Spielgruppen, Kita und Co. Frühe Förderung fördern: Kanton Aargau will Gemeinden animieren

Kinder sollen schon vor dem Kindergarten gefördert werden in ihrer Entwicklung. Diese Strategie verfolgt die Aargauer Regierung. Sie will die frühe Förderung fördern. Aber nur indirekt.

Frühe Förderung lohnt sich, das glaubt die Aargauer Kantonsregierung. Sie will deshalb die bestehenden Angebote besser koordinieren und bei den Gemeinden bekannter machen. Warum und wozu? Saskia Misteli vom Departement für Gesundheit und Soziales (DGS) nimmt Stellung.

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Zur Person

Portrait Saskia Misteli

SRF

Saskia Misteli arbeitet beim kantonalen Sozialdienst in der Fachstelle Familie und Gleichstellung. Sie ist unter anderem für die Koordination von Angeboten der frühen Förderung zuständig.

SRF: Sollen Kinder mit zwei Jahren schon chinesisch lernen, will der Kanton Aargau kleine Superhirne züchten?

Saskia Misteli: Es geht nicht um schulische Inhalte, es geht um die ganzheitliche Entwicklung des Kindes. Das Kind steht im Zentrum, es geht um sprachliche, kognitive, motorische und soziale Entwicklung der Kinder. Das Ziel der frühen Förderung ist eingentlich, dass Kinder von 0 bis 4 Jahre gesund und in einem anregenden Umfeld aufwachsen können.

Können Sie konkrete Beispiele nennen, was für Projekte und Angebote Sie meinen?

Zum Beispiel Spielgruppen, Kindertagesstätten oder die Mütter- und Väterberatung. Diese steht zum Beispiel allen Eltern von Kindern bis fünf Jahre zur Verfügung. Wenn es in Richtung Motorik geht, gibt es auch heilpädagogische Früherziehung oder es gibt integrative Projekte wie zum Beispiel Muki-Deutschkurse.

Aber diese Projekte gibt es alle schon. Was will die Aargauer Regierung denn nun mehr machen?

Wir wollen nicht mehr und neue Angebote. Es geht darum, dass wir für die Gemeinden eine Ansprechstelle haben, dass wir die Angebote koordinieren. Uns ist es vor allem wichtig, dass wir die Chancengerechtigkeit erhöhen können, die Integration verbessern und zu guter Letzt auch, dass wir unsere Sozialausgaben bremsen können. Das können wir machen, weil die Frühförderung auch präventiv wirkt.

Kinder spielen, Mütter am Tisch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Angebote für Kleinkinder (im Bild eine Muki-Gruppe) lohnen sich langfristig für die Gemeinden, glaubt der Kanton. Keystone

Stichworte sind Integration und Sprachförderung. Sind mit dieser frühen Förderung also in erster Linie Ausländer angesprochen, also ausländische Mütter?

Nein, frühe Förderung tangiert alle Kinder, ist für alle wichtig. Zielgruppen sind natürlich auch sozial benachteiligte Kinder und Kinder, die nicht gut deutsch können.

Die Aargauer Gemeinden müssen auf das Schuljahr 2018/2019 das neue Kinderbetreuungsgesetz umsetzen. Das Gesetz will die Chancengerechtigkeit verbessern. Hat also diese frühe Förderung mit dem neuen Gesetz zu tun?

Nur indirekt. Die familienergänzende Kinderbetreuung ( ist natürlich eine Massnahme der frühen Förderung. Und dabei ist die Qualität entscheidend. Es ist relevant, wie diese Kinder betreut werden, damit es ihnen auch langfristig etwas nützt für die Zukunft.

Viele Gemeinden befürchten schon wegen der familienergänzenden Kinderbetreuung Mehrkosten. Jetzt sprechen Sie auch noch von früher Förderung, welche eine Gemeindeaufgabe sein soll. Wer soll das bezahlen?

Je nachdem generiert das gar keine höheren Kosten, weil viele Gemeinden diese Angebote schon haben. Es lohnt sich aber zu schauen, ob die Angebote qualitativ gut sind. Und auch wenn es Kosten verursacht kurzfristig, langfristig rechnet sich dieser Aufwand sicher.

Das Gespräch führte Stefan Ulrich.