Erhöhte Radioaktivität über dem AKW Leibstadt

Die Schweizer Luftwaffe ist mit Helikoptern über die Atomanlagen der Schweiz geflogen. Dabei wurden erhöhte Messwerte festgestellt. Die Nationale Alarmzentrale schlägt deswegen aber keinen Alarm.

Bei Messflügen über dem AKW Leibstadt hat ein Helikopter der Nationalen Alarmzentrale (NAZ) direkt über der Anlage eine leicht erhöhte Radioaktivität festgestellt. Auch im Bergell, weitab von Kernanlagen, wurden überdurchschnittlich hohe Werte registriert.

Die erhöhten Werte direkt über dem AKW Leibstadt seien schon in den vergangenen Jahren beobachtet worden, heisst es in dem am Dienstag veröffentlichten NAZ-Bericht. Bei Siedewasserreaktoren wie Mühleberg und Leibstadt werde Frischdampf mit Stickstoff N-16 aus dem Reaktor in das Maschinenhaus geleitet.

Lauftaufnahme des AKW Leibtstadt Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Messwerte über dem AKW Leibstadt sind erhöht, aber nicht alarmierend. Keystone

Wegen der geringen Dachabschirmung könne die Gammastrahlung des Stickstoffisotops N-16 deshalb unmittelbar über dem Maschinenhaus von der Luft gut festgestellt werden. Aus dem Reaktor selber dringe aufgrund der dicken Schutzhülle keine Gammastrahlung nach aussen.

Mehrstündige Messflüge über Atomanlagen

Die NAZ-Flüge über den Kernanlagen im nördlichen Aargau fanden am 27. Juni statt. Ein Helikopter der Schweizer Luftwaffe überflog während dreieinhalb Stunden die Kernkraftwerke Leibstadt und Beznau, das Zentrale Zwischenlager in Würenlingen sowie das Paul Scherrer Institut in Würenlingen und Villigen.

Die Flughöhe betrug rund 90 Meter über Grund. Die Messwerte entsprachen laut NAZ-Angaben den Erwartungen. Ausserhalb der AKW-Areale wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. Alle Schweizer Kernanlagen werden im Auftrag der Aufsichtsbehörde ENSI im Zweijahresrhythmus ausgemessen.

Zwischen dem 27. Juni und dem 1. Juli wurden auch andere Teile der Schweiz überflogen. Dabei stellten die Messgeräte in der Umgebung von Vicosoprano GR im Bündner Südttal Bergell überdurchschnittliche Radioaktivitätswerte fest. Ursache dafür sind die relativ hohen Anteile an natürlich vorhandenem Thorium und Uran in den örtlichen Gesteinen.

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Wie funktioniert ein Atomkraftwerk?

0:55 min, aus myZambo vom 14.3.2011