Felix Kunz, Innovationspark Biel: «Das lohnt sich für Solothurn»

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat diese Woche den Schweizerischen Innovationspark eröffnet. Dieser soll an fünf Standorten Firmen und Forschung vereinen und aus der Schweiz ein kleines «Silicon Valley» machen. Der Solothurner Felix Kunz erklärt, wie das konkret funktioniert. Und was es bringt.

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Felix Kunz

Felix Kunz

Der Solothurner hat weltweit mehr als 12 Firmen gegründet, unter anderem die Digital-Logic AG in Luterbach. Dafür wurde er 2009 mit dem Unternehmerpreis geehrt. Kunz ist Verwaltungsratspräsident des Kabelnetzverbunds Quickline und Stifter des Computer-Museums «Enter» in Solothurn. 2014 hat er das Zukunftslabor «InnoCampus» in Biel gegründet

Seit Montag ist der Schweizerische Innovationspark offiziell eröffnet. Eigentlich besteht diese Organisation aus fünf verschiedenen Parks: Lausanne, Dübendorf, Allschwil (Basel), Villigen (Aargau) und Biel. Die beiden regionalen Innovationsparks Villigen und Biel sind bereits in Betrieb.

Während sich in Villigen (Park «Innovaare») Firmen mit Grundlagenforschung beschäftigen und von der Nähe zum Paul Scherrer Institut profitieren, will der Park in Biel vor allem die fertigende Industrie ansprechen und die Medizinaltechnik. Geleitet wird der Innovationspark in Biel von der Firma Innocampus AG – und der Chef dieser Firma ist Felix Kunz.

Zusammenspiel von Firmen und Forschung

Der Solothurner ist überzeugt vom «System Innovationspark»: «Die Schweiz ist ein rohstoffarmes Land. Wir brauchen Innovation. Und vor allem müssen wir schneller werden.»

In den Labors und Büros des Innovationsparks in Biel kämen Entwickler aus verschiedenen Firmen und Forscher der Fachhochschule unkompliziert und schnell in Kontakt. Daraus entstünden bereits in den nächsten Jahren wohl sehr bedeutende Produkte, ist Felix Kunz überzeugt.

Krebstherapie und 3-D-Drucker

«Wir forschen zum Beispiel an einer alternativen Krebstherapie, welche die Chemotherapie ersetzt. Wenn das in drei oder fünf Jahren auf den Markt kommt, wird es das Leben von ganz vielen Menschen grundlegend verändern.»

Auch im Bereich «Industrie 4.0» erwartet Kunz grosse Veränderungen: Dank 3D-Druckern würden künftig vielleicht Auto-Ersatzteile nicht mehr zentral produziert und verschickt, sondern könnten direkt in der Garage hergestellt werden. «Das wird die Logistik komplett verändern. Diesen Schritt dürfen wir nicht verpassen.»

10'000 neue Arbeitsplätze für die Schweiz?

Die Erwartungen an den Innovationspark sind gross. Bis zu 10'000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, es ist die Rede von einer Schweiz als neues «Silicon Valley». Kunz relativiert: «Die Schweiz funktioniert anders als Amerika. Und der Innovationspark ist ein Generationenprojekt. Eine erste Bilanz kann man erst in zehn oder fünfzehn Jahren ziehen.»

Die ersten Erfolge aber sind bereits sichtbar. In Biel arbeiten gegen 100 Leute in den Labors und Büros des Innovationsparks. Bis 2019 ist ein Neubau für 45 Millionen Franken geplant auf dem künftigen Campus der Berner Fachhochschule. Die Hälfte der Flächen soll bis dann vermietet sein, so Kunz.

Viel Geld vom Staat – zu Recht?

Kritiker sprechen vom «Illusionspark» und finden, der Staat investiere viel zu viel Geld in dieses Projekt. Immerhin gibt es grosszügige Leistungen von Bund und Kantonen:

  • Der Bund stellt 350 Millionen Franken zur Verfügung als Bürgschaft (Sicherheit für Firmen, die bei Banken um Kredite anfragen)
  • Der Kanton Bern leistet eine Anschubfinanzierung von 20 Millionen für den Innovationspark in Biel
  • Der Kanton Solothurn beteiligt sich mit 50'000 Franken an der Trägerfirma Innocampus AG am Bieler Park
  • Der Kanton Aargau investiert insgesamt 8 Millionen Franken (davon 2 Millionen direkt als Anschubfinanzierung) für den Innovationspark in Villigen

«Natürlich kann man Innovation nicht staatlich verordnen», gibt Felix Kunz zu. Aber: «Es braucht einen finanziellen Anstoss». Immerhin: Die Innocampus AG in Biel ist zu 85 Prozent von Firmen getragen, nur 15 Prozent kommen von der öffentlichen Hand. «Die Wirtschaft hilft sich also selber», so Kunz.

Er ist überzeugt davon, dass sich die Investitionen der Kantone lohnen. «Wenn es wirklich neue Firmen mit 10'000 Arbeitsplätzen gibt in der ganzen Schweiz, dann können Sie selber ausrechnen, was da an Steuergeld zurück kommt.» Deshalb sei es auch wichtig und richtig, dass sich Solothurn am Campus in Biel beteilige. «Im Kanton Solothurn hat es sehr viele Firmen im industriellen Bereich, denen wir hier helfen können».

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