik.

Und wie geht es weiter in dieser Branche? Aus der Sicht des Giesserei-Ingenieurs Hanspeter Britt sieht es besser aus. «Diejenigen Giessereien, die heute noch existieren, werden von Unternehmern geführt», lobt Britt. Und: «Die heutigen Giessereien sind gut aufgestellt, da habe ich nicht so Angst.»