Ein Lebenswerk in Schutt und Asche: David Villiger

450 Jahre passierte nichts. Dann schlug das Schicksal zu. Die Eichmühle in Beinwil im Freiamt brannte zum grössten Teil nieder. Das Unternehmen ist seit 9 Generationen im Besitz der Familie Villiger. David Villiger und sein Vater Paul schmieden aber schon wieder Pläne.

Die Feuerwehrleute haben ihr Möglichstes getan in der Brandnacht vom 7. auf den 8. November 2012. Sie konnten die Wohnhäuser und die meisten Getreide-Silos retten, aber die eigentliche Mühle brannte komplett nieder.

Brandursache bleibt unklar

Warum der Brand ausbrach, ist unklar und wird wohl für immer unklar bleiben. Denn die Zerstörung ist so gross, dass die Brandermittler vielleicht gar nie herausfinden, was den Brand auslöste. Tatsache ist, dass die Futtertrocknungsanlage in dieser Nacht in Betrieb war.

Eventuell könnte ein technischer Defekt zu einem Funkenwurf geführt haben. Der Rest wäre dann bekannt.

Tätig in der Spezialitäten-Nische

Die Eichmühle produziert seit fast 450 Jahren Mehl. Seit den 70er-Jahren baute Paul Villiger die alte Mühle immer weiter aus. Die Eichmühle produzierte bis zum Brand Mehl-Spezialitäten, besonders aus Dinkel und in der Region beliebte Müesli-Mischungen.

Das wichtigste Standbein war aber die Herstellung von Futtermitteln. Bauern der Region brachten der Mühle ihr Futtergetreide. Die Eichmühle trocknete dieses, mahlte es und vermischte es mit Zusätzen. Die Bauern erhielten dann Futter, das genau auf ihre Tiere abgestimmt war.

Schwerer Schlag für die Familie Villiger

Damit ist jetzt zumindest voerst Schluss. Seit dem 8. November ist die Eichmühle Geschichte. Geschäftsführer David Villiger, der unmittelbar neben der Mühle wohnt, schlief bereits, als die Mühle Feuer fing. Die Nachbarin bemerkte den Brand und alarmierte die Feurwehr.

David Villiger wurde als Mitglied der Ortsfeuerwehr aus dem Bett geklingelt und hörte sofort den Brand vor seinem Fenster. Danach habe er nur noch funktioniert, und er funktioniere bis heute: «Ich habe das alles noch nicht richtig realisiert. Die Emotionen werden uns sicher noch einholen, aber im Moment funktionieren wir einfach.»

Auch sein Vater Paul Villiger, der die Mühle Anfang 2010 an den Junior abgegeben hat, eilte aus dem Dorf zur Mühle. Es gelang ihm, aus dem alten Gebäude noch wichtige Ordner zu retten. Der Verlust des historischen Gebäudes und des grössten Teils seines Lebenswerk schmerzt ihn.

«Weitermachen»

Um so wichtiger sind die einzigen Relikte, die von der alten Mühle übrig sind. Ein altes Wappen des Klosters Muri, der alten Besitzerin der Eichmühle, blieb erhalten. Und auch ein alter Mahlstein von 1608 konnte gerettet werden.

Paul Villiger ist trotz allem auch voller Hoffnung: «Sogar eine Erika-Blume über dem Portal hat überlebt. Für mich ein Hinweis, dass man weitermachen sollte.» Auch Junior David Villiger ist fest entschlossen, wieder eine neue Eichmühle aufzubauen. Definitiv ist das aber noch nicht. «Dies muss sich jetzt in den nächsten Tagen zeigen.»

Eichmühle-Mehl wird bereits wieder von befreundeten Mühlen produziert. Denn das Silo für das Futtergetreide der Bauern hat den Brand glücklicherweise überstanden. Und auch ein provisorischer eigener Verkaufsladen für Mehlmischungen und Müesli ist bereits für den nächsten Monat geplant.

Bis im nächsten Sommer wollen Villigers dann eine neue Futtertrocknungsanlage in Betrieb nehmen. Ob und bis wann eine neue Mülhle aufgebaut werden kann, ist noch nicht klar.