Ferien im Denkmal in Wegenstetten – mit Fledermäusen

Pro Natura Aargau kauft das so genannte «Trottenhaus» in Wegenstetten. Die Umweltorganisation will es sanft umbauen und als Unterkunft für Touristen öffnen. Profitieren sollen dabei vor allem Fledermäuse. Im Dachstock leben nämlich die sehr seltenen grossen Hufeisennasen.

Haus Dorfstr. 72 Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wegenstetten, Dorfstrasse 72: Der ganze Dachstock des 200 Jahre alten Hauses soll für Fledermäuse reserviert bleiben. Kanton Aargau/Andres Beck

Das Haus ist so alt wie der Kanton Aargau, rund 200 Jahre. Gebaut wurde es an der Dorfstrasse 72 Wegenstetten ursprünglich als Restaurant. Heute ist es praktisch noch im Originalzustand.

Die grosse Hufeisennase ist in der Schweiz eine stark bedrohte Art, da ihr natürlicher Lebensraum schwindet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Grosse Hufeisennase ist in der Schweiz eine stark bedrohte Art, da ihr natürlicher Lebensraum schwindet. Wikicommons: Prof. emeritus Hans Schneider

«Die Zeit ist hier stillgestanden», sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. «General Guisan schaut noch zwischen den Spinnweben heraus und auf dem grossen Herd steht noch eine Pfanne.» Pro Natura Aargau kann das sogenannte Trottenhaus jetzt kaufen.

Die Eigentümerin, die Christkatholische Kirchgemeinde Wegenstetten, Hellikon, Zuzgen und Zeinigen, wollte das Haus eigentlich zu Seniorenwohnungen umbauen. Doch das Projekt kam nicht zustanden.

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Jurapark Aargau

Wegenstetten liegt im Jurapark Aargau. Präsident ist Thomas Vetter. Er freut sich über die Initiative von Pro Natura Aargau. Die neue Unterkunft «Ferien im Denkmal» sei nicht nur eine Chance für das Fricktal, sondern für den ganzen Aargau, sagt er auf Anfrage des Regionaljournals. Man werde sich wenn möglich an der Finanzierung beteiligen.

Die Christkatholiken haben an ihrere letzten Versammlung nun dem Verkauf an Pro Natura Aargau zugestimmt. Zu prüfen sei noch, ob das Haus gleich für 400'000 Franken verkauft werde oder im Baurecht vergeben werde, sagt Pfarrer Klaus Heinrich Neuhoff auf Anfrage des Regionaljournals Aargau-Solothurn.

Die grosse Hufeisennase braucht Schutz

Pro Natura will das Gebäude sanft umbauen und als Unterkunft für Touristen wieder eröffnen. «Ferien im Denkmal» – so nennt sich das Konzept hinter dem Umbauprojekt.

Dabei geht es Pro Natura Aargau aber nur in zweiter Linie um die Förderung des Tourismus. In erster Linie wolle man der Hauptaufgabe von Pro Natura, dem Schutz der Natur, gerecht werden, erklärt Jonnes Jenny.

Fledermäuse im Dachstock. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dachstock des Hauses: Die Grossen Hufeisennasen hängen an der Heizung. Kanton Aargau/Andres Beck

Im Dachstock des Hauses befindet sich nämlich die Kinderstube einer sehr seltenen Fledermausart, der grossen Hufeisennase. Diese vermehrt sich nur noch an drei Orten in der Schweiz, darunter eben an der Adresse Dorfstrasse 72 in Wegenstetten.

«Es ist sozusagen das erste Schutzgebiet in einem Haus, in einem Dachstock. Und ein Dachstock kann nur bestehen, wenn darunter ein Haus besteht», erklärt Johannes Jenny das Engagement für den Erhalt des Hauses.

Insgesamt kosten Verkauf und Renovation des Hauses 1,4 Millionen Franken. Pro Natura Aargau geht davon aus, dass ein grosser Teil des Geldes von der Stiftung «Ferien im Baudenkmal» kommt. Diese Stiftung gehört zum Schweizer Heimatschutz und hat diverse alte Häuser in den Kantonen Graubünden, Bern, Wallis und Tessin.