Projekt «Pastoralräume» «Eines der grössten Reformprojekte der Katholischen Kirche»

Seit gut zehn Jahren diskutiert die Römisch-katholische Kirche eine grosse Strukturreform: Die Seelsorge wird quasi «regionalisiert». Das heisst konkret: Künftig kümmert sich ein Priester nicht mehr nur um eine Pfarrei oder Kirchgemeinde, sondern um mehrere – er ist für einen ganzen «Pastoralraum» zuständig.

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Stand der Dinge in der Region

Im Kanton Aargau sind 26 Pastoralräume geplant, im Kanton Solothurn sind es 14. Die Grösse ist sehr unterschiedlich. Erst 8 Pastoralräume (darunter z.B. Region Aarau, Lenzburg, Rohrdorferberg oder Muri) sind im Aargau bisher realisiert. Eigentlich hätten alle Pastoralräume bis 2018 funktionieren sollen.

Viele Regionen blockieren Reform

Andreas Müller, Redaktionsleiter des Kirchenmagazins «Horizonte Aargau», spricht von «einem der grössten Reformprojekte der Römisch-katholischen Kirche in der Neuzeit». Doch die Reform stösst an der katholischen Basis zum Teil auf Widerstand: Erst letzte Woche scheiterte das Projekt «Pastoralraum Limmattal» vorläufig am Veto von drei Kirchgemeinden.

Die Gründe dafür sieht Müller im kirchlichen Alltag. «Ein Pastoralraum bedeutet zum Beispiel, dass es in einer Kirche nicht mehr jedes Wochenende einen Gottesdienst gibt.» Zudem hätten die Menschen zum Teil Angst, dass sie ihre bisherigen Ansprechpartner in der Kirche verlieren.

Andreas Müller berichtet seit Jahren über verschiedene Pastoralraum-Projekte. Seine Beobachtung: Die Kirchenbasis sehe durchaus ein, dass es eine Reform brauche. Man fühle sich zum Teil aber «überfahren» vom hohen Tempo des Bistums. Und: Die Reform ist «diktiert» – das Bistum entscheidet zum Beispiel über strukturelle und personelle Fragen.

Konflikt zwischen Bistum und «Staatskirche»

«Das gibt Reibungspunkte», so Müller. Denn auf der anderen Seite stehen die Kirchgemeinden: Sie bleiben in ihren heutigen Strukturen bestehen an den meisten Orten. Sie sind häufig «eher basisdemokratisch organisiert», wie Müller es formuliert. Es gibt zum Beispiel Kirchgemeindeversammlungen. Vor allem aber sind es die Kirchgemeinden, welche den Betrieb der Kirche mit ihren Steuern finanzieren.

Das heisst: Das Bistum, also «Rom», reorganisiert quasi seine Dienstleistungsangebote, welche aber von den Kirchgemeinden (Landeskirche) bezahlt werden. In diesem Fall gilt der Grundsatz «wer zahlt befiehlt» also nicht. Das führe vielerorts zu Spannungen. «Wichtig ist, dass die Projektleiter sehr kommunikativ sind und integrierend wirken», sagt Andreas Müller. «Man muss die Leute abholen, damit die Reform gelingt.»

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Bildlegende: Andreas Corsinus Müller leitet die Redaktion des katholischen Kirchenmagazins «Horizonte Aargau». Horizonte Aargau/Felix Wey

Restrukturierung notwendig

Für den Kirchenjournalisten steht ausser Frage, dass es die Reform dringend braucht. «Schon jetzt muss das Bistum Basel Priester aus dem Ausland holen, um den Bedarf decken zu können.» Auch die Steuererträge sinken, weil die Kirche weniger Mitglieder hat. Deshalb muss man Personal und Geld gezielter einsetzen. «Das Bistum würde es so nicht formulieren, aber eigentlich ist es eine Art Restrukturierungsprogramm», sagt Müller.

Was für die Wirtschaft gilt, das gilt auch für die Katholische Kirche: Restrukturierungsprogramme haben es schwer bei der «Belegschaft». Für Andreas Müller ist deshalb klar: Die grosse Reform im Bistum Basel ist 2018 sicher nicht abgeschlossen. «Es wird wohl an einzelnen Orten bis nach 2020 dauern.»