Neuer Finanzausgleich Die Zahlen sind da: So viel erhält oder bezahlt Ihre Gemeinde

Aargauer Agglomeration Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Stadt Baden (vorne) muss viel zahlen, Neuenhof (hinten rechts) gehört zu den grossen Profiteuren. SRF

Es war ein harter Abstimmungskampf im Februar: Ländliche Gemeinden wehrten sich heftig, die Agglomerationsgemeinden kämpften verbissen dafür. Am Schluss genehmigte das Aargauer Stimmvolk den neuen Finanz- und Lastenausgleich zwischen den Gemeinden.

Jetzt hat der Kanton berechnet, was die neuen Regeln für das Jahr 2018 bedeuten. Konkret: Welche Gemeinde erhält wie viel oder muss wie viel bezahlen? Die komplette Liste finden Sie in der Box.

Viel Geld fliesst in die Agglo

Auffällig ist: Die höchsten Beiträge erhalten grössere Agglomerationsgemeinden mit tiefen Steuererträgen und hohen Sozialhilfekosten. Aarburg erhält über 4,7 Millionen Franken, Neuenhof knapp 4,6 Millionen und Reinach gut 4,3 Millionen. Auch Oftringen, Spreitenbach oder Suhr gehören zu den grössten «Nehmer-Gemeinden».

Auf der anderen Seite stehen die finanzstarken Städte, welche die grössten Beiträge in den Topf einzahlen. Die Stadt Baden liefert gut 12,2 Millionen Franken ab, die Stadt Aarau immerhin knapp 5,7 Millionen. Aber auch die steuergünstigen Gemeinden Oberwil-Lieli am Mutschellen (knapp 2,1 Millionen) oder Meisterschwanden am Hallwilersee (gut 1,4 Millionen) liefern Geld.

65 Gemeinden zahlen ein

Insgesamt erhalten 147 Gemeinden Beiträge in der Höhe von total rund 86 Millionen Franken, schreibt das Innendepartement. Auf der anderen Seite leisten 65 Gemeinden Abgaben von rund 65 Millionen Franken. Der Kanton finanziert selber einen Anteil von 27 Millionen.

Damit lägen die Zahlen insgesamt innerhalb der Modellrechnungen, betont der Kanton. Bei drei Vierteln der Gemeinden seien die Zahlen im Rahmen dessen, was man erwartet habe. Bei rund einem Viertel der Gemeinden weichen die Zahlen nun aber ab – mehr als 2 Steuerprozente von dem, was eigentlich erwartet wurde.

Ein komplett neues System

So oder so: Mit den Vorjahren seien die Zahlen nicht mehr vergleichbar, betont das zuständige Innendepartement in seiner Mitteilung. Denn das ganze System funktioniert komplett anders als früher.

So wird gerechnet: Die Höhe des Finanzausgleichs errechnet sich aus verschiedenen «Töpfen», je nach Situation der Gemeinde.

  • Steuerlastenausgleich: Wie hoch ist der Steuerertrag pro Kopf? Es profitieren Gemeinden mit eher einkommensschwachen Einwohnerinnen und Einwohnern.
  • Bildungslastenausgleich: Wie viele Schüler hat eine Gemeinde? Es profitieren Gemeinden mit vielen Schülerinnen und Schülern.
  • Soziallastenausgleich: Wie viele Sozialhilfeempfänger hat eine Gemeinde? Es profitieren Gemeinden mit einer hohen Quote.
  • Räumlich-struktureller Lastenausgleich: Wie viel Fläche hat eine Gemeinde im Vergleich zur Einwohnerzahl? Es profitieren eher ländliche Gemeinden.

Das neue System funktioniert noch nicht in «Reinkultur». Aktuell sind noch Übergangsbeiträge eingerechnet, erst ab 2020 greift das System richtig. 88 Gemeinden erhalten aktuell zusätzliche Zahlungen.

Einen «Notschirm» gibt es auch ab 2020 noch: Dann erhalten besonders finanzschwache Gemeinden sogenannte Ergänzungsbeiträge. Das betrifft alle Gemeinden, die trotz Finanzausgleich ihren Steuerfuss mehr als 25 Prozentpunkte über den kantonalen Durchschnitt anheben müssten.