Die Vision der Solothurner Wasserstadt soll wahr werden

Der Solothurner Gemeinderat steht hinter den Plänen für eine Wasserstadt an einer zusätzlichen Aareschlaufe im Westen Solothurns. Mit 20 zu 7 Stimmen hat er am Dienstagabend die Stadt beauftragt, sich stärker für die Wasserstadt einzusetzen und die vielen Stolpersteine aus dem Weg zu räumen.

Die Wasserstadt in der Visualisierung von Herzog & de Meuron. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Wasserstadt in der Visualisierung von Herzog & de Meuron. Herzog & de Meuron

Seit Investoren die Idee einer Wasserstadt im Westen Solothurns präsentiert haben, fasziniert das visionäre Projekt über die Stadtgrenzen hinaus. Allein schon die Namen der bekannten Architekten Herzog und de Meuron sowie erste Skizzen sorgen für eine landesweite Ausstrahlung.

Die Wasserstadt ist alles andere als eine normale Überbauung. Gemäss den Plänen soll für die Aare eine zusätzliche Schlaufe gegraben werden. Am Wasser würden dann 660 Wohnungen für gute Steuerzahler gebaut, ein Badestrand würde zum Flanieren einladen, eine Insel für erholsames Grün sorgen.

Politisches Zeichen an die Investoren

Der Solothurner Gemeinderat will, dass diese Vision Realität wird. Das hat er am Dienstagabend klar gemacht und einer Motion aus den Reihen der FDP zugestimmt. Es sei ein Zeichen für die Investoren, dass die Politik hinter der Wasserstadt stehe, freut sich Motionär Beat Käch gegenüber dem Regionaljournal.

20 Gemeinderäte von FDP, SVP, CVP und den Grünen haben der Motion zugestimmt. 6 SP-Gemeinderäte und der Vertreter der Grünliberalen waren dagegen. 3 Gemeinderäte enthielten sich der Stimme.

SP will kein «Reichen-Ghetto»

Für die Sozialdemokraten seien noch zu viele Fragen offen, als dass sie bereits jetzt die Wasserstadt unterstützen könnten, machte Katrin Leuenberger deutlich: «Wir wissen noch nicht, ob die Wasserstadt eine Chance oder ein Fremdkörper ist». Was die SP sicher nicht wolle, sei ein «Reichen-Ghetto» im Westen Solothurns.

Motionär Beat Käch (FDP) hingegen verwies auf den Leuchtturm-Charakter, den die Wasserstadt für Solothurn haben könnte. Die Politik müsse jetzt alles unternehmen, um das Projekt vorwärts zu bringen. Käch verlangte von der Stadt mehr Enthusiasmus für die Wasserstadt und forderte und einen runden Tisch, um die vielen Stolpersteine möglichst schnell aus dem Weg zu räumen.

Stadtpräsident Fluri fordert mehr Geduld 

Stolpersteine gibt es tatsächlich etliche. Eine grosse Hürde stellt das neue Raumplanungsgesetz dar, welches es erschwert, dass Gemeinden neues Bauland einzonen können. Zudem befindet sich ein grosser Teil der Wasserstadt in der Witi-Schutzzone oder ist Landwirtschaftsland, das zum Teil bis 2040 an einen Bauer verpachtet ist. Zudem müsste der TCS-Campingplatz der Wasserstadt weichen.

Vor allem aber käme die Wasserstadt auf dem jetzigen «Stadtmist» zu liegen. Diese ehemalige Deponie müsste zuerst entsorgt werden. Schätzungsweise ist von Kosten für die Sanierung in der Höhe von 200 Millionen Franken die Rede, wobei noch nicht klar ist, wer wieviel daran zahlen wird. Abklärungen sind im Gange.

Stadtpräsident Kurt Fluri machte als Jurist und Realist deutlich, dass es angesichts dieser vielen Stolpersteine mehr brauche als nur Enthusiasmus, um die Wasserstadt zu verwirklichen. Die Stolpersteine zu beseitigen sei zwar möglich, werde aber viel länger dauern als nur zwei oder drei Jahre, wie die Initianten meinten. Die Investoren bräuchten mehr Geduld. «Ein Schnellzugstempo könnte zum Entgleisen des ganzen Projektes führen», so Fluri.